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StartseiteWirtschaft am MittagErste Frau an der Spitze eines DAX-Konzerns11.10.2019

Führungswechsel bei SAPErste Frau an der Spitze eines DAX-Konzerns

SAP-Chef Bill McDermott ist in der Nacht zurückgetreten - auch für Branchenkenner eine Überraschung. Es sei Zeit für einen Generationenwechsel, hieß es von Seiten des Konzerns. Seine Nachfolgerin Jennifer Morgan ist die erste Frau an der Spitze eines Dax-Unternehmens.

Von Sina Fröhndrich und Dorothee Holz

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Christian Klein, Bill McDermott und Jennifer Morgan stehen bei der Hauptversammlung des Softwarekonzerns SAP auf der Bühne. (picture alliance / Uwe Anspach )
Die neuen und der alte: Christian Klein (l.) und Jennifer Morgan übernehmen die Führung von SAP von Bill McDermott (picture alliance / Uwe Anspach )
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Bis 2021 hätte Bill McDermott an der Spitze von SAP bleiben können, so lange lief eigentlich sein Vertrag. Nun aber ist der 58-Jährige mit sofortiger Wirkung zurückgetreten – ein Schritt, der auch Branchenexperten überraschte.  

Gut neun Jahre lang hat der Manager den Konzern geführt und ihn dabei unter anderem mit dem Cloudgeschäft international nach vorne gebracht. SAP macht Milliardenumsätze, hat fast 100.000 Beschäftigte und ist aktuell das wertvollste deutsche Börsenunternehmen.

30 Prozent mehr Gewinn im dritten Quartal

McDermott gehörte zuletzt mit fast zwölf Millionen Jahresgehalt zu den Topmanagern in Deutschland. Der gebürtige Amerikaner, der seit einem Unfall eine getönte Brille trägt, hat mal klein angefangen mit einem Lebensmittelgeschäft auf Long Island bei New York. 2002 stieg er bei "SAP America" ein und führte dort die Geschäfte. 2010 übernahm er dann den Vorstandsposten des Gesamtkonzerns zunächst in Doppelspitze mit dem Dänen Jim Hagemann Snabe, ab 2014 alleine.

Seitdem erwirtschaftet der Konzern gute Gewinne. Während das zweite Quartal in diesem Jahr durchwachsen ausfiel, konnten die neuen Zahlen fürs dritte Quartal, die heute Nacht bekannt gegeben wurden, die Anleger überzeugen: Um 30 Prozent ist der Gewinn in diesem Zeitraum gestiegen, auf mehr als eine Milliarde Euro.

Gleichzeit stehen die Walldorfer vor Herausforderungen: So baut SAP derzeit das Geschäft um und trennt sich dafür von Beschäftigten – die Abfindungen und Vorruhestandsregelungen, die gezahlt werden, kosten. Gleichzeitig hat McDermott insbesondere im Cloud-Geschäft zahlreiche Zukäufe veranlasst. Christoph Schmidt, Analyst bei Fegra Capital, hält das rückblickend für richtig und "mutig". Andere Experten merken aber an, dass es herausfordernd sei, all die Zukäufe ins Unternehmen zu integrieren.

Jennifer Morgan und Christian Klein als Nachfolger

Unterm Strich laufen die Geschäfte dennoch gut. Den jetzigen Austausch der Führungsspitze verkauft SAP als Generationenwechsel – und auch Bill McDermott schrieb auf Twitter: "Jetzt starten wir das nächste Kapitel."

McDermott berät SAP noch bis Jahresende, die neuen Vorstände heißen aber ab heute Jennifer Morgan und Christian Klein. Die US-Amerikanerin Jennifer Morgan ist Jahrgang 1971 und war zuletzt für das wichtige Cloud-Geschäft zuständig. Der Deutsche Christian Klein ist Jahrgang 1980, hat vor 20 Jahren als Student bei SAP angefangen und leitete zuletzt die innerbetrieblichen Abläufe.

Deren Aufgabe werde es nun sein, das Unternehmen stärker auf die Bedürfnisse der Kunden auszurichten, sagt Analyst Christoph Schmidt: "Die Kunden verstehen viele Produkte nicht und wissen nicht, warum sie unbedingt in diese neuen Cloud-Produkte wechseln sollen." Die neuen Chefs müssten die Kommunikation mit den Kunden in dieser Hinsicht verbessern.

Insgesamt ist der Aufstieg von SAP eine Erfolgsgeschichte: Gegründet 1972 von ehemaligen IBM-Beschäftigten, darunter Hasso Plattner, spielt der Walldorfer Konzern inzwischen in einer Liga mit amerikanischen Konkurrenten wie Oracle oder Salesforce.

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