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StartseiteCampus & KarriereFünfteilige Sendereihe: Hochschulpolitik im Bundestagswahlkampf07.09.2009

Fünfteilige Sendereihe: Hochschulpolitik im Bundestagswahlkampf

1. Unterwegs mit Kai Gehring, jugend- und hochschulpolitischer Sprecher der Bündnisgrünen

Volle Hörsäle und doppelter Abiturientenjahrgang - die Hochschullandschaft muss dringend ausgebaut werden. Das ist eine Forderung von Bündnis90/Die Grünen im Bundestagswahlkampf. Welche Positionen die Partei sonst noch vertritt: Kai Gehring, jugend- und hochschulpolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, weiß es.

Von Andrea Groß

Kai Gehring, hochschulpolitischer Sprecher von Bündnis 90/ Die Grünen im Bundestag (Deutscher Bundestag)
Kai Gehring, hochschulpolitischer Sprecher von Bündnis 90/ Die Grünen im Bundestag (Deutscher Bundestag)

Die Bündnisgrünen sind auf Wahlkampftour in Essen-Rüttenscheid. Der Stadtteil steht für Szenekneipen und schicke Läden. Die Bevölkerung arbeitet häufig in der Kreativwirtschaft und trifft sich samstags auf dem Wochenmarkt um exotische Käsesorten zu kaufen und über den letzten Sardinienurlaub zu plaudern. Der hochschulpolitische Sprecher der Grünen, Kai Gehring hat auf der Wahlkampfveranstaltung ein Heimspiel. Rüttenscheid ist sein Wahlkreis, hier wohnt er und deshalb trifft er immer wieder Bekannte. Zum Beispiel Mara Erlinghagen.

"Ich habe zusammen mit Kai Gehring in Bochum an der Ruhr-Universität Sozialwissenschaft studiert. Kai war damals zwei Semester weiter als ich und war damals schon ein beeindruckender, engagierter Politiker. Früher haben wir uns ab und zu in der Bahn getroffen, wenn wir nach Bochum gefahren sind. Wir wohnen beide in Rüttenscheid, quasi um die Ecke, aber man sieht sich seltener."

Ernsthaftigkeit, Freundlichkeit, Ehrlichkeit - das sind die Eigenschaften die die ehemalige Studienkollegin mit ihm verbindet. Ob sie ihn wählen würde?

"Mit Namen? Im Radio? – Ja!"

Kai Gehring ist 32 Jahre alt, seit elf Jahren Mitglied der Bündnisgrünen und seit vier Jahren jugend- und hochschulpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion. Eines der Hauptthemen im Bundestagswahlkampf ist der Ausbau der Hochschullandschaft. Wegen der vollen Hörsäle und der doppelten Abiturientenjahrgänge müssen dringend neue Studienplätze her.
""Deshalb wollen wir als Grüne in den nächsten fünf Jahren 500.000 neue Studienplätze schaffen, weil wir auch das bessere Betreuungsverhältnis, was durch die Bologna-Reform notwendig ist, mit hinein rechnen. Das ist auch eine der größten Chancen, die wir wirtschaftlich in diesem Land in den nächsten Jahren haben. Wir haben akut einen Fachkräfte- und Akademikermangel. Der besteht auch fort in Zeiten der Wirtschaftskrise."

Studienplätze schaffen, Studiengebühren abschaffen, so sieht es das Wahlprogramm der Bündnisgrünen vor – was schwierig werden dürfte, da Bildung weitgehend Ländersache ist. Für Kai Gehring ein Unding.

"Da muss der Bund wieder zurück mit in die Verantwortung, damit so was wie ein Ganztagsschulprogramm auch künftig möglich ist. Damit wir es schaffen, für unter dreijährige entsprechend Betreuungsplätze zu schaffen und auch einen grünen Pakt für Studierende zu machen und ordentlich Geld auch auf Bundesebene in die Hand zu nehmen, um gleiche Bildungschancen für alle zu schaffen."

Gleiche Bildungschancen für alle sollen nach dem Willen von Bündnis90/ Die Grünen zu Schulabschlüssen für jeden führen. Keiner, so steht es im Wahlprogramm, darf zurückgelassen werden. Finanziert werden soll das über eine Umwidmung des Solidarzuschlages, den sogenannten Bildungssoli. Auch auf dem Ausbildungsmarkt muss nach dem Willen der Partei endlich Schluss sein mit dem konjunkturbedingten Auf und Ab der angebotenen Plätze. Eine branchen- und konjunkturabhängige Umlage soll es richten.

Und was sagt die Basis? Auf dem Campus der Universität Duisburg-Essen stößt das Wahlprogramm der Bündnisgrünen auf ein geteiltes Echo. Ein Rechtswissenschaftler beispielsweise würde Kai Gehring keinesfalls seine Stimme geben.

"Ich würde ihn nicht wählen. Wenn ich das begründen soll, dann würde ich sagen, dass er zu einfach denkt, wenn er meint, der Bund müsste mehr in der Bildungspolitik zu sagen haben, weil das ist ja nun mal föderal gegliedert nach dem Grundgesetz. Und das zu ändern, das wird nicht so einfach. Das hat man ja schon versucht, so ein bisschen."

Die meisten der Befragten können sich mit den Zielen zwar gut identifizieren, für sie stehen die Bündnisgrünen jedoch nicht unbedingt für die Kernkompetenz in Bildungsfragen. Auch diese Studentin ist noch nicht völlig überzeugt.

"Das Plakat würde mich schon ansprechen. Die Inhalte sprechen mich auf den ersten Blick auch an. Aber, um da jetzt wirklich mein Kreuzchen hinzusetzen, müsste ich mir das wirklich noch genauer anschauen."

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