
Am Dienstagabend hatte eine Störung des digitalen Bahnfunksystems bundesweit rund zwei Stunden lang für Stillstand im Zugverkehr gesorgt. Ursache war dem Konzern zufolge der planmäßige Tausch einer technischen Komponente im Funksystem. Zu Ausfällen und Fehlern im Zugfunk kommt es immer wieder. In diesem Ausmaß waren die Probleme laut Bahn aber einmalig.
Bundesverkehrsminister Schnieder mahnte eine umfassende Aufklärung an. Die Deutsche Bahn müsse ihre Systeme so aufstellen, dass sich das nicht wiederhole, sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur.
Der nordrhein-westfälische Verkehrsminister Krischer (Grüne) sagte dem WDR, dass "aufgrund einer technischen Störung zwei Stunden lang alle Züge in Deutschland stehen, das darf eigentlich nicht passieren". Er äußerte auch Kritik am Notfallmanagement der Bahn. In der Nacht waren zahlreiche Reisende an Bahnhöfen gestrandet, vor Bahnhofsinformationen hatten sich sehr lange Warteschlangen gebildet. Viele Reisende saßen durch den Ausfall fest. Taxi‑ und Hotelgutscheine wurden ausgegeben, allerdings waren nicht überall Unterkünfte verfügbar.
Kritik an altem Funksystem
Der Grünen-Verkehrsexperte Gastel hält mittel- bis langfristig eine Alternative für notwendig. Zwar gelte das jetzige System GSM-R als zuverlässig, es sei jedoch veraltet, sagte Gastel im Deutschlandfunk. In Finnland etwa nutze man im Eisenbahnverkehr das öffentliche Mobilfunknetz. Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses, Al-Wazir (Grüne), sagte: "GSM ist das, was man heute 2G nennen würde und wir sind ja gerade beim Übergang von 5G auf 6G".
Das digitale Bahnfunksystem GSM-R ist mehr als 20 Jahre alt. Die Abkürzung steht für "Global System for Mobile Communications - Railway" und ist den Angaben der Bahn zufolge nach wie vor Standard in allen europäischen Ländern. Ein Nachfolgesystem gibt es zwar, das sogenannte Future Railway Mobile Communication System. Doch noch gibt es dafür keine Zulassung von der EU. Ausgerollt werden soll es erst in den kommenden Jahren.
Große Folgen für den Güterverkehr
Starke und vor allem längere Auswirkungen hat der Ausfall auf den Transport von Gütern. Die Geschäftsführerin des Verbands Die Güterbahnen, Wesseln, sagte, Güterzüge seien vor allem nachts unterwegs und deshalb besonders stark von der Störung betroffen. Deshalb habe auch am Morgen nach der Störung noch etwa die Hälfte der Güterzüge stillgestanden. Wesseln zufolge wird es Tage dauern, den entstandenen Logistikstau abzuarbeiten. Sie erwarte nun "lückenlose Aufklärung" von der Bahn.
Pro Bahn: Mehr Resilienz beim Zugfunk
Auch der Fahrgastverband Pro Bahn forderte Konsequenzen. "Wir erwarten von der Bahn, dass sie auch beim Zugfunk für mehr Resilienz sorgt", sagte Pro-Bahn-Chef Neuß der "Rheinischen Post". Es könne nicht sein, dass möglicherweise ein Update eine derart massive Störung auslöse.
Der Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG, Burkert verwies im Sender NTV auf das "marode" Schienennetz: "Es wurde über Jahrzehnte zu wenig investiert und es trifft natürlich auch die Technik."
DB InfraGo: Fehler nach 90 Minuten entdeckt
Die Bahn selbst führt die Störung auf einen technischen Fehler bei einer geplanten Instandhaltungsarbeit zurück. Dieser habe das zentrale Funksystem für den Bahnverkehr lahmgelegt, sagte der Chef der Netzsparte der Deutschen Bahn, Nagl. 90 Minuten habe es gedauert, den Fehler zu finden. "Wir konnten dann mithilfe unseres voll redundanten Systems den Zugfunk auch unmittelbar wiederherstellen." Nach weiteren 30 Minuten seien dann die ersten Züge wieder losgefahren. Allein schon wegen des enormen Energiebedarfs beim Anfahren der Züge habe es dann aber noch gedauert, bis alles wieder lief. Nagl betonte, die genauen Hintergründe würden noch umfangreich untersucht.
Aus dem Deutschlandfunk-Programm
Diese Nachricht wurde am 24.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.



