Sonntag, 17.11.2019
 
Seit 20:05 Uhr Freistil
StartseiteSport AktuellWieder keine Frauen im Publikum23.09.2019

Fußball im IranWieder keine Frauen im Publikum

Nach der tragischen Selbstverbrennung eines weiblichen Fußball-Fans im Iran soll sich etwas ändern. Zumindest bei Länderspielen sollen Frauen künftig zuschauen dürfen. Damit hat der Iran auf Kritik der FIFA reagiert. Beim Teheraner Derby mussten sie aber immer noch draußen bleiben.

Von Karin Senz

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Frauen wie hier in Teheran dürfen bisher nicht ins Stadion. (www.imago-images.de)
Viele iranische Frauen sind Fußballfans, sie dürfen aber in der Regel nicht ins Stadion. Das soll sich nun zumindest bei Länderspielen ändern. (www.imago-images.de)
Mehr zum Thema

Fußball im Iran Regierung kündigt teilweise Öffnung für Frauen an

Iran Die FIFA erhöht den Druck

Hongkong Länderspiel wird zur politischen Protest-Aktion

Iran Fußballfan stirbt nach Selbstverbrennung

Auf den Zuschauerränge ist alles in rot oder blau gehüllt – die Farben der beiden Teheraner Teams. Die Stimmung ist super. Männer sind hier ganz unter sich. Dieser Fan hätte allerdings nichts dagegen, wenn Frauen mit ihnen mitfiebern würden, im Gegenteil:

"Wir freuen uns, wenn Frauen ins Stadium zugelassen werden. Heute ist eine gute Atmosphäre, alle Fans sind problemlos reingekommen, alle waren sehr höflich. Warum soll es schlecht sein, wenn Frauen zugelassen werden und neben den Männern ihre Teams anfeuern. Ich hoffe, dass wir bald alle zusammen Spiele anschauen."

Das Schicksal von Sahar rüttelte wach

Immer wieder versuchen Frauen verkleidet als Mann ins Stadion zu kommen, so auch Sahar letztes Jahr. Sie wurde erwischt und festgenommen, sollte ein halbes Jahr ins Gefängnis. Anfang des Monats übergoss sich die 30-Jährige vor einem Gericht mit Benzin und zündete sich an. Sie starb an ihren Verbrennungen. Sahar bekam den Beinamen "Das blaue Mädchen", weil sie einen blauen Schal in der Farbe ihres Vereins trug.

Das scheint auch die FIFA, den Fußball-Weltverband, wachgerüttelt zu haben. Ihm war vorgeworfen worden, zu milde mit dem Iran und seinem Stadion-Verbot für Frauen umzugehen. Joyce Cook, Generalsekretärin bei der Fifa nimmt Stellung:

"Lassen Sie mich das ganz deutlich sagen. Wir sind davon überzeugt, dass es allen Frauen möglich sein muss, zu Fußballspielen zu gehen, angefangen beim FIFA-Qualifikationsspiel nächsten Monat. Damit im Hinterkopf war diese Woche eine Delegation im Iran. Da waren Fußball-Experten dabei und Menschenrechtler, die mit der Föderation und den lokalen Behörden zusammengearbeitet haben. Wir werden da nicht wegschauen. Und wir sind sicher, dass das der Moment ist, in dem sich wirklich was ändert."

Im Oktober dürfen Frauen ins Stadion - aber nur wenige

Für heute hat die Delegation nichts mehr ausrichten können. Aber nächsten Monat soll es ein Spiel mit Frauen auf den Zuschauerrängen geben, bestätigt die iranische Parlamentsabgeordnete Tayyebeh Siavoshi:

"Für das nächste Länderspiel Iran gegen Kambodscha am 10. Oktober dürfen jetzt Frauen im Internet Tickets kaufen. Soweit ich weiß, gib es aber nur 1.400 Tickets für sie. Damit kommen sie dann ins Stadion. Das ist ein erster, aber ein sehr kleiner Schritt. 100.000 Plätze gibt es, und dann nur 1.400 für Frauen. Das ist nicht viel."

Auch männliche Fans wünschen sich Frauen im Stadion

Erzkonservative Geistliche rechtfertigen das Verbot damit, dass man Frauen schützen wolle vor dem Anblick halbnackten Männer und vor einem vulgären Umfeld. Dieser Fan kann das nicht nachvollziehen. Frauen sollen ins Stadion kommen dürfen, findet auch er:

"Das wäre klasse. Dann ändert sich was, und es werden auch weniger Schimpfwörter benutzt, wie bei Basketball oder Volleyball. Da können Frauen ja auch zu schauen, und es passiert nichts."

Das blaue Mädchen haben Fans und Fußballer über all das nicht vergessen. Der iranische Spieler Andranik Teymourian, twitterte nach ihrem Tod: eines Tages wird ein Stadion im Iran geben mit dem Namen "Das blaue Mädchen". Und in Teheran sagen sie im Stadion für sie: "Du wirst auf ewig ein Fan unseres Teams sein, Deine Seele wird auf ewig weiterleben."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk