Sonntag, 03. Juli 2022

Fußball
Neue Eigentümer für Chelsea - Entscheidung steht bevor

Der FC Chelsea wird verkauft, drei Bietergruppen kommen noch in Frage. Am Ende der Woche könnte die Entscheidung stehen, welches Konsortium als neuer Eigentümer vorgeschlagen wird.

Von Chaled Nahar | 26.04.2022

Der FC Chelsea soll in den kommenden Tagen neue Eigentümer bekommen.
Der FC Chelsea soll in den kommenden Tagen neue Eigentümer bekommen. (IMAGO/Pro Sports Images)
In Am Dienstag und Mittwoch (26./27. April 2022) haben die drei verbliebenen Gruppen die Chance, sich beim Vorstand des Clubs vorzustellen. Alle drei haben übereinstimmenden englischen Medienberichten zufolge die Gelegenheit bekommen, ihre Pläne zu präsentieren.

Welche neuen Eigentümer in Frage kommen

Es gibt noch drei Bietergruppen, die sich an der Stamford Bridge vorstellen:
Gruppe angeführt von Martin Broughton: Broughton ist ehemaliger Vorsitzender des FC Liverpool und von British Airways. Er gewann mehrere promintente Persönlichkeiten aus dem Sport: Der Formel-1-Rennfahrer Lewis Hamilton, die Tennisspielerin Serena Williams und auch Sebastian Coe, Präsident des Leichtathletik-Weltverbands, sind Teil der Gruppe. Die US-Milliardäre Josh Harris und David Blitzer sind ebenfalls involviert. Allerdings besitzen beide Anteile von Crystal Palace, die sie den Regularien der Premier League zufolge bei einem Zuschlag verkaufen müssten. Blitzer war auch am Transfer von Ricardo Pepi zum FC Augsburg beteiligt. Beide sind Miteigentümer des NBA-Teams Philadelphia 76ers.
Gruppe angeführt von Stephen Pagliuca: Pagliuca ist Eigentümer des Basketballteams Boston Celtics in der NBA. Er versprach in einer Stellungnahme, "das Erbe und die Traditionen von Chelsea zu schätzen und zu bewahren". Der Name, die Clubfarben, das Logo und der Standort im Stadion Stamford Bridge sollten im Falle eines Zuschlags beibehalten werden. Pagliuca ist auch mit 55 Prozent am Serie-A-Klub Atalanta Bergamo beteiligt, was bei einer Übernahme Chelseas in Frage stehen wird, da die UEFA-Regularien die Kontrolle von zwei Klubs nicht erlauben, wenn beide in UEFA-Wettbewerben spielen. Pagliucas Gruppe ist geprägt von mehreren vorrangig aus dem US-Sport kommenden Investoren. Mit Peter Guber ist ein Miteigentümer des Baseball-Teams Los Angeles Dodgers Teil der Gruppe.
Gruppe angeführt von Todd Boehly: Todd Boehly ist wie Guber Miteigentümer der Los Angeles Dodgers und bietet mit dem britischen Immobilieninvestor Jonathan Goldstein mit um Chelsea. Das Angebot wird von der US-Investmentfirma Clearlake Capital unterstützt. In der Öffentlichkeit profitierte die Gruppe von der Unterstützung von Paul Canoville, der in den 80ern Chelseas erster schwarzer Spieler war. Canoville sprach sich für Boehlys Gruppe aus und brachte das Thema Kryptowährung als Einnahmequelle ins Spiel - was manche Fanorganisationen bei vielen Clubs allerdings eher kritisch sehen.

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Der Preis wird hoch sein

Als Preis wurde in britischen Medien von rund 2,5 Milliarden britischen Pfund berichtet (rund drei Milliarden Euro). Joe Ravitch, Mitbegründer der Bank, sagte in der "Financial Times", dass der Wert von Top-Clubs der Premier League seiner Einschätzung nach in den kommenden Jahren auf mehr als zehn Milliarden US-Dollar steigen werde. "Ich denke also, wer Chelsea heute zu den Preisen kauft, über die wir sprechen, bekommt den Klub für ein Schnäppchen", sagte er.

Investitionen vor allem am Stadion nötig

Wer den Club gekauft hat, wird eine Menge Geld nachlegen müssen. Ein Team muss stets verstärkt werden, wenn es weiter in der Spitze der Premier League und der Super League spielen soll. Hinzu kommt die Stadionfrage. Die Stamford Bridge hat auf einem eingeschränkt ausbaufähigen Gelände 42.000 Plätze und ist nicht in jeder Frage auf dem neuesten Stand. Die neuen Eigentümer werden die bei den Fans sensible Frage aufwerfen müssen, ob und zu welchem Preis man es ausbauen und modernisieren kann oder ob man sich nicht doch mit einem neuen Standort anfreunden kann.
Wenig Platz für einen Ausbau: die Stamford Bridge, das Stadion des FC Chelsea
Wenig Platz für einen Ausbau: die Stamford Bridge, das Stadion des FC Chelsea (imago images/PA Images)

Warum der Klub verkauft wird

Roman Abramowitsch wurde von der britischen Regierung sanktioniert. Sie wirft dem russischen Oligarchen eine Nähe zu Präsident Wladimir Putin vor und dass eine Stahlfabrik von ihm zur Ausrüstung des russischen Militärs beträgt. Das finanzielle Vermögen Abramowitschs im Vereinigten Königreich wurde eingefroren - wozu auch der FC Chelsea gehört. Der Club durfte mit einer Sonderlizenz den Spielbetrieb aufrechterhalten.

Wer die Entscheidung trifft

Die Entscheidung, wer den Club übernehmen soll, liegt zunächst bei der aktuellen Clubführung und beim bisherigen Eigentümer Roman Abramowitsch. Die Investmentbank Raine Group aus den USA wickelt den Verkauf ab. Allerdings muss die britische Regierung zunächst die Übernahme genehmigen.
Die Premier League führt außerdem eine "Eigentümer-Prüfung" durch. Dort wird die Integrität beleuchtet - beispielsweise, ob noch ein Anteilsbesitz an anderen Klubs der Premier League besteht. Dazu gehören aber auch strafrechtliche Verurteilungen, eine Sperre durch eine Sportorganisation oder Verstöße wie Spielmanipulationen. Oft wird kritisiert, dass diese Prüfung keine Menschenrechtsfragen berücksichtigt. So konnte der Staatsfonds von Saudi-Arabien Newcastle United übernehmen.

Was passiert mit dem Geld?

Roman Abramowitsch darf durch die Sanktionen von dem Geld nicht profitieren. Britische Medien berichten, dass das Finanz- und das Sportministerium entscheiden werden, was mit dem Geld passiert. Im Gespräch sind wohltätige Zwecke.
Der bisherige Besitzer des FC Chelsea, Roman Abramowitsch.
Der bisherige Besitzer des FC Chelsea, Roman Abramowitsch (dpa / picture-alliance))
Abramowitsch hatte vor seiner Sanktionierung angekündigt, keine Kredite zurückzufordern und "alle Nettoeinnahmen", die bei dem Verkauf erzielt werden, über eine noch zu gründende Stiftung an "alle Opfer" des Kriegs zu spenden. Wer damit genau gemeint war, blieb unklar - der Plan dürfte aber hinfällig sein.