Mittwoch, 17. August 2022

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G8-Gipfel soll US-Blockade beim Klimaschutz brechen

Nach Einschätzung von Hans Joachim Schellnhuber, Klimabeauftragter der Bundesregierung, hat in den USA ein Umdenken beim Klimaschutz eingesetzt. Selbst in den höchsten Regierungskreisen werde der Klimawandel inzwischen als großes Problem anerkannt, sagte der Klimabeauftragte der Bundesregierung. Dennoch wäre für den G8-Gipel in Heiligendamm schon die "Duldung einer ambitionierten Klimapolitik" das Beste, was man von den USA erwarten könne.

Moderation: Eva Bahner | 15.05.2007

    Eva Bahner: Es sind noch drei Wochen bis zum G8-Gipfel in Heiligendamm, und so langsam wächst der Druck auf die USA vor allem im Hinblick auf den Klimagipfel Ende des Jahres in Bali, sich an der weltweiten Klimapolitik zu beteiligen, und das möglichst verbindlich. Nun ist in der "Süddeutschen Zeitung" heute zu lesen, dass bereits im Vorfeld des Gipfels US-Unterhändler versuchen, entscheidende Klimaschutzpassagen aus dem Schlussdokument zu streichen wie beispielsweise konkrete Ziele wie das Zwei-Grad- Ziel. Am Telefon ist nun Professor Hans-Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und gleichzeitig Klimabeauftragter der Bundesregierung. Herr Schellnhuber, torpedieren die USA tatsächlich Merkels Klimapolitik, können Sie das bestätigen?

    Hans-Joachim Schellnhuber: Die Frage ist, was Sie unter Torpedieren bezeichnen, was Sie damit meinen. Nein, es ist natürlich eine außerordentlich schwierige Verhandlungslage im Augenblick, und es ist wie immer so, dass, wenn unterschiedliche Auffassungen existieren bei einer sehr wichtigen Angelegenheit, dass die Unterhändler sich bis zum Schluss möglichst jeden Spielraum offen halten wollen. Entscheidend wird sein, wie das Endspiel gestaltet wird, und das wird von der Bundeskanzlerin gestaltet.

    Bahner: Nehmen die USA denn immer noch eine Bremserhaltung ein, oder ist da langsam auch ein Einlenken erkennbar, sich auf verbindliche Ziele zur Reduzierung der Treibhausgase einzulassen?

    Schellnhuber: Diese Haltung ist natürlich sehr zögerlich. Das hängt mit der jetzigen administration, also der Regierung im Weißen Haus, zusammen, die natürlich sich niemals als Klimafreunde offenbart haben. Aber es ist zu erkennen zweierlei: In den USA selbst ist es so, dass das Publikum, die Wählerschaft, die Konsumenten das Klimaproblem immer ernster nehmen und Druck gewissermaßen ausüben, das wird für die Präsidentschaftskandidaten sehr wichtig sein im nächsten Jahr in den USA. Und zweitens: Selbst in den höchsten Regierungskreisen gibt es ein gewisses Umdenken, man erkennt inzwischen an, das Klimaproblem ist ein großes Problem, wir stecken mitten im Klimawandel drin, wir müssen was dagegen tun. Aber das Beste, was man erreichen kann, ist wahrscheinlich eine Duldung einer ambitionierten Klimapolitik durch andere Länder. Wenn das zustande käme über ein Abschlussdokument in Heiligendamm, hätte man eine ganze Menge schon gewonnen.

    Bahner: Wie sieht denn jetzt konkret die Strategie der Bundesregierung aus, die USA mit ins Boot zu holen - auch nach 2012, nach Ablaufen des Kyoto-Protokolls?

    Schellnhuber: Wir reden natürlich jetzt nicht über das, was nach 2012 geschieht. Sie haben einfach eine Serie von Ereignissen in diesem Jahr, die ganz wichtig sind. Sie haben Heiligendamm jetzt im Juni, dann wird es möglicherweise eine Art Klimagipfel bei den Vereinten Nationen im September geben und dann natürlich die wichtige Konferenz in Bali. Und im Grunde genommen muss jeder dieser Schritte einigermaßen erfolgreich sein. Die Bundesregierung hat drei sehr wichtige Ziele eingebracht für das Dokument in Heiligendamm, das natürlich jetzt heftig diskutiert wird, nämlich Energieeffizienz massiv erhöhen, das müsste eigentlich allen Ländern zusagen, aber es gibt erstaunliche Gegenmeinungen in diesem Fall, dann die Ausweitung des europäischen Emissionshandelsystems möglichst in eine globale Struktur und drittens natürlich ein langfristiges Ziel für den Klimaschutz, das wäre bevorzugt, die Globalerwärmung nicht über zwei Grad Celsius über vorindustriellem Niveau anwachsen lassen.

    In allen drei Bereichen gibt es heftigen Gegenwind, das war aber nicht anders zu erwarten. Es wäre absolut notwendig, dass mindestens in einem dieser Aspekte ein quantitatives Ziel erreicht würde, gemeinsam vereinbart würde von den G8-Staaten. Dann hätte man den nötigen Erfolg erzielt, um also dann auf dem Weg nach Bali weiterzuschreiten. Natürlich kämpft die Bundesregierung, kämpfen alle hier dafür, dass in allen drei Aspekten ein quantitativer Fortschritt erzielt wird.

    Bahner: Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und Klimabeauftragter der Bundesregierung. Vielen Dank, Herr Schellnhuber, für Ihre Einschätzungen.