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StartseiteHintergrundGamal Abdel Nassers Machtprobe28.10.2006

Gamal Abdel Nassers Machtprobe

Vor 50 Jahren: Die Suez-Krise

Drei Tage lang verharrt das Land im Zustand der Lähmung. Der staatliche Rundfunk Ägyptens spielt Trauermusik und wiederholt immer wieder die Lieder der Sängerin Oum Khalsoum. So wie die Stimme der Ägyptischen Revolution den Präsidenten durch sein Leben begleitet hat, so begleitet sie ihn auch in den Tod. Das Begräbnis Gamal Abdel Nassers am 1. Oktober 1970 gerät zum Fanal. Über eine Million Menschen drängen sich auf Kairos Straßen, den Trauerzug begleiten Szenen der Massenhysterie. Mit Gewalt müssen die Sicherheitskräfte dem Sarg einen Weg durch die Menge bahnen - selbst gestandene Männer zerreißen ihre Kleidung und lassen ihren Gefühlen freien Lauf. Immer wieder schreien sie: Gamal Abdel Nasser, verlass uns nicht:

Von Doris Bulau

Gamal Abdel Nasser, hier als 36-jähriger Revolutionsgeneral, wird 1954 ägyptischer Staatspräsident (AP Archiv)
Gamal Abdel Nasser, hier als 36-jähriger Revolutionsgeneral, wird 1954 ägyptischer Staatspräsident (AP Archiv)
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Nicht nur die Ägypter trauern, sondern auch die Menschen in Libyen, im Libanon, in Syrien, im Irak und in Palästina. Nassers Tod ist ein Schock für alle, die immer noch an die Einheit der arabischen Welt glauben, an den Panarabismus und den arabischen Sozialismus - das Glaubensbekenntnis Gamal Abdel Nassers. Diese Schlagworte kennzeichnen seine Herrschaft. Sie ziehen sich durch seine Reden, mit denen er die arabischen Massen in seinen Bann schlägt. Auch der palästinensische Journalist Abdel Hadi ist als junger Mann von Nasser tief berührt:

"Wir haben gelauscht, wir haben gewartet, was wird der Mann uns erzählen heute und der hat also Reden gehalten und hat Emotionen geschürt, also sehr sehr stark "

In den 16 Jahren seiner Präsidentschaft steigt Gamal Abel Nasser nicht nur zum Nationalhelden und kollektiven Übervater Ägyptens auf, er gilt auch als unangefochtener Führer der arabischen Welt. Und dies trotz seiner eher bescheidenen politischen Bilanz, einer Summe schwerer militärischer Niederlagen, außenpolitischer Misserfolge und ungelöster innenpolitischer Probleme.

Nassers Weg an die Macht beginnt am 23. Juli 1952. Junge Militärs und mit ihnen Gamal Abdel Nasser putschen sich an die Macht. Sie revoltieren gegen König Faruk, gegen Korruption und Vetternwirtschaft. Die Islamwissenschaftlerin Gudrun Krämer von der Freien Universität Berlin erinnert an die Reaktionen der westlichen Welt:

"Man vergisst leicht, dass Anfangs der Coup der Freien Offiziere von den Vereinigten Staaten ganz positiv bewertet wurde, weil man sich erhoffte, dass hier eine dynamische, nach vorne blickende Führung dieses Land voranbringen würde. Während in der Sowjetunion Anfangs nationale Befreiungsbewegungen noch als reaktionär eingestuft wurden, so dass es anfänglich gar nicht danach aussah, als würde die neue Führung nun den sowjetischen Block zuneigen, wie man damals dachte - im Gegenteil."

Der Putsch stößt nicht auf Widerstand, sondern verläuft erstaunlich ruhig und unblutig. Ägypten steckt in einer Krise und ein politischer Wandel liegt in der Luft. König Faruk verlässt sein Land und geht ins Exil nach Italien, für die ägyptische Bevölkerung war er nur eine Marionette Londons. Denn obwohl Ägypten offiziell schon seit 1922 unabhängig ist, stehen noch immer britische Truppen am Suez-Kanal. Zudem hat Ägypten einen Krieg verloren. 1948 - unmittelbar nach seiner Gründung - hat sich Israel gegen die arabische Einheitsfront erfolgreich zur Wehr gesetzt und dabei auch Ägypten vernichtend geschlagen. Ein Trauma für das Land am Nil.

Nasser arbeitet am Mythos des unbestechlichen und unermüdlichen Kämpfers für die Erneuerung der arabischen Welt. Er wird Vorsitzender des Revolutionsrates, Ministerpräsident und Staatspräsident.

"Als er zum Präsidenten gewählt wurde 1956 hatte er noch keine besonderen bestechenden Eigenschaften. Er war nicht charismatisch, er war auch kein glänzender Redner. Er wurde zu dieser charismatischen Gestalt, die weit über Ägypten hinaus Massen elektrisiert hat, durch seine Erfolge. "

Und Sonja Hegasi vom Zentrum Moderner Orient in Berlin fügt hinzu:

"Er ist jemand gewesen, der es aus dem allgemeinen Volk geschafft hat an die Spitze des Staates zu kommen. Er war Sohn eines einfachen Postbeamten und das ist ein erstaunlicher Weg mit dem sich viele identifizieren können. Er hat dazu beigetragen, dass die Monarchie abgeschafft wurde, er hat im Prinzip die Entkolonialisierung eingeleitet und hat den Ägyptern wieder ihren Nationalstolz zurückgegeben."

Nasser wird zum Mythos der arabischen Welt: Zwar hat er keine Lösung für das Problem der Palästinenser, dennoch wird er gerade für sie zu einer besonderen Leitfigur: Abdel Hadi:

"Ich zum Beispiel in meiner Jugend kann mich sehr gut erinnern. Wir haben uns geschämt Araber zu sein, so lange unter türkischer Herrschaft, später britische Herrschaft, später kam Israel und da kam ein Mann, der gesagt hat, wir wollen frei sein und wir haben das Recht darauf, frei zu sein. Das hat wirklich ein neues Bewusstsein bei den Menschen geschaffen, besonders die Parole: Brüder hebt den Kopf, die Zeit des Kolonialismus ist vorüber."

Mit Großbritannien erzielt Nasser ein Abkommen, das den britischen Abzug vom Suez-Kanal innerhalb von zwei Jahren und die völlige Souveränität Ägyptens in Aussicht stellt. Der Kanal, eine Verbindung zwischen dem Mittelmeer und dem Roten Meer ist seit 1869 mit nur192 Kilometer die kürzeste Verbindung für Öl aus den Nahen Osten nach Europa. Zwei Drittel des Ölbedarfs werden durch den Suez-Kanal transportiert.
Die Wasserstraße ist im Besitz von Großbritannien und Frankreich.
Getragen von einer Welle der Sympathie propagiert Nasser den Bau des gigantischen Assuan-Staudamms, der die Landwirtschaft vom ewigen Rhythmus der Nilflut unabhängig machen soll. Gleichzeitig soll der Fluss als Stromlieferant Quelle der Industrialisierung Ägyptens werden. Zu seinen großen innenpolitischen Erfolgen gehört die Verteilung des Großgrundbesitzes an Kleinbauern und Pächtern. Das Geheimnis seiner Herrschaft sieht der Berliner Politologe Friedrich Büttner in der Fähigkeit, mit den unterschiedlichen Mächte zu spielen: Militär, die Bürokraten und der Partei, der arabischen sozialistischen Union, die er zu einem wirkungsvollen Kontrollinstrument entwickelt:

"Es war ganz eindeutig ein autoritäres Regime. Sie hatten zunächst die traditionellen parlamentarischen Parteien und die korrupten Politiker und sozialen Träger des alten Regimes von der Macht entfernt, das war sicher notwendig, sie haben dann die politischen Gruppen, die nicht im Parlament vertreten waren, die Kommunisten zunächst und dann die Muslimbrüder verboten und verfolgt, insbesondere die Muslimbrüder nach einem Anschlag auf Nasser."

"Dies ist Gamal Abdel Nasser, der zu Euch spricht. Fürchtet euch nicht, denn er spricht zu Euch mit Gottes Hilfe, nachdem die Provokateur Nasser nach dem Leben trachteten. Gamal Abdel Nasser ist von Euch und für Euch. Und sein Leben ist ein Opfer für das Vaterland" "

26. Oktober 1954. Während einer Rede vor Tausenden von Menschen wird in Alexandria ein Attentat auf Gamal Abdel Nasser verübt - er überlebt diesen Anschlag und nutzt ihn zu einem emotionalem Aufruf, ihm auf dem Weg zur absoluten Herrschaft zu folgen.
Der Aufbau der ägyptischen Armee ist Nasser ebenso wichtig wie die Industrialisierung seines Landes. Er möchte es zur stärksten Militärmacht im Nahen und Mittleren Osten aufrüsten, um gegen Israel gewappnet zu sein. Dafür braucht er Geld. Nasser wendet sich an die USA und die Länder des Westens. Islamwissenschaftlerin Gudrun Krämer:

"Nasser versuchte damals im Ostblock Rückhalt zu gewinnen, das gelang ihm ja auch durch den Waffendeal mit der Tschechoslowakei, dann in der zunehmende Annäherung an die Sowjetunion in den Zeiten des Kalten Krieges galt, wer nicht für uns ist, ist gegen uns und folglich kam es sehr schnell zum Abkühlen des Verhältnisses, zum völligen Bruch des Westens, namentlich den USA."

Gamal Abdel Nasser wird für die Sowjetunion zum Türöffner in der Region. Er schafft es, die beiden Supermächte gekonnt gegeneinander auszuspielen. Vor allem in der Bewegung der Blockfreien widersetzt Nasser sich dem Drängen der Vereinigten Staaten, dem so genannten "Bagdad-Pakt" beizutreten, einem pro-westlichen Staatenbund, der Teil der amerikanischen Strategie gegen die sowjetischen Interessen im Nahen Osten ist. Aus Protest gegen Nassers Schaukelpolitik ziehen die USA, Großbritannien und die Weltbank ihre Finanzierungszusage für den Bau des Assuan-Staudamms zurück.

Im Jahr 1956 verschärft sich der Konflikt zwischen Ägypten und Israel, das sich zunehmend Angriffen durch Fedajin von ägyptischem Territorium und vom ägyptisch-besetzten Gaza-Streifen aus erwehren muss. Ägypten unter der Führung Nassers blockiert den Golf von Akaba und sperrt den Suez-Kanal für israelische Schiffe. Damit verletzt er internationales Recht. Am 26. Juli 1956 verkündet Nasser vor begeisterten Zuhörern in Alexandria die Verstaatlichung des Suezkanals.

"Beschluss des Präsidenten der Republik, im Namen des Volkes wird die internationale Suez-Kanal-Gesellschaft in eine staatliche ägyptische Aktiengesellschaft umgewandelt."

"Und er sagte das auch so rhetorisch, also hat er das wahnsinnig gut vertreten. Wir also als Schüler. Ich erinnere mich an meine Heimatstadt, die ist nicht groß, 30 - 40 Tausend Einwohner. Aber kein Mensch blieb zu Hause, wir waren so bewegt. Alle waren bereit zu kämpfen für dieses Ziel, das Nasser verkörpert hat: Freiheit" "

Schwärmt Abdel Hadi heute noch, der gemeinsam mit seiner Familie und Nachbarn damals der Rede Nassers im Radio lauschte. Und wie reagieren die arabischen Nachbarländer auf die angekündigte Verstaatlichung des Suez-Kanals? Gudrun Krämer:

"Begeisterung, dass hier einer es wagt, dem Westen ins Gesicht zu schlagen und zu sagen, wenn ihr uns versucht uns unter Druck zu setzen, dann machen wir nicht mit. Wir sind nicht klein, wir stehen da, wie er sagt, mit erhobenem Haupt und wenn ihr uns nicht das gebt, was uns zu steht, dann nehmen wir uns, was uns zu steht, was ohnehin unsers ist, der Suez-Kanal fließt durch ägyptisches Territorium, er ist ägyptisches Eigentum, das ägyptische Volk nimmt sich, was ihm gehört. Das hat eine fantastische Wirkung gehabt."

Britische Banken und Unternehmen halten 44 Prozent der Kanal-Anteile. So wird Nassers Vorstoß zu einer offenen Kampfansage an Großbritannien, aber auch an Frankreich.

Zwar entschädigt Nasser die Anteilseigner, dennoch werden sie um ihren Zugriff auf die sehr wichtige Handelsroute gebracht. Die Sowjetunion und Indien billigen nach drei ergebnislosen Konferenzen letztlich die Nationalisierung des Suez-Kanals. Doch Großbritannien ist sowohl ökonomisch als auch machtpolitisch beunruhigt. Frankreich fürchtet negative Auswirkungen auf seine Kolonien in Nordafrika. 1954 ist in Algerien ein Aufstand losgebrochen, der durch Waffenlieferungen aus Ägypten unterstützt wird.

Um die öffentliche Meinung auf einen unausweichlichen Krieg einzustimmen, fordert der britische Premierminister Anthony Eden, man müsse der Bedrohung durch den - Zitat - "Mussolini am Nil" entschlossen entgegentreten. London will Nassers Alleingang bestrafen. Der Plan "Operation Musketier" sieht massive Luftangriffe auf die Basen der ägyptischen Luftwaffe vor. Innerhalb von fünf Tagen - so der Plan - sollen Fallschirmjäger die Kanalzone zurückerobern. Die französische und die britische Führung sind sich einig: Israel soll eine Invasion starten, damit dann Großbritannien und Frankreich als vermeintliche Friedensmächte eingreifen können. Die Europäer - so das weitere Szenario- würden anschließend die israelische und die ägyptische Armee zum Rückzug auf ihre jeweilige Kanal-Seite bewegen. Britisch-französische Interventionstruppen könnten schließlich am Kanal bei Port Said stationiert werden. So sehen sich die Europäer in der Rolle der Friedensstifter, während Israel die undankbare Rolle des Aggressors zukäme.

Am 29. Oktober 1956 werden die Planspiele umgesetzt: Israel beginnt mit der Invasion des Gazastreifens und der Sinai-Halbinsel und stößt schnell in Richtung Suez-Kanal vor. Daraufhin setzt eine konspirative Geheimdiplomatie ein. Vertreter der britischen und der französischen Regierung treffen sich in der ägyptischen Botschaft in London und überreichen dem Botschafter Kairos einen Forderungskatalog, der eindeutig pro-israelisch ist und somit Großbritannien und Frankreich als ehrliche Makler nachhaltig diskreditiert.

"Brüder, ein Krieg ist uns aufgezwungen worden, im Namen des ägyptischen Volkes, im Namen von euch allen erkläre ich hier vor der ganzen Welt, niemand wird uns dazu bringen aufzugeben"

Nach diesem flammenden Appell Nassers beginnen Großbritannien und Frankreich mit der Bombardierung ägyptischer Flughäfen.

Doch die europäischen Mächte erhalten in diesem Konflikt keine Rückendeckung von den Vereinigten Staaten. Sie wollen vor dem Hintergrund des Kalten Krieges gute Beziehungen zu Ländern der Dritten Welt und halten dies für wichtiger als die englisch-französischen Machtinteressen. Zudem versuchen sie ein Ausufern des Konflikts zu einem größeren Krieg zu verhindern, denn die Sowjetunion droht zwar Ägypten militärisch zu unterstützen, kämpft aber gerade selbst um seine Machtstellung im damaligen Ostblock. Der Ungarnaufstand beansprucht voll und ganz das sowjetische Militär sowie auch deren Politik.

Die USA und die Vereinten Nationen verurteilen die britisch-französische Intervention. Im November 1956 werden Großbritannien und Frankreich zum Waffenstillstand und zum Rückzug gezwungen. Der Politologe Friedhelm Büttner:

"Das war für Ägypten militärisch eine Niederlage, den aber Nasser in einen großen diplomatischen Sieg verwandeln mochte. Damit war der Abzug der Engländer, der Versuch der Engländer Kontrolle über den Suez-Kanal auszuüben zu Ende. Es war das Ende der Kolonialzeit im Inneren und nun, nach dem Suez-Krieg konnten die Ägypter sich voll konzentrieren, jetzt kommt eine neue Zeit, wir werden ein neues Ägypten bauen"

Auch die Palästinenser feierten Nasser, erzählt der Journalist Abdel Hadi :

"Wir waren bereit, wir sind auf die Straße gegangen, wir haben demonstriert und die Israelis mussten dann die Gebiete räumen und auch die anderen mit ihnen und dass war dann zu Ende. Aber die Folge davon war eine Verewigung, sagen wir zu mindestens bis 67 stand Nasser da, ein unumstrittener Führer, ein sehr sehr starker Mann."

Für Großbritannien wird sein Engagement am Suez-Kanal zu einer Demütigung ersten Ranges. Premier Eden muss zurücktreten, die britische Wirtschaft und Währung geraten unter Druck. Zugleich verliert London zunehmend seine Weltmachtstellung - es sollte Großbritanniens letzter Versuch sein, ohne Unterstützung der neuen Weltmacht USA britische Interessen allein durchzusetzen.
Doch die Potentaten in den arabischen Monarchien beginnen nun um ihre Macht zu fürchten und werden Nasser gegenüber misstrauisch. Gudrun Krämer:

"Die Regierungen derselben Staaten haben ihn sehr viel zwiespältiger gesehen. Denn dass er über Ägypten hinaus in die arabische Welt gewirkt hat, bedeutete ja auch, dass er sich in ihre eigene Gesellschaft, in ihre eigene Politik eingemischt hat und eine Führerrolle für sich selbst und Ägypten beansprucht hat. Das haben die Eliten in Syrien, Saudi-Arabien, Jordanien, Marokko oder Algerien nicht gerne gesehen, wie man sich vorstellen kann und die arabische Politik ist ja bis heute durch eine sehr starke Konkurrenz der Regierungen bestimmt, die auch damals das Verhältnis zu Ägypten und zu Nasser als Person geprägt hat." "

Eine weitere militärische Auseinandersetzung mit dem verhasstem Israel hat für Ägypten und Nasser niederschmetternde Folgen: Am 5. Juni 1967 überschreiten israelische Truppen die Grenze zum Nachbarn Ägypten und rücken in kürzester Zeit bis an den Suezkanal vor. Eine persönliche Schmach für Nasser, denn hatte er seinem Volk immer suggeriert, dass Ägypten militärisch unschlagbar sei. Als Konsequenz bietet Nasser seinen Rücktritt an:

"Ich bin bereit, die ganze Verantwortung zu tragen, ich habe eine Entscheidung getroffen, bei der ich Euch um Hilfe bitte. Ich habe mich entschieden von allen meinen offiziellen Ämtern und politischen Posten zurückzutreten. Ich gehe in den Rang eines einfachen Bürgers zurück, der seinen täglichen Pflichten nachkommt."

Doch die Ägypter akzeptieren seine Rücktrittserklärung nicht. Zu Tausenden ziehen sie durch die Straßen Kairos und erzwingen die Rückkehr Gamal Abdel Nasser in sein Amt. Zwar hat er erneut einen Krieg verloren, aber die Ägypter halten an ihrem "Ra'is", ihrem Führer, fest. Der Mythos, der sich um die Verstaatlichung des Suez-Kanals rankt, macht ihn für seine Anhänger unangreifbar. Drei Jahre später, am 28. September 1970, stirbt Nasser. Bis heute hat der Suezkanal als 192 km kurze Wasserstrecke zwischen dem Roten Meer und dem Mittelmeer als Transportweg für das begehrte Erdöl in die westliche Welt nicht an Bedeutung verloren.

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