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Gamescom
E-Sport - Elektronischer Rivale

Profispieler, die wie Rockstars gefeiert werden, ausverkaufte Stadien und Millionen Fans weltweit: Der E-Sport, das Spielen am Computer, wächst. Auf der weltweit größten Spielemesse in Köln zeigt sich die E-Sport-Szene daher extrem selbstbewusst.

Von Lukas Meyer-Blankenburg | 22.08.2017

Besucher spielen in Köln am Fachbesuchertag der Computerspielemesse "Gamescom" das Spiels "The Crew".
Der boomende E-Sport ist eines der großen Themen auf der Computerspielemesse Gamescom 2017. (picture alliance / dpa - Henning Kaiser)
Manche Stände auf der Gamescom sehen aus wie kleine Arenen, mit jubelnden Fans und Live-Kommentatoren. Vor ihnen flimmern zahllose Spielszenen über die riesige Bildschirme. Autorennen, Strategie- und Ballerspiele, mal mit Fantasiefiguren, mal täuschend echt und alles blitzschnell. Für die meisten Besucher hier ist die Messe auch eine große Sportveranstaltung.
"Wir sehen die Gamescom so als die Keimzelle des künftigen E-Sports. Alles, was künftig mal ein großer E-Sport-Titel werden kann, ist hier irgendwo in ner Halle zu sehen." Der E-Sport-Manager Ulrich Schulze beobachtet die neuesten Trends auf der Messe. Seine Firma ESL, die Electronic Sports League, ist einer der weltweit größten Veranstalter von E-Sport-Turnieren.
Auf dem Weg zur Sportart Nummer 2
"Ich glaube, E-Sport ist jetzt nicht nur eine einzelne Sportart, sondern umfasst ganz viele verschiedene Bereiche. Und es ist im Kern ein Wettbewerb. Wettbewerb in nem Thema, was mittlerweile weltweit extrem populär ist. Also jeder spielt in irgendeiner Form digital, auf ganz verschiedenen Medien, in ganz verschiedenen Regionen, so dass allein die Masse der potenziellen Spieler, die wächst jeden Tag."
…und deshalb sehen sich die E- Sport-Organisatoren schon bald als Sportart Nummer Zwei.
Mitglieder vom TNC Pro Team spielen am 09.08.2017 in Seattle (USA) beim eSports-Turnier "The International". Gespielt wurde "Dota 2". 
Beim E-Sport-Turnier "The International" wird das Strategiespiel "Dota 2" gespielt (dpa-Bildfunk / AP / Elaine Thompson)
Größer als Eishockey und Basketball
"Es steht schon jetzt fest, dass E-Sports größer wird als Eishockey, als Basketball, als alle andern Sportarten. Dann gibt's eigentlich irgendwann nur noch den Fußball, der davor liegt und wer weiß, wann der E-Sport auch den Fußball überholen wird."
Prophezeit Felix Falk, Geschäftsführer des Bundesverbands Interaktive Unterhaltungssoftware.
"Also, es steht schon jetzt fest, dass diese dynamische wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung weiter anhalten wird und deshalb ist es auch wichtig, dass wir in Deutschland die Rahmenbedingungen so haben, dass der E-Sport sich auch in Deutschland weiterentwickeln kann - andere Länder sind da zum Teil schon viel weiter."
Ein Spieler sitzt mit Kopfhörer und Mikrofon vor einem Monitor.
Ein Profispieler spielt auf der Spielemesse Gamescom in Köln den Ego-Shooter "Battlefield 4". (dpa / Marius Becker)
DOSB erkennt E-Sport nicht als Sportart an
In Ländern wie den USA oder Südkorea ist E-Sport anerkannte Sportart. In Deutschland erkennt der Deutsche Olympische Sportbund das Zocken am Computer nicht als Sportart an, noch.
Ein Massen-Phänomen mit Massen-Umsatz. Bis 2020 wird der E-Sport nach Schätzungen des Wirtschaftsprüfers Deloitte in Deutschland mehr Umsatz machen, als etwa Handball- oder Basketball-Bundesliga.
Die Diskussion um die Anerkennung als Sportart ist da nebensächlich. Und die Gamescom zeigt: der E-Sport etabliert sich - als ernstzunehmender Gegner für andere Sportarten.