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Gauck in Tokio
Bundespräsident zeigt sich beeindruckt von Japanern

Ratschläge will Bundespräsident Joachim Gauck seinem wahrscheinlichen Nachfolger Frank-Walter Steinmeier nicht geben - erst recht nicht aus Japan, wo Gauck gerade zu Besuch ist. In Tokio ging es unter anderem um die Verunsicherung nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten.

Von Johanna Herzing | 16.11.2016
    Bundespräsident Joachim Gauck (r) wird am 15.11.2016 in Tokio in Japan von Kaiser Akihito zu einem Gespräch empfangen. In der Mitte ein Dolmetscher. Das deutsche Staatsoberhaupt hält sich zu einem fünftägigen Besuch in Japan auf.
    Bundespräsident Joachim Gauck besucht den japanischen Kaiser Akihito. In ihrer Mitte ein Dolmetscher. (picture alliance / dpa / Wolfgang Kumm)
    Mehr als 11 Flugstunden und Tausende Kilometer trennen derzeit den Bundespräsidenten von den Geschäften in Berlin. Und doch stellt sich auch in Japans Hauptstadt unweigerlich die Frage nach Joachim Gaucks mutmaßlichem Nachfolger. Viel will der amtierende Bundespräsident nicht preisgeben:
    "Sie sehen jedenfalls in diesem Zusammenhang einen Präsidenten mit einem Lächeln auf dem Gesicht."
    Was er dem frisch gekürten Kandidaten Frank-Walter Steinmeier mit auf den Weg geben wolle?
    "Ich werde mich hüten, meinem Nachfolger Ratschläge zu geben, ein so erfahrener Homo politicus, der braucht meine Ratschläge nicht. Er ist vertraut, bevor er Außenpolitik machte, war er in zentralen Positionen innenpolitisch tätig, also diesem Mann Ratschläge geben zu wollen, das wäre ja verwegen. Wenn er will, kann er von meinen Erfahrungen etwas hören, aber ich werde mich ganz gewiss nicht aufdrängen."
    Gauck ist bewegt und fasziniert
    Tatsächlich wirkt Joachim Gauck zufrieden, dass das anhaltende Gezerre bei der Kandidatenkür ein Ende hat. Ist er doch ein Bundespräsident auf dem Weg nach draußen, auf dem Weg in die von ihm so hoch geschätzte und sicher auch vermisste Freiheit. Joachim Gaucks Terminkalender indessen kennt kein Erbarmen. Der Zeitplan beim offiziellen Besuch in Japan ist eng getaktet und voller Höhepunkte.
    Militärische Ehren, Besuche beim Ministerpräsidenten sowie dem Kaiser und seiner Gattin. Pedantisches Protokoll und das Korsett des Zeremoniells: Dinge, die einen betont bürgernahen Bundespräsidenten wie Gauck eigentlich befremden könnten. Doch der zeigt sich stattdessen bewegt, ja fasziniert:
    "Ich hab eben ganz erstaunlich souveräne, charmante, bescheidene Staatsoberhäupter erlebt. Das war schon außerordentlich beeindruckend."
    In politischen Fragen jedoch gilt für den japanischen Kaiser traditionell die Pflicht der Nichteinmischung. So war es die Begegnung des Bundespräsidenten mit Premierminister Shinzo Abe, bei der die politische Agenda im Vordergrund stand. Die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten, sie hat in Japan für große Verunsicherung gesorgt:
    "Hier wie auch in Europa fragt sich jeder, wie wird die Entwicklung sein, was ist mit dem starken Alliierten der doch durch seiner Sicherheitsgarantien so wichtig ist, ob in der NATO oder hier? Und das bewegt die hier natürlich in besonderem Maße, gerade wenn man ein etwas heikles Verhältnis zu China hat, dann ist es schon wichtig zu wissen, welchen Kurs wird der künftige Präsident steuern."
    Hochkonjunktur für Bekenntnisse zu Partnerschaft
    Eine Kurskorrektur plant indessen auch Japans Premierminister Abe. Schon seit Längerem wirbt er für sein Vorhaben, die in der Verfassung festgelegte streng pazifistische Ausrichtung seines Landes zu überdenken. Japan müsse geostrategisch eine aktivere Rolle übernehmen; jedoch, so vergewissert der Premier, nicht in Form eines Alleingangs:
    "Japans proaktiver Beitrag zum Frieden und der vom Bundespräsidenten Gauck genannte deutsche Beitrag zum Frieden und zur Sicherheit der internationalen Staatengemeinschaft haben die gleiche Linie. Ich freue mich sehr, dass wir deshalb bestätigen konnten, dass Deutschland und Japan diesen Beitrag in enger Zusammenarbeit mit der internationalen Staatengemeinschaft noch aktiver gestalten werden."
    Bekenntnisse zu guter Partnerschaft und Kooperation, sie haben nach dem Wahlsieg Donald Trumps auch in Japan Hochkonjunktur.