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StartseiteWirtschaft am MittagSchaden von einer halben Milliarde Euro befürchtet04.05.2015

GDL-StreikSchaden von einer halben Milliarde Euro befürchtet

Die Deutsche Bahn transportiert etwa zehn Prozent der Güter in Deutschland. Der tagelange Streik wird wirtschaftliche Folgen haben: Es könnten Kosten von einer halben Milliarde Euro entstehen, heißt es auch beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag.

Von Brigitte Scholtes

Güterzuganhänger in Seevetal/Maschen (Niedersachsen) auf den Gleisen des Rangierbahnhofs (dpa / picture-alliance / Axel Heimken)
Gewisse Gefahrenstoffe müssen sogar über Schienen transportiert werden. (dpa / picture-alliance / Axel Heimken)
Weiterführende Information

Streik der Lokführer - Die Rechte der Reisenden
(Deutschlandfunk, Aktuell, 04.05.2015)

GDL-Streik - "Fahrgäste können sich gut informieren"
(Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 04.05.2015)

Die Deutsche Bahn bemüht sich, das Chaos im Güterverkehr in den kommenden Tagen weitgehend zu begrenzen. Wie beim letzten Streik im April hoffe man auch jetzt, etwa zwei Drittel der Transporte fahren zu können, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn. Das wolle man wieder durch entsprechende Disposition schaffen. Ein großer Teil des Güterverkehrs fährt in der Nacht, welche Transporte Vorrang haben, ist mit den Kunden inzwischen nach den Streikerfahrungen der letzten Monate abgestimmt. Dennoch bleibe ein erheblicher Schaden für die Wirtschaft nicht aus, warum erklärt Matthias Krämer, Leiter Mobilität und Logistik beim BDI, beim Bundesverband der deutschen Industrie:

"Das Problem ist eben, dass am Standort Deutschland, im Industrieland Deutschland industrielle Wertschöpfung über die Branchengrenzen hinweg, zwischen Groß und Klein, Mittelstand und Großunternehmen vernetzt ist. Und für diese Vernetzung und für diese sehr komplizierten Produktionsprozesse bedarf es einfach einer funktionierenden Logistik im Hintergrund."

Hohe Streikkosten möglich

Und wenn die für eine Woche gestört ist, dann geht der Lokführerstreik richtig ins Geld, heißt es auch beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag. Da könnten insgesamt Streikkosten von einer halben Milliarde Euro entstehen. In der deutschen Wirtschaft haben sich zwar wegen der zahlreichen Streiks im Bahnverkehr die Streikabläufe gut eingespielt, aber das geht nur in gewissem Rahmen, sagt BDI-Logistik-Experte Krämer.

"Natürlich können Unternehmen jetzt teilweise Notfallpläne aus der Schublade ziehen und vielleicht versuchen, über Wasserwege oder auch über Lkw-Transporte dieses Problem zu umgehen. Aber das ist auch nicht für alle Unternehmen gleichermaßen einfach. Denken Sie auch an die mittelständischen Unternehmen, die nicht ohne Weiteres über Ressourcen verfügen, um ihre Logistik schnell und effizient anpassen zu können."

Transport auf der Straße nur begrenzt möglich

Außerdem sei ein Transport auf der Straße nur begrenzt möglich, erläutert Karlheinz Schmidt, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Güterkraftverkehr und Logistik:

"Wenn wir speziell aus der Flächenversorgung die Fahrzeuge abziehen, um damit Fernverkehre zu machen, würde die Flächenversorgung auch sehr schnell darunter leiden. Gerade der Tankstellenverkehr ist ein getaktetes Produkt bei uns in der Logistik, sodass die Fahrzeuge, die man dafür brauchte, dafür nicht zur Verfügung stehen. Allenfalls im Brot-und-Butter-Verkehr, wo es um normale Ladung geht, kann man europaweit Fahrzeuge organisieren. Durch den stagnierenden, auch rückläufigen Russlandverkehr ist viel Kapazität frei, beispielsweise aus osteuropäischen Ländern, die man hier punktuell einsetzen könnte. Aber die helfen natürlich nicht, diese Engpässe mit Spezialequipment zu füllen."

Teilweise Schienentransport vorgeschrieben

Für gewisse Gefahrstoffe ist der Schienentransport sogar vorgeschrieben, das trifft vor allem die Chemieindustrie. Auch Stahl und Kohle, Fahrzeuge, Baumaterialien oder Agrarprodukte werden häufig mit der Bahn zum Kunden gebracht. Die deutschen Maschinenbauer nutzen weitgehend den Transport auf der Straße.

Insgesamt transportiert die Deutsche Bahn etwa zehn Prozent der Güter. Private Bahnen können aber nicht unbedingt aushelfen, weil sie auf das Schienennetz der Deutschen Bahn angewiesen sind.

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