Donnerstag, 26.11.2020
 
Seit 22:50 Uhr Sport aktuell
StartseiteUmwelt und VerbraucherDeutsche Umwelthilfe: "Das Gesetz greift zu kurz"18.06.2020

Gebäudeenergiegesetz im BundestagDeutsche Umwelthilfe: "Das Gesetz greift zu kurz"

Ein bundesweit einheitliches Gebäudeenergiegesetz soll den Klimaschutz in Deutschland voranbringen. Kritiker halten den Entwurf jedoch für zu wenig ambitioniert. "Dieses Gesetz muss zurückgezogen und nachgebessert werden", sagte Barbara Metz von der Deutschen Umwelthilfe im Dlf.

Barbara Metz im Gespräch mit Britta Fecke

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Gebaeudesanierung,Fassade,Aussenfassade,entfernen alter Asbestplatten an einer alten Hausfassade,Haus,Gebaeude,Sanierung,Asbest,Renovierung,renovieren,sanieren,Arbeiter,Hebebuehne, | Verwendung weltweit (picture alliance / dpa / Sven Simon)
Nach Zahlen des Bundes wird knapp ein Drittel des Treibhausgas-Ausstoßes durch den Betrieb von Gebäuden verursacht (picture alliance / dpa / Sven Simon)
Mehr zum Thema

Serie: Richtig dämmen - Teil 5 Nie mehr heizen

Zehn Jahre Klimaschutz "Die globalen Emissionen sind weiter gestiegen"

Rund 30 Prozent der in Deutschland ausgestoßenen Treibhausgase entstehen beim Betrieb von Gebäuden, beim Heizen, Klimatisieren oder der Warmwasserproduktion. 117 Millionen Tonnen CO2 stammten allein im Jahr 2018 aus dem Gebäudebereich, laut Bundesumweltministerium. In zehn Jahren sollen es aber nur noch 70 Millionen Tonnen sein.

Eigentlich soll das Gebäudeenergiegesetz, über das heute (18.6.2020) im Bundestag abgestimmt wird, dazu beitragen, dass die CO2-Emissionen bis 2030 sinken. Doch Umwelt- und Klimaschützer haben da ihre Zweifel. Barbara Metz ist stellvertretende Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Umwelthilfe, und sie glaubt, dass das Gesetz für die Klimabilanz von Neubauten wenig bringt. Warum, erklärt sie im Interview.

Nachbesserung erforderlich

Barbara Metz: Weil dieses Gebäudeenergiegesetz tatsächlich keine einzige Maßnahme mit verabschiedet, die über das hinausgeht, was wir aktuell haben. Das manifestiert den Status quo. Das heißt, da stehen Sachen drin, die ganz lange schon überfällig sind, wie ein Ölheizungsverbot. Das ist aber nicht besonders neu oder innovativ. Nachbarländer wie Dänemark haben das zum Beispiel schon vor vielen Jahren eingeführt, und wir schreiben das jetzt in so ein Gesetz rein. Das ist eine Selbstverständlichkeit und dort, wo man tatsächlich die CO2-Minderungspotenziale heben könnte, da gibt es keine Maßnahmen in diesem Gesetz.

Fecke: Welche Gebiete wären das denn zur Minderung, oder welche Bereiche sind das, die Sie da angesprochen haben?

Metz: Was wir ganz dringend brauchen sind Effizienzstandards für Gebäude. Das heißt: Das was heute neu gebaut wird, muss schon so gebaut sein, dass das Gebäude sehr wenig Energie benötigt, um es zu heizen. Jetzt hat dieses Gebäudeenergiegesetz aber Standards festgeschrieben bis ins Jahr 2023, die schon seit 2016 beziehungsweise 2014 eigentlich schon gelten. Damit bringen wir aber den Energieverbrauch in den Gebäuden nicht runter. Was wir brauchen ist ein KfW-40-Standard für den Neubau und einen KfW-50-Standard für die Sanierung.

Ich will das mal ganz kurz erklären: Die Baseline ist der KfW-100-Standard. Da braucht man Primärenergie 100 Kilowattstunden pro Quadratmeter. Bei dem KfW-40-Standard ist das nur noch ein Drittel davon. Das was dann noch der verbleibende Rest ist, den kann ich dann über die erneuerbaren Energien lösen, die ich zum Beispiel über elektrische Wärmepumpen oder Heiztechnologien ins Haus bringe.

Wenn ich das aber nicht mache, dann ist mein Energiebedarf noch so hoch; das geht nicht, dass man das über die erneuerbaren Energien deckt. Wir haben einfach nicht genug davon und das heißt, dann kriegen wir die Klimaziele im Gebäudebereich auch nicht hin, wenn wir hier nicht maßgeblich absolut im Energieverbrauch pro Gebäude runterkommen. Da greift dieses Gebäudeenergiegesetz zu kurz, ist jetzt schon überholt, und da fordern wir die Bundesregierung auf zu sagen, das geht nicht, das müsst ihr wirklich nachbessern. Wir brauchen hier andere Effizienzstandards.

Dachdecker dämmen das Dach eines Hauses in Cottbus mit Glaswolle (imago / Rainer Weisflog) (imago / Rainer Weisflog)Umwelthilfe und Mieterbund fordern zum Handeln auf
30 Prozent der CO2-Emissionen entstehen beim Beleuchten, Heizen und der Warmwasseraufbereitung von Wohnungen. Um die Klimaziele zu erreichen, müsste die Sanierungsquote mit Fassadendämmung und effizienteren Heizsystemen erheblich steigen. Mieterbund und Umwelthilfe haben Ideen, wer das zahlen soll.

Wir brauchen ambitionierte Standards

Fecke: Lassen Sie mich einmal ketzerisch nachfragen. Kann es nicht sein, dass der Klimawandel oder die Auswirkungen des Klimawandels da nicht in die Karten spielen, weil ohnehin viel weniger geheizt werden muss im Sommer und im Winter auch nicht mehr?

Metz: Tatsächlich ist es nicht richtig. Insbesondere wenn man an die Sommer denkt, muss man auch an den sommerlichen Hitzeschutz denken - die Menschen, die sich jetzt vielleicht Klimaanlagen einbauen, weil natürlich die Sommer besonders heiß sind. Auch das benötigt natürlich viel Energie und auch da ist eine effiziente Hülle durch die entsprechende Dämmung notwendig, dass wir hier nicht so viel Energie in die Kühlung stecken müssen. Und in den Wintern wird nichts desto trotz nach wie vor auch geheizt. So warm sind sie nun nicht, dass man hier nicht mehr heizen muss. Insofern: Das wird die Lösung ganz sicher nicht bringen.

Eine kleine Lampe leuchtet in der Dunkelheit an einem Strommast. (Unsplash/Sven Scheuermeier) (Unsplash/Sven Scheuermeier)Warum Energiesparmaßnahmen oft zu höherem Verbrauch führen
Mehr Energieeffizienz führt zu Energieeinsparung: Diese Erwartung bestimmt die gegenwärtige Debatte. Doch oft tritt stattdessen ein "Rebound-Effekt" ein: Wer an der einen Stelle spart, verbraucht anderswo mehr. Muss der Klimaschutz andere Wege gehen?

Fecke: Nun stehen die Gebäude, die jetzt gebaut werden, ja viele Jahrzehnte lang. Was müsste denn Ihrer Ansicht nach schnell nachgebessert werden, um dieses Gesetz einigermaßen akzeptabel zu machen aus Blick einer Umweltschützerin?

Metz: Wir brauchen auf jeden Fall andere Effizienzstandards an die Hülle, das heißt ambitionierte Standards für den Neubau und auch für die Sanierung. Die Gebäude, die heute gebaut werden oder saniert werden, sind nicht klimazielkompatibel. Das heißt, in dieser Logik müssten die eigentlich vor dem Jahr 2050 noch mal vollständig saniert werden. Das ist völlig unökonomisch. Das macht keiner, das ist nicht wirtschaftlich. Das heißt, die Standards müssen dringend angepasst werden.

Ein anderer Punkt ist auch: Die graue Energie, was steckt eigentlich in den Produkten drin, die ich in so einem Gebäude verbaue, die muss auch berücksichtigt werden. Auch das ist in dem Gebäudeenergiegesetz nicht der Fall. Da ist nur eine Prüfklausel drin fürs Jahr 2023. Da sage ich mal, das geht nicht weit genug. Da sind wir eigentlich auch schon weiter, was Innovation auf dem Markt angeht. Dieses Gesetz muss zurückgezogen werden und nachgebessert werden.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk