
Diese Entwicklung finde nicht in einem luftleeren Raum statt, betonte Rose anlässlich des Europäischen Holocaust-Gedenktages für Sinti und Roma. In ganz Europa erlebe man Wahlerfolge rechtsextremer und nationalistischer Parteien, die Hass und Hetze wieder salonfähig machten. Der Zentralratsvorsitzende appellierte an die EU, durch Bildung und Aufklärung zur Prävention beizutragen. Etwa müsse in den Schulbüchern der Heimatländer der Sinti und Roma auch auf deren Beiträge zu Kunst, Musik und Kultur hingewiesen werden.
Brand sieht Mehrheitsgesellschaft in Verantwortung
Für die Bundesregierung nahm der Antiziganismusbeauftragte Brand an der Gedenkveranstaltung teil.
Er hatte zuvor im Deutschlandfunk auf die Verantwortung der Mehrheitsgesellschaft für den Schutz der Sinti und Roma hingewiesen
. Der Umgang mit Minderheiten zeige, wie es um eine Demokratie bestellt sei, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete. Deutschland trage eine historische Verantwortung. Dass die Bundesregierung vor knapp einem Monat beschlossen habe, eine Aufarbeitungskommission zum Unrecht an Sinti und Roma nach 1945 einzusetzen, sei "unglaublich spät", aber ein wichtiger Schritt. Es habe nach dem Nationalsozialismus in Deutschland Kontinuitäten gegeben: Diejenigen, die Sinti und Roma verfolgt hätten, hätten anschließend über Rentenanträge oder die Frage von Entschädigungen entschieden. Auch im Wohnbereich seien Sinti und Roma diskriminiert und an Ränder gedrängt worden.
Kommission soll Unrecht aufarbeiten
Diskriminierung finde auch heute statt und nehme sogar zu, betonte Brand. Auf der einen Seite stünden Fälle, bei denen Minderheiten gezielt zur Zielscheibe gemacht würden. Auf der anderen Seite gebe es aber auch diejenigen, die nachlässig Stereotype weiterverbreiteten. Die Kommission habe nun die Aufgabe, die Stimmen Betroffener zu hören, Akten zu erschließen, staatliches Handeln zu untersuchen und schließlich Handlungsempfehlungen zu geben.
In Auschwitz-Birkenau wurden in der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 rund 4.300 Sinti und Roma von der SS getötet. Insgesamt ermordeten die Nazis zwischen 1933 und 1945 bis zu 500.000 Menschen der Bevölkerungsgruppe.
Diese Nachricht wurde am 02.08.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.



