5. Jahrestag
Gedenkveranstaltung zur Hochwasserkatastrophe im Ahrtal: Ministerpräsident Schnieder bittet um Entschuldigung für staatliches Versagen

Am fünften Jahrestag der Flutkatastrophe im Ahrtal hat der neue rheinland-pfälzische Ministerpräsident Schnieder die Betroffenen ausdrücklich um Verzeihung gebeten. Der Staat habe in dieser Frage und in dieser Nacht versagt, sagte der CDU-Politiker bei der Gedenkveranstaltung auf dem Marktplatz in Bad Neuenahr-Ahrweiler.

    Der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Gordon Schnieder (CDU) spricht auf einer Gedenkveranstaltung.
    Der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Gordon Schnieder (CDU) spricht auf einer Gedenkveranstaltung. (picture alliance / epd-bild / Guido Schiefer)
    Der Staat habe sein Versprechen nicht eingehalten, seine Bürger zu schützen. Dafür bitte er als Ministerpräsident um Entschuldigung. Schnieders Worte wurden mit anhaltendem Applaus bedacht. Die Bitte um Entschuldigung stellt einen Kurswechsel von Regierungsverantwortlichen in Rheinland-Pfalz dar. Die zur Zeit der Katastrophe im Jahr 2021 amtierende Ministerpräsidentin Dreyer, SPD, hatte eine Entschuldigung ebenso abgelehnt wie ihr Nachfolger und Parteigenosse Schweitzer.
    Bundeskanzler Merz würdigte bei der Veranstaltung den Einsatz der Helfer und die Fortschritte beim Wiederaufbau. Er hob zudem die Verpflichtung des Staates hervor. Das Land sei mit dem Anspruch gegründet worden, niemanden schutzlos in seiner Verletzlichkeit allein zu lassen, sagte der Bundeskanzler.

    Gedenken auch im NRW-Landtag

    Zuvor hatte auch Bundespräsident Steinmeier bei einer Gedenkstunde im nordrhein-westfälischen Landtag den anwesenden Angehörigen sein Beileid ausgesprochen. Zudem mahnte er, den Klimaschutz nicht aus den Augen zu verlieren. Steinmeier betonte in Düsseldorf, in diesen Tagen und Nächten seien die Ängste wieder nah, auch wenn man eigentlich wieder nach vorne schauen wolle. "Wir schulden den Menschen, die in jener Nacht alles verloren haben, den ernsthaften, konsequenten Willen, dafür zu sorgen, dass wir auf solche Katastrophen besser vorbereitet sind und dass wir das uns Mögliche gegen den fortschreitenden Klimawandel tun." Für die Zukunft forderte der Bundespräsident einen besseren Hochwasserschutz etwa durch Warnsysteme, Cell Broadcast und eine Stärkung des Katastrophenschutzes.

    Steinmeier würdigt Solidarität

    Er hatte zuvor in Altenahr mit Betroffenen gesprochen und die Fotoausstellung "We Ahr strong" besucht. Die Bilder erinnerten nicht nur an einen Ort der Katastrophe, sondern auch an einen Ort, der ein beeindruckendes Maß an Solidarität erfahren habe, sagte Steinmeier. Menschen aus nah und fern seien nach der zerstörerischen Flut gekommen, um zu helfen: Sie hätten Schutt weggeräumt, Häuser vom Schlamm gereinigt und sie wieder bewohnbar gemacht. "Dieser Tag ist auch ein Auftrag an uns alle, mit unseren Möglichkeiten dafür zu sorgen, dass Hochwasserkatastrophen mit den Folgen, wie wir sie hier erlebt haben, sich möglichst nicht wiederholen", so Steinmeier.
    Auch Umweltverbände forderten mehr Anstrengungen beim Hochwasserschutz und eine Priorisierung naturbasierter Lösungen. Anstatt neuer Deiche brauche es mehr Ausweichflächen für Flüsse außerhalb von Ortschaften.

    Viel Kritik an politisch Verantwortlichen

    Die Flut in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 war eine der verheerendsten Naturkatastrophen in der jüngeren deutschen Geschichte. Zu den 184 Toten kommen mehr als 800 zum Teil schwer verletzte Menschen und Schäden in Höhe von rund 18 Milliarden Euro.
    Nach der Katastrophe hatte es viel Kritik gegeben: An Verzögerungen bei Warnmeldungen, an zu langsamen Alarmierungsketten und an fehlendem Hochwasserschutz. Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss hatte in seinem Abschlussbericht den politisch Verantwortlichen Versäumnisse vorgeworfen. Die Grünen-Politikerin Spiegel, zum Zeitpunkt der Flut Umweltministerin in Rheinland-Pfalz, trat später als Bundesfamilienministerin zurück, ebenso der damalige SPD-Landesinnenminister Lewentz. Strafrechtliche Ermittlungen gegen den damaligen Landrat Pföhler wurden eingestellt.
    Bei der Flutkatastrophe an der Ahr kamen 135 Menschen ums Leben, ein Mensch wird weiterhin vermisst. Das Hochwasser betraf auch Nordrhein-Westfalen, wo 49 Menschen starben.
    Diese Nachricht wurde am 15.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.