Archiv


Gefährliche Blutsauger sind wieder auf der Lauer

Medizin. - Die erste Sonne lacht, da macht man sich gerne zur Feier des Frühlings auf in die Natur und den Wald. Aber nicht nur der Mensch wird von der Sonne zur Aktivität ermuntert, auch die Tierwelt erwacht aus dem Winterschlaf, die Hasen hoppeln, die Vögel singen und leider lauern auch die Zecken und warten auf die erste Blutmahlzeit des Jahres. So ein Zeckenstich ist schon unangenehm genug, leider Übertragen die Insekten auch noch verschiedene Krankheiten und um die geht es gerade auf einer Tagung in Berlin, zu der das Bundesinstitut für Risikobewertung eingeladen hatte.

    Von Volkart Wildermuth

    Die Zeckensaison hat begonnen und damit auch die Zeit der Frühsommer Meningoenzephalitis. An dieser schweren Hirnhautentzündung erkranken die Deutschland jedes Jahr rund 250 Menschen, etwa fünf sterben sogar daran. Die Krankheit wird von den FSME-Viren ausgelöst, die wiederum von Zecken von Maus zu Maus, von Maus zu Reh und eben auch von Maus zu Mensch übertragen werden. Allerdings nicht überall. In Deutschland liegen die Hauptrisikogebiete hauptsächlich in Bayern und Baden-Württemberg. In letzter Zeit wandert die FSME aber langsam nach Norden. Inzwischen gibt es auch in Thüringen und Hessen einige Herde. Jochen Süss, Leiter des nationalen Referenzlaboratoriums für durch Zecken übertragene Krankheiten am Berliner Bundesinstitut für Risikobewertung macht dafür vor allem Veränderungen im Klima verantwortlich.

    Wir sehen eine erhebliche Komponente darin, dass die globale Erwärmung voranschreitet und damit verbunden die Hauptwirte der Zecken, die Mauspopulationen, wandern nach Norden, nehmen die Zecken mit und diese dann natürlich gemeinsam das Virus. Und so können sich dann natürlich neue Gebiete etablieren.

    Doch selbst in den Hochrisikogebieten sind nur bis zu 5 Prozent der Zecken mit den FSME-Viren infiziert. Dachte man zumindest bis vor kurzem. Jochen Süss erlebte allerdings eine Überraschung, als seine Mitarbeiter einmal nicht Zecken im Wald untersuchten, sondern solche, die sie aus der Haut von Patienten gezupft hatten.

    Nun haben wir in einem bayrischen Hochrisiko-Gebiet nachgeschaut, wie sind denn Zecken, die vorher am Menschen gesogen haben mit dem Virus belastet und haben Größenordnungen gefunden, die bewegen sich bei 7 Prozent bei den Nymphen, das sind also jugendliche Stadien der Zecken, bis etwa 9 Prozent bei den erwachsenen Zecken.

    Offenbar ist das Virus doppelt so verbreitet, wie bislang gedacht. Jochen Süss vermutet, dass viele Zecken so wenig FSME-Erreger enthalten, dass die Viren auch den modernsten Nachweismethoden entgehen. Doch nach dem Stich durch die menschliche Haut beginnt sich das Virus zu vermehren.

    Die Zecke baut während des Saugaktes ihr gesamtes Innenleben ihre Organe und so weiter dramatisch um, es entsteht zum Teil embryonales Gewebe, was sich gut teilt. Die Viren können sich in solchem embryonalen Gewebe viel besser vermehren, viel effektiver vermehren, zum Teil überhaupt vermehren und deswegen nehmen wir an nimmt diese Virusprävalenz in den Zecken beim Saugen zu.

    Deshalb sollten Zecken so schnell wie möglich entfernt werden. Das heißt, wer im Wald durchs Gebüsch streift sollte nachher die Haut gründlich absuchen und auf die anfangs noch winzigen Sauger achten. Die werden dann nicht mehr wie früher empfohlen mit Öl oder Klebstoff abgetötet oder heraus gedreht sondern am besten einfach rausgezupft.

    Man greift so hautnah wie es geht mit einer gut schließenden Pinzette, die auf dem Markt befindlichen Zeckenzangen sind meist teuer und nicht so effektiv, man kann auch mit spitzen Fingernägeln herangehen, auf jeden Fall so hautnah wie möglich, etwas hin und her hebeln und die Zecke herausziehen.

    Das ist übrigens auch der beste Schutz vor der Borreliose, der anderen durch Zecken übertragenen Krankheit. Gegen die Frühsommer-Menigoenzephalitis gibt es keine Medikamente, deshalb ist die Schutzimpfung so wichtig. Anders als früher ist der Impfstoff gut verträglich, auch für Kinder. Die drei Impfungen innerhalb eines Jahres lohnen sich allerdings nur für Personen die in Gebieten leben oder in sie reisen, in denen die FSME auch tatsächlich vorkommt. Ganz generell gilt aber: im Wald lange Hosenbeine und Ärmel tragen, auch wenn die Frühlingssonne noch so warm scheint.