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Gefährliche Eindringlinge

Vor allem der Mensch sorgt dafür, dass neue Pflanzen und Tiere in unser Ökosystem einwandern. Von invasiven Arten spricht man, wenn deren Ausbreitung Probleme macht. Der EU-Umweltkommissar Janez Potocnik hat einen Vorschlag präsentiert, wie die Eindringlinge bekämpft werden sollen.

Von Sophie Schimansky | 09.09.2013

"The plant that we can see here has a typical big purple like flower. It is often visited by bumblebees, they produce a lot of nectar."

Mathias Engelbeen zupft vorsichtig an den lilafarbenen Blüten des drüsigen Springkrauts. Die Brennnesseln und der Riesen-Bärenklau ringsumher scheinen das zarte Gewächs nicht zu kümmern. Eine Hummel krabbelt schwerfällig in eine der Blüten hinein.

"Es sieht wirklich schön aus, deswegen pflanzen es die Leute gerne in ihrem Garten an. Auch, weil es einfach ein uriger Anblick ist, wenn die Hummeln drum herum schwirren."

Dennoch warnt Mathias Engelbeen vom Institut für Umwelt in Brüssel vor dem hübschen Kraut. Wer fremde Arten in seinem Garten anpflanzt, beeinflusst das umliegende Ökosystem. Invasive Arten heißen Pflanzen und Tiere, die durch den Menschen in fremde Regionen gebracht werden, sich ausbreiten und heimische Arten verdrängen. Die EU kosten sie jährlich bereits 12 Milliarden Euro.

Denn die Eindringlinge haben auch Einfluss auf Wirtschaft und Gesundheit und verursachen dort finanzielle Schäden. Der Riesen-Bärenklau zum Beispiel verbrennt die menschliche Haut – in der Summe sind also zum Beispiel auch die medizinischen Versorgungskosten enthalten.

EU-Umweltkommissar Janez Potocnik setzt mit einer neuen Verordnung auf Vorbeugung:

"Momentan ist viel von dem, was wir tun, reaktiv, wir behandeln Probleme also erst, wenn sie bereits bestehen. Aber es ist besser, vorzubeugen als nur nach zu sorgen. Wir wollen invasive Arten stoppen, bevor sie überhaupt in die Europäische Union eindringen können."

Liste der 50 aggressivsten invasiven Tier- und Pflanzenarten
All das dürfte auch Umweltverbände EU-weit freuen. Denn die warten bereits seit vergangenem Jahr auf eine neue Verordnung. Schwerpunkt wird eine Liste der 50 aggressivsten invasiven Tier- und Pflanzenarten sein: Welche Arten darauf stehen, wird gemeinsam mit den Mitgliedsstaaten ausgehandelt. Der deutsche Naturschutzbund fürchtet, dass auch Lobbys wie die Landwirte Einfluss haben werden.

Janez Potocnik hält dagegen:

"Ja, sicher haben Landwirte eigene Interessen, denn einige dieser invasiven Arten verursachen große Schäden an ihrer Ernte. Aber der Zweck dieser Verordnung ist es, den Verlust an Biodiversität zu stoppen, unter Berücksichtigung sozialer, wirtschaftlicher und gesundheitlicher Aspekte."

Eine große Rolle spielt bei dem Erstellen der Liste das Geld. Der Riesen-Bärenklau zum Beispiel kostet Deutschland jährlich etwa 13 Millionen Euro. Eigentlich stammt er aus dem Kaukasus. Doch wie gelangen diese Arten über Tausende von Kilometern nach Europa?

Bis auf wenige Ausnahmen transportiert der Mensch sie. Über wichtige Seewege zum Beispiel konnte sich die Rippenqualle in deutschen Gewässern ausbreiten. Das passiert über das sogenannte Ballastwasser der Schiffe, das sie brauchen um unbeladen stabil auf dem Wasser zu liegen. Auch über Flugzeuge werden Arten quer durch die Welt verteilt. Eine Lösung könnte sein, Schiffe zu reinigen, bevor sie in ein anderes Gewässer einfahren.

Zunächst will die EU sich auf 50 Arten konzentrieren - ein winziger Anteil von den 12.000, die sich in der Europäischen Union ausgebreitet haben. Natürlich sind nicht alle von ihnen so dominant, dass sie ihre Umgebung zerstören.

Janez Potocnik erläutert seine Strategie:

"Wir werden versuchen, das Problem so zu handhaben, dass wir die Maßnahmen hinterher auch stemmen können. Wir könnten auch gleich einem großen Löffel nehmen, aber schlucken könnten wir das dann ja doch nicht."

Ein weiteres wichtiges Instrument im Kampf gegen invasive Arten könnte ein Frühwarnsystem werden. Die Mitgliedstaaten sollen eine neue invasive Art sofort melden. In fünf Jahren soll ein Rückblick zeigen, ob die Maßnahmen angemessen waren und was noch verbessert werden muss.