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StartseiteUmwelt und VerbraucherTausende Hühner werden getötet14.11.2016

Geflügelpest-AusbruchTausende Hühner werden getötet

H5N8 - hinter der Abkürzung verbirgt sich ein gefährlicher Virus-Stamm: die sogenannte Vogelgrippe oder Geflügelpest. Zurzeit breitet sich die Tierseuche unter anderem in Schleswig-Holstein aus. 30.000 Tiere mussten bereits getötet werden. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt hat nun einen Krisenstab eingerichtet.

Von Peer-Axel Kroeske

Hühner (picture alliance / dpa / Roland Weihrauch)
In Grumby in der Nähe von Schleswig sind am Samstag 3.000 Hühner verendet. Das Dorf und seine Umgebung wurden zum Sperrgebiet erklärt. (picture alliance / dpa / Roland Weihrauch)
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Die Stallungen liegen einen halben Kilometer vom Dorf Grumby entfernt, allein auf freiem Feld in der leicht gewellten Landschaft. Es sind drei moderne Gebäude für jeweils 10.000 Hennen, die dort niemals ans Freie kommen. Am Mittwoch waren die ersten Tiere verendet, am Sonnabend waren es bereits 3.000. Und als Vogelgrippevirus bestätigt war, ging alles ganz schnell: Gestern rückte eine Spezialfirma an, um den gesamten Bestand in Wasserbädern mit Elektroschocks zu töten und abzutransportieren. Die Feuerwehr errichtete Desinfektionssperren. Dazu der Kreiswehrführer von Schleswig-Flensburg Mark Rücker:

"Die LKW stehen unten, werden dort beladen. Da ist so eine Art LKW-Dusche eingerichtet. Da werden sie benebelt mit einem Desinfektionsmittel. Dann noch Einwirkzeit, dass sie einen Augenblick stehen bleiben, bis das Mittel wirkt. Und dann geht es auf die Reise."

Um ein Uhr nachts war das so genannte Keulen der Hühner abgeschlossen. Heute bleiben einige Mitarbeiter der Spezialfirma noch vor Ort, um den Betrieb zu desinfizieren. Auch die letzte Lieferung von 300.000 Eiern aus dem Bestand ist inzwischen vernichtet. Eine Brüterei in Dänemark hatte sie gekauft. Die Produktion dient der Nachzucht von Geflügel. 

Erreger verbreitet sich in hohem Tempo

Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Robert Habeck sorgt sich nun vor allem um das hohe Tempo, mit dem sich der Erreger auszubreiten scheint. Zunächst war hier nur ein kleiner Betrieb mit frei laufendem Geflügel bei Lübeck betroffen, etwa 100 km entfernt. Am Donnerstag und Freitag waren dann aber verendete Wildvögel an der Schlei, einem Seitenarm der Ostsee, aufgetaucht, nur noch 10 km vom betroffenen Betrieb entfernt. 

"Meine Besorgnis speiste sich vor allem daher, dass der Virus offensichtlich sehr schnell ist und auch sehr schnell tödlich ist. Also die Tiere, die wir da gefunden haben, sind alle wohlgenährt gewesen. Die haben also nicht lange gesiecht, sondern sind sehr schnell gestorben." 

Dass der Erreger allerdings in die hermetisch abgeschlossenen Stallanlagen 
gelangen konnte, hat Habeck dann aber doch überrascht. 

"Dieser Betrieb ist nur durch Lüftungsrohre mit der Außenwelt verbunden und die Mitarbeiter halten diverse Hygienevorschriften ein, also gehen immer durch sanitäre Schleusen durch." 

Betrieb und Umgebung werden zum Sperrgebiet

Auf Ursachenforschung gingen gestern Experten des Friedrich Loeffler-Instituts auf dem Betrieb. Sie werten zur Stunde ihre Erkenntnisse aus. Dazu der Präsident des Instituts Thomas Mettenleiter: 

"Das ist jetzt etwas, was eher eine kriminalistische Arbeit ist, sich genau anzusehen, welche Personen sind dort rein- und rausgegangen, welche Fahrzeuge haben das Betriebsgelände angefahren, woher kamen die, wo sind die wieder hingefahren. Lüftung ist sicherlich eine mögliche Schwachstelle, aber es gibt eine Reihe weiterer: Futter, Einstreu, Trinkwasser. Da gehe ich eigentlich davon aus, dass das bei dem Bestand zumindest nicht sehr wahrscheinlich ist. Aber da müssen wir jetzt abwarten, was die beiden Kollegen vor Ort in ihren Untersuchungen herausbekommen."

"Geflügelpest Sperrgebiet" steht jetzt unter den Ortschildern von Grumby und den umliegenden Dörfern. Und das wirkt sich nicht nur auf die Geflügelhalter aus, sondern auch auf Betriebe mit Schweinen oder Rindern. 

"Fleisch darf auch von diesen Tierarten diese Sperrzone nicht verlassen."  

Bundeslandwirtschaftsminister hat einen Krisenstab eingerichtet

Sollte sich die Vogelgrippe aber ausweiten, könnten die Schutzmaßnahmen noch deutlich ausgeweitet werden – flächendeckend, mit der so genannten Stand-Still-Verordnung: 

"Das ist eine Verordnung, die dann gezogen wird, wenn an verschiedenen Stellen etwa gleichzeitig Geflügelpest ausbricht in den Ställen. Wenn wir also zu dem Schluss kommen müssen: Es ist nicht mehr beherrschbar, die Situation eskaliert, dann ist jeder Verkehr mit Geflügel, im schlimmsten Fall mit tierischen Produkten untersagt. Und ja, die liegt in der Schublade. Aber der Moment ist nicht gekommen."  

Um das Vorgehen der Bundesländer zu koordinieren, hatte Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt am Sonnabend einen Krisenstab eingerichtet.

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