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StartseiteCampus & KarriereEs muss nicht immer mit dem Taxischein enden25.07.2018

GeisteswissenschaftenEs muss nicht immer mit dem Taxischein enden

Wer Geisteswissenschaften studiert, hat aktuell gute Jobchancen. Die Universität Mainz hat deshalb Abiturienten und Erstsemester in einer Veranstaltung über die vielfältigen Möglichkeiten informiert. Denn klar ist heute auch: Es muss nicht immer der Job sein, den man sich zu Beginn des Studiums vorstellt.

Von Ludger Fittkau

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Studenten im Hörsaal (picture alliance / dpa / Fredrik von Erichsen)
Egal ob Geistes- oder Sozialwissenschaften: In allen Studienzweigen werden wichtige Grundfertigkeiten vermittelt, die man im späteren Berufsleben anwenden kann (picture alliance / dpa / Fredrik von Erichsen)
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Magdalena Palka, Studienberaterin im Career-Service der Uni Mainz begrüßt fünf Abiturientinnen und Studienanfängerinnen mit sehr unterschiedlichen Interessen. Etwa Ethnologie oder Geschichte, zwei interessieren sich für das Fach Französisch:

"Das war einer meiner Leistungskurse und das mochte ich immer, das war immer mein Lieblingsfach."

"Ich hatte es in der Schule, einfach nur als Grundkurs. Aber habe während der Oberstufe erlebt, da ist einfach eine Passion für die Literatur, für die Sprache an sich."

Orchideenfächer

Doch kann man mit der puren Leidenschaft für Sprachen künftig auch seine Brötchen verdienen? Studienberaterin Magdalena Palka verrät, dass sie selbst Pädagogik, Soziologie und BWL studiert hat und sich zu Beginn ihrer Unilaufbahn durchaus öfters mal die Frage gefallen lassen musste, was man denn damit werden könne:

"Es gibt auch so nette Sätze, die man hört: Soziologen bestreiten alles, nur nicht ihren Lebensunterhalt. Aber ich möchte ihnen heute Mut machen, dass Sie, wenn Sie sich entscheiden sollten, eine der Geisteswissenschaften, Sozialwissenschaften zu studieren oder vielleicht sogar etwas, dass man Orchideenfach nennt, dass Sie sehr, sehr gute Berufsaussichten haben und dass Sie vielleicht auch gut ihren Eltern oder auch Großeltern bei der nächsten Familienfeier einer solchen Frage begegnen können."

Ein Orchideenfach ist etwa das Fach Turkologie, das sich mit der Sprache, Geschichte und Kultur der sogenannten "Turk-Völker" beschäftigt. Dabei geht es nicht nur um das Terrain der heutigen Türkei, sondern etwa auch um Forschungen auf dem Gebiet von Kasachstan, Kirgisistan oder Usbekistan. Turkologie wird lediglich an zehn deutschen Universitäten gelehrt. Julian Rentzsch konnte nicht davon ausgehen, dass er einen der raren Lehrstühle ergattert, als er das Fach wählte. Doch seit dem vergangenen Jahr ist Rentzsch Professor in Mainz:

"Also, die Frage, was ich damit mal machen werde, habe ich mir während meines Studiums kaum gestellt, sondern ich habe mir überlegt, was mich interessiert und das habe ich dann studiert. Gar nicht mal so zielgerichtet, sondern auf Umwegen. Und das ist wahrscheinlich der Spirit, den man braucht, um mit den Geisteswissenschaften auch erfolgreich zu sein."

Die eigenen Interessen ernst nehmen

Die eigenen Interessen ernst nehmen, wenn man ein Fach wählt, dann wird sich schon ein – möglicherweise überraschendes - Berufsfeld auftun. Diese Botschaft vermittelt an diesem Abend auch Studienberaterin Magdalena Palka. Zu Beginn ihres Studiums hätte es beispielsweise das Tätigkeitsfeld an der Uni, in dem sie jetzt arbeitet, noch gar nicht gegeben:
"Ich wusste das auch nicht am Anfang. Und die wenigsten, die ich kenne. Weil auch in meinem Fall der Career-Service damals an der Uni Mainz damals noch gar nicht existiert hat."

Vermittlung wichtiger Grundfertigkeiten als Basis für den späteren Job

Es gibt gewisse Grundfertigkeiten, die ein geistes- oder sozialwissenschaftliches Studium vermittelt und die bei vielen Arbeitgebern aktuell sehr gefragt sind. Julian Rentzsch nennt etwa das Erlernen von Fremdsprachen und wissenschaftliches Schreiben. Auch die Arbeit in der Bibliothek sei eine Schlüsselqualifikation, so Rentzsch:

"Wer sich gründliches Wissen aneignen möchte, muss in die Bibliotheken gehen. Ich habe aber auch das Gefühl, dass viele Studierende Bibliotheken dazu benutzen, um dann im Internet zu recherchieren."

Das reiche jedoch bei weitem nicht – der Griff zum Buch und die gründliche Lektüre alter Quellen, die nicht im Internet stehen, seien die Voraussetzung für ein erfolgreiches Studium der Geistes- oder Sozialwissenschaften.

Vielfältige Möglichkeiten

Am Ende der Veranstaltung in der Uni Mainz sind die Studieninteressierten erst einmal froh darüber, dass sie sich bei der konkreten Jobsuche Zeit lassen können.

"Gerade, dass man jetzt noch nicht die ganzen Antworten haben muss. Alle fragen ja immer, was machst du damit. Aber man muss das ja noch nicht so genau wissen."

Außerdem nehmen sie aus der Orientierungsveranstaltung mit, dass sie  dann während des Studiums immer mal wieder Stellenanzeigen lesen sollten:

"Ja genau, das habe ich jetzt auch so neu dazu gelernt, und das man sich während des Studiums sich schon ein Stück weit mehr sich orientieren muss, als bei anderen Fächern – aber dass das durchaus möglich ist."

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