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Gelegenheit zum Kennenlernen

Forschungspolitik. – Europa ist auf vielen Gebieten noch kein geeinter Kontinent. Dazu gehört auch die Forschung. Um bessere Kontakte unter den Forschern und zur Öffentlichkeit herzustellen veranstaltet Frankreich seit dem vergangenen Jahr den "Salon Européen de la recherche et de l’innovation". Frieder Meyer-Krahmer, Staatssekretär im Bundesforschungsministerium, erklärt im Gespräch mit Ralf Krauter die Veranstaltung.

09.06.2006
    Krauter: Herr Meyer-Krahmer, für welche Forscher ist diese neuartige Plattform für Wissenschaftskommunikation in Paris interessant ?

    Meyer-Krahmer: Diese Plattform ist interessant für all diejenigen, die Interesse haben, mit französischen Forschern und Forscherinnen zu einer Kooperation zu kommen. Das ist dieses Jahr eine schöne Plattform gewesen, um die Breite der französischen Forschungslandschaft kennenzulernen, und auch dort vor Ort Kooperationen mit Frankreich anzubahnen. Ob allerdings diese Plattform wirklich dann die zentrale Schaltstelle wird, das muss man der Zeit überlassen, denn Messen brauchen immer eine ganze Reihe von Jahren, bis sie sich dann wirklich etabliert haben und Renommee entwickelt haben.

    Krauter: Die Veranstalter wollen es ja zwei Hauptzielgruppen Recht machen, Forschern und Entscheidungsträgern aus der Wissenschaft und gleichzeitig der breiten Öffentlichkeit mit einem Angebot von Vorträgen. Ist dieser Spagat denn überhaupt zu schaffen?

    Meyer-Krahmer: Ich glaube, dass es wichtig ist, diesen Spagat hinzubekommen, damit Wissenschaft nicht nur eine Veranstaltung ist, die die Betroffenen selbst betreiben, sondern sie muss auch in eine breite Öffentlichkeit getragen werden. Denken Sie nur daran, dass wir alle Wissen, dass es in Zukunft eine Knappheit an gut ausgebildeten jungen Menschen geben wird, und wir müssen allein schon deswegen für Wissenschaft werben und motivieren, hier in Bildung in diesem Bereich zu investieren.

    Krauter: Mein Eindruck, ich habe die Veranstaltung im vergangenen Jahr auch besucht, es war eine doch stark französische Nabelschau. Man ist, was diesen europäischen Anspruch anging, damals doch etwas zu kurz gesprungen. Was würden Sie sagen, wie europäisch war es in diesem Jahr wirklich?

    Meyer-Krahmer: Wir haben also neben Frankreich und Deutschland, die einen großen Stand haben, auch eine Reihe von anderen Ländern präsent gehabt. Zum Beispiel hatte Ungarn hier einen großen Stand mit einem sehr interessanten Konzept, nämlich sämtliche Universitäten des Landes wurden vorgestellt, in ihren spezifischen Profilen und auch Fachgebieten, die sie auch stärken und entwickeln wollen. Also, ich glaube, es war schon europäischer, aber sicherlich nicht gesamteuropäisch.

    Krauter: Trotzdem bleibt die Frage, wird man sich auf Dauer etablieren können. Wie groß sehen Sie die Chancen, dass dieser Salon sich dauerhaft als wichtiger Termin etablieren wird?

    Meyer-Krahmer: Also ich glaube, die beste Chance besteht darin, stärker mit dem französischen Forschungssystem zusammenzukommen, und Partner dort vor Ort zu finden. Es gibt viele Bereiche, von der Gesundheitsforschung, von der Krebsforschung, über die Pflanzengenomforschung bis zur Ozeanographie, der Meeresforschung, viele Bereiche, die sehr interessante Kooperationsbereiche darstellen. Und ich glaube, es ist schon sehr viel erreicht, wenn man eine bessere Kooperation mit dem französischen Forschungssystem erreicht. Ob es dann eine gesamteuropäische Messe sein wird, das muss man noch ein bisschen abwarten.