Archiv


Gen-Mais auf dem Prüfstand

MON 863 heißt der Gen-Mais, den der US-Agrarkonzern Monsanto herstellt und den Greenpeace schon sehr lange als gesundheitsschädlich geißelt. Der Grund sind Ergebnisse eines Fütterungsversuchs, der bei Ratten zu Veränderungen ihres Blutbildes führte. Jetzt hat eine sich als unabhängig bezeichnende Forschungsgruppe diese Fütterungsversuche ausgewertet und die Studie auf Einladung von Greenpeace in Berlin vorgestellt.

Von André Hatting |
    Gen-Mais ist so gefährlich, dass er zumindest bei Ratten lebenswichtige Organe krank macht. Das ist das Ergebnis der Untersuchung von Gilles-Eric Séralini. Er ist Professor für Molekularbiologie an der Universität Caen in Frankreich. Professor Séralini hat außerdem neun Jahre als Gutachter in der französischen Kommission für die Zulassung von gentechnisch veränderten Pflanzen gearbeitet.

    Er hat nun gemeinsam mit zwei Kollegen die Daten neu ausgewertet, die der amerikanische Konzern Monsanto weltweit als Beweis für die Unbedenklichkeit seines genmanipulierten Mais MON 863 anführt. Und die auch die EU vor zwei Jahren davon überzeugt hat, dass MON 863 als Futtermittel eingesetzt werden darf. Séralini hat in zweijähriger akribischer Arbeit Daten der Fütterungsversuche an Ratten neu ausgewertet.

    "Was wir entdeckt haben, war sehr überraschend. Zunächst einmal hat Monsanto die durchschnittlichen Gewichtsentwicklungen bei den 400 getesteten Ratten nicht statistisch signifikant ausgewertet. Wir haben eine signifikante Gewichtsentwicklungen sowohl bei weiblichen als auch männlichen Ratten festgestellt. Das ist ein wichtiger Hinweis für eine Vergiftungserscheinung.
    "

    Konkret habe es bei den männlichen Versuchstieren eine dosisabhängige Gewichtsabnahme um 3,3 Prozent, bei den weiblichen Tieren dagegen eine Gewichtszunahme um 3,7 Prozent gegeben. Außerdem hätten Schädigungen an Niere und Leber, also den Entgiftungsorganen, nachgewiesen werden können. Ablesbar an einem veränderten Blutzuckerspiegel, Blutfettwerten und Phosphorgehalt im Urin der Tiere.

    "Das sind Organe, die schnell auf eine Vergiftung reagieren. Wir können nicht sagen, um welche Krankheit es sich hier handelt, weil die von Monsanto durchgeführten Tests nur zwei Monate, also viel zu kurz gedauert haben. Man müsste Tests über einen Zeitraum von zwei Jahren machen - wie das in Europa für Medikamente und Pestizide vorgeschrieben ist, um Genaueres über die Erkrankung zu erfahren. Aber wir können sagen mit Gewissheit sagen, dass der gentechnisch veränderte Mais MON 863, der hier getestet wurde, nicht als unbedenklich gelten kann. Nicht nur für die Menschen, sondern auch für Tiere. "

    Nun müssten aber weitere eigene Versuche folgen, fordert der Wissenschaftler, um Näheres über die Veränderungen heraus zu finden. Denn, wohlgemerkt, Séralini und seine Kollegen haben einzig und allein die Versuchsergebnisse neu ausgewertet, die Monsanto nach einem Rechtsstreit mit Greenpeace im Juni 2005 öffentlich machen musste.

    "Wir befinden uns nun an einer Wende in der Geschichte gentechnisch veränderter Pflanzen. Zum ersten Mal zeigt sich die Gentechnik-Wissenschaft in ihrer ganzen Dimension dank einer unabhängigen Gegenanalyse. Ich glaube, dass man systematisch solche Gegenanalysen einführen muss. Genau so wie es in der Rechtssprechung üblich sei, immer auch den Anwalt des Angeklagten anzuhören."

    Christoph Then, der Gentechnik-Experte von Greenpeace, erwartet nun eine neue Diskussion des Risikos.