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StartseiteStreitkulturSind Jugendliche die Verlierer der Krise? 11.07.2020

Generation CoronaSind Jugendliche die Verlierer der Krise?

Der Arbeitsmarkt wird schwieriger für Berufseinsteiger, die große Freiheit des Reisens und Partymachens ist vorerst vorbei. Meine Altersgruppe wird im Stich gelassen, sagt der Jugendparlamentarier Philipp Köhler. Junge Leute haben viele Trümpfe in der Hand, sagt dagegen die Sozialwissenschaftlerin Annelies Blom.

Moderation: Christiane Florin

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Realschule Benzenberg anlaesslich der Wiederaufnahme des Schulbetriebs unter Auflagen des Corona-Infektionsschutzes in Zeiten der Corona Pandemie, Schuelerinnen tragen Masken beim Unterricht im Musikraum.  (imago images / Rupert Oberhäuser)
Wiederaufnahme des Schulbetriebs an der Realschule Benzenberg in Düsseldorf unter Auflagen des Corona-Infektionsschutzes (imago images / Rupert Oberhäuser)
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Philipp Köhler, Vorsitzender des Jugendparlaments Aschaffenburg (privat               ) (privat )Philipp Köhler, Vorsitzender des Jugendparlaments Aschaffenburg, hat gerade Abitur gemacht:

Diese Krise betrifft uns alle, es gibt keine Sieger, bis auf diverse Unternehmen wie Amazon. Trotzdem finde ich, dass Jugendliche vor allem zu den Verlierern zählen. Zu Beginn der Krise, bei der Umstellung auf den Online-Unterricht, haben sich viele Schülerinnen und Schüler im Stich gelassen gefühlt. In den politischen Diskussionen ging es nur um die Abschlussprüfungen und nicht darum, wie sie mit dem Druck umgehen. Wir haben uns politisch nicht repräsentiert gefühlt. Auch mit Blick auf die Zukunft zeichnet sich ein düsteres Bild ab. Viele aus meiner Jahrgangsstufe wollten die Zeit nutzen, um ein Freiwilliges Soziales Jahr zu machen, ins Ausland zu gehen und eine Sprachschule zu besuchen. Viele wollten mit Praktika oder Nebenjobs herausfinden, was sie eigentlich später mit ihrem Leben machen wollen. Das ist aber wegen der Reisebeschränkungen nicht mehr möglich und auch deswegen, weil die Eltern für solche Annehmlichkeiten kein Geld mehr haben. Meine Zukunftsängste sind durch Corona größer geworden.

Annelies Blom, Professorin für Datenwissenschaft und Leiterin der Corona-Studie der Universität Mannheim (L.Kratschmann) (L.Kratschmann)Annelies Blom, Professorin für Datenwissenschaft und Leiterin der Corona-Studie der Universität Mannheim: 

Wir sind alle Verlierer, aber besonders betroffen sind die Alten und Kranken, die sich Sorgen machen müssen, schwer oder tödlich am Virus zu erkranken. Besonders betroffen sind Eltern von kleinen Kindern, die ohne Betreuungsangebote dastehen und die Kinder dieser Eltern, die nicht mit Freunden spielen und nicht in die Schule gehen dürfen. Besonders betroffen sind Frauen. In unserer Studie sehen wir, dass Frauen enorme finanzielle Rückschritte machen. Besonders betroffen sind Geringverdiener und prekär Beschäftigte. Sie verlieren besonders häufig ihre Arbeit und leben in beengten Wohnverhältnissen. Besonders betroffen sind auch all die, die nicht das Glück haben, in Deutschland zu leben, Flüchtlinge in Lagern zum Beispiel, über die kaum mehr berichtet wird. Jugendliche in Deutschland haben viele Trümpfe in der Hand. Sie haben oft noch keine Verantwortung für andere, sie kennen sich in der modernen Welt aus und haben die Fähigkeit, online zu lernen und zu arbeiten. Und nicht zuletzt ist für junge Leute die Gefahr geringer, sich zu infizieren.

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