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StartseiteCampus & KarriereExperimente mitten in der City21.08.2017

Geniale-Festival in BielefeldExperimente mitten in der City

"Die Geniale" heißt das Science Festival, das zurzeit in Bielefeld läuft. Die Innenstadt verschmilzt mit den Hochschulen zu einem großen Campus. Kinder, Jugendliche und Erwachsene können noch bis Samstag, den 26. August, Wissenschaft zum Mitmachen erleben. "Macht Euch schlau" heißt das Motto.

Das Bild zeigt eine Laboranordnung mit Kolben und Gläsern. (imago stock&people)
Das Science Festival soll zeigen, dass Forschung auch für das echte Leben interessant ist. (imago stock&people)
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Gegenüber von der Psychologie-Studentin Lisa Viereck sitzt eine Frau. Ihre Hand muss sie hinter eine Trennwand legen. Vor der Frau auf dem Tisch liegt eine Gummihand, die mit einem Tuch halb verdeckt ist. So, dass es so aussieht, als wäre es ihre echte Hand. Lisa Viereck streichelt dann die beiden Hände gleichzeitig mit einem Pinsel:

"Das führt dazu, dass das Gehirn verwirrt ist. Weil es die eigene Hand nicht sieht. Es spürt aber, dass sie gestreichelt wird. Dafür wird die Gummihand gesehen, spürt aber nicht, wie sie gestreichelt wird. Das führt dazu, dass das Gehirn versucht, irgendwo einen Sinn draus zu drehen und das so hinzudrehen, dass eventuell die Gummihand zum Körper gehört."

Die Frau schildert das Gefühl so:

"Mit der Zeit kann man nicht mehr so richtig sagen, welche Hand eigentlich so richtig gestreichelt wird. Jetzt zum Beispiel werden die Pinsel abwechselnd bewegt. Immer, wenn die Gummihand gestreichelt wird, hab ich das Gefühl, dass meine Hand total taub ist. Das man das Gefühl hat, man müsste jetzt was fühlen, aber man fühlt nichts."

Illusionen mit Mehrwert für die Wissenschaft

Rund um den Stand auf der Geniale drängen sich die Menschen. Kinder, Erwachsene, Familien. "Der Körper im Gehirn, Mitmach-Experimente zur Körperwahrnehmung" - das steht vorne am Zelt. Lisa Viereck führt zusammen mit anderen aus der Arbeitsgruppe Biopsychologie und kognitive Neurowissenschaften die Experimente durch. Geleitet wird die Arbeitsgruppe von Tobias Heed, Professor für Bio-Psychologie an der Universität Bielefeld. Die Experimente erklärt er so:

"Diese Illusionen zeigen uns, wie unser Gehirn funktioniert. Wir können uns als Wissenschaftler jetzt überlegen: Wie kann das denn sein, dass das Gehirn einfach annimmt, dass diese Gummihand zum eigenen Körper gehört. Die Tatsache dass diese Illusion entsteht, bedeutet für uns, dass das Gehirn immer wieder neu schaut: Was gehört zu mir, was ist mein Körper, wo ist mein Körper. Erkenntnisse, die in der Praxis zum Beispiel interessant sein könnten, wenn es um Prothesen geht."

Forschung betrifft das echte Leben

Wissenschaft zum Anfassen, zum Begreifen, zum Staunen und zum Mitmachen. Genau darum geht es auf der Geniale. Über 500 Veranstaltungen gibt es verteilt in der Innenstadt und in den Hochschulen. Darunter Science Shows, Workshops oder offene Forschungslabors.

Bielefeld will sein Image als Universitätsstadt schärfen. Will Wissenschaft direkt in die City holen und den Kontakt zwischen Forschern und Bevölkerung verbessern. Zum vierten Mal findet die Geniale jetzt schon statt. Die Idee wurde mehrfach ausgezeichnet. Aber nicht nur bei den Besuchern, sondern auch bei dem Bio-Psychologen Tobias Heed kommt sie gut an:

"Ich fand die Idee super, dass man mit seiner eigenen Forschung eine größere Öffentlichkeit erreichen kann. Das heißt, wir haben hier die Möglichkeit zu erklären, warum wir uns für diese Sachen interessieren. Wir schaffen ein bisschen Verständnis dafür, dass Forschung nicht nur für Leute mit total komischen Interessen ist, sondern dass Forschung wirklich Dinge betrifft, die für jeden interessant sind und die auch im echten Leben interessant sind."

Der Psychologie Studentin Lisa Viereck gefällt es im Team auf der Geniale mitzumachen. Eine interessante Erfahrung für ihr Studium:

"Es ist schön, das Leuten nahezubringen. Dadurch merke ich erst mal selber, dass ich es verstehe und zum Anderen merke ich, dass andere auch begeistert sind."

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