Archiv


Genmanipuliertes Umweltschwein

Genetik. - Es ist leicht, gegen gentechnisch veränderte Organismen zu sein, wenn diese keinen erkennbaren Nutzen haben, außer vielleicht der Gewinnoptimierung in der Landwirtschaft. Die Produzenten von Bt- Mais und Co verweisen daher seit Jahr und Tag darauf, wie viel Spritzmittel die manipulierten Pflanzensorten sparen. Noch schwerer macht es den Aktivisten, die ja meist auch Umweltschützer sind, der kanadische Mikrobiologe Cecil Forsberg. Er hat Schweine so manipuliert, dass sie die Umwelt kaum mehr mit Phosphat belasten. "Enviropig" nennt er seine Kreation. Zu Deutsch: Umweltschwein.

Grit Kienzlen |
    Schweine sind Umweltsünder. Sie können nichts dafür. Umweltverschmutzung gehört sozusagen zu ihrem täglichen Geschäft. Damit sie wachsen und gedeihen können, brauchen die Schweine Phosphat. Davon gibt es zwar ausreichend in ihrer Körner-Kost, aber das Phosphat ist im Pflanzenkorn größtenteils in ein großes Molekül eingegliedert, und dieses Molekül, das Phytat können die Schweine in ihrem einen Magen nicht knacken. Wir Menschen übrigens auch nicht und Hühner ebenso wenig. Früher haben die Bauern deshalb Phosphat zugefüttert und tun es immer noch, erklärt Cecil Forsberg, Mikrobiologe an der Universität von Guelph in Kanada:

    Was dann passiert, ist, dass viel von dem Phosphat wieder ausgeschieden wird, ebenso wie das stabile Phytat aus den Körnern. Der Mist wird auf den Feldern verteilt, und wenn Sie das jahrelang machen, steigt die Phosphat-Konzentration auf dem Feld. Wenn es dann regnet, wird das Phosphat in die Ströme und Teiche geschwemmt.
    Algen und Bakterien wachsen in den Phosphat-belasteten Gewässern bestens und rauben anderen Organismen den Sauerstoff. Das Problem ist bekannt. Bakterien verfügen über ein Enzym, das Phytat spalten kann, sodass das Phosphat darin verfügbar und verwertbar wird. Vor rund acht Jahren begannen die Landwirte dieses Enzym namens Phytase, dem Schweine-Futter zuzusetzen. So können die Tiere nun doch einen Teil des gebundenen Phosphats verwerten und ihr Mist ist weniger belastet.

    Wir haben das noch einen Schritt weiter geführt und den Schweinen die Möglichkeit gegeben, ihre eigenes Enzym herzustellen. Das funktioniert sogar so gut, dass das Schwein das Phytat besser verwerten kann, als wenn man die Phytase dem Futter beimischt.

    Cecil Forsberg hat das Gen für das Enzym in das Erbgut der Schweine eingebaut und zwar so, dass es praktisch nur in der Speicheldrüse aktiv wird. Der Speichel seiner Gen-Schweine enthält nun also Phytase.

    Im Ergebnis vermischt sich das Enzym im Speichel mit der Körnerkost und baut das Phytat ab, sodass Phosphat im Magen frei verfügbar wird. Das Phosphat wird dann im Dünndarm aufgenommen, und deshalb enthalten die Ausscheidungen 60 bis 70 Prozent weniger Phosphor.

    Seit vier Jahren züchten die kanadischen Forscher nun ihre manipulierten Yorkshire Schweine und seit diesem Jahr, 2003, laufen Lebensmittel-Sicherheitstests mit dem Fleisch. Die Behörden müssen den Verzehr für unbedenklich erklären, bevor sie es zulassen können.

    Natürlich gibt es Protest von Konsumentenseite, die das Fleisch in Anlehnung an den Doktor Frankenstein, Frankenfleisch nennen. Allerdings, erzählt Cecil Forsberg, fällt den Umweltgruppen die Kritik schwerer als sonst, weil die ethischen Bedenken einen Preis haben:

    Sie haben Schwierigkeiten mit ihrer Kritik, weil sie den Vorteil dieser Schweine für die Umwelt sehen.

    Alle anderen gentechnisch veränderten Farmtiere, die derzeit im Zulassungsverfahren stecken, haben nur ökonomische Vorteile, wie etwa die Lachse, die durch Einbau eines Wachstumshormons vier bis fünf Mal so schnell wachsen wie ihre natürlichen Verwandten. Den wirtschaftlichen Nutzen seiner Umweltschweine schätzt Cecil Forsberg dagegen eher gering ein.

    Wenn Sie ein gutes Produktionssystem haben wie in Europa, dann bringt eine Umstellung auf transgene Tiere wenig, und es ist schwer zu rechtfertigen. Andererseits gibt es schon einen langfristigen Nutzen, denn sie müssen das genveränderte Schwein nur einmal einführen und haben dann keine Zusatzkosten für die effektivere Futterverwertung mehr.

    Gleichzeitig wird das Phosphat für die Zufütterung in Europa teuerer, seit Tiermehl als Quelle ausfällt und der Phosphat-Abbau zunehmend eingestellt wird. In 20 Jahren, meint der kanadische Forscher deshalb, könnten seine Schweine zur norm werden. Aber darin steckt sicher auch Wunschdenken.