Sonntag, 22. Mai 2022

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Genozid in Ruanda
Schuldfrage bleibt ungeklärt

Auch nach fast 25 Jahren ist der Genozid in Ruanda noch nicht aufgearbeitet. Und so verhandelt auch ein Gericht in Paris darüber, warum die französische Armee nicht eingegriffen hat, als 1994 einige Kilometer von ihrem Standort entfernt Tausende Tutsi ermordet wurden. Das Verfahren soll jetzt eingestellt werden.

Marc Engelhardt im Gespräch mit Britta Fecke | 29.09.2018

Eine Frau steht vor einer Schädelreihe: Gedenkstätte für den Völkermord in Ruanda
Gedenkstätte für den Völkermord in Ruanda (picture alliance / dpa)
Im lodernden Bürgerkrieg hatten die Hutu tagelang massiv Propaganda gegen die Tutsi-Minderheit verbreitet. Als die Präsidentenmaschine am 6. April 1994 abgeschossen wurde, galten der aufgeputschten Menge umgehend Tutsi-Rebellen als verantwortlich. Es kursierten Listen mit Menschen, die es zu töten gelte, erklärt Marc Engelhardt. Die Massaker zogen Kreise, 800 Tausend Menschen wurden grausam niedergemetzelt.
Die Weltöffentlichkeit steckte den Kopf in den Sand. Die Zahl der im Land stationierten Blauhelm-Soldaten der Vereinten Nationen wurde nicht aufgestockt. Der damalige Kommandeur der Truppe, Roméo Dallaire, der nach Hilfe gerufen hatte, formulierte später: Die internationale Staatengemeinschaft habe Ruanda "ignoriert".
Der Völkermord wirkte juristisch nur vereinzelt nach. Unter anderem in Frankreich drängten private Initiativen zur Aufklärung und strengten Prozesse und Anklagen an. Denn Frankreich hatte Blauhelme gestellt, hatte in der Operation "Turquoise" einen Korridor geschaffen, über den flohen aber vor allem Täter. Und einige der Hutu-Anhänger bauten sich in Europa, auch in Frankreich, eine neue Existenz auf. Der Ort Bissesero und die Massaker dort waren zuletzt Gegenstand eines Anklageverfahrens, das nun beendet wurde. Marc Engelhardt im Gespräch mit Britta Fecke über die Wunden, die in Ruanda nicht verheilen wollen.