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Gentechnisch veränderte PflanzenNobelpreisträger fordern Zulassung

"Die Blockade der Gentechnik ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit" – so ist der offene Brief von 113 Nobelpreisträgern überschrieben und richtet sich vor allem an Regierungen, die UNO und an Greenpeace. Die Wissenschaftler fordern darin die Zulassung von gentechnisch veränderten Pflanzen, auch um die Welternährung zu verbessern.

Von Dieter Nürnberger | 17.10.2016

Vor einem Plakat "Genfood? Nein Danke" wird genfreies Gemüse gezeigt.
Die Kritik an gentechnisch veränderten Lebensmitteln ist groß - international renommierte Wissenschaftler halten sie für unbegründet und fordern die Zulassung von Produkten. (Uli Deck, dpa picture-alliance)
Es geht um gentechnisch veränderte Pflanzen, die - laut Meinung der Nobelpreisträger - sehr wohl zu einer verbesserten Welternährung beitragen sollen und können. Diese Diskussion ist nicht neu: In der Vergangenheit drehte sie sich vor allem um den sogenannten goldenen Reis. Eine gentechnisch veränderte Reisesorte also, die vor allem mehr Provitamin A enthält. In der Diskussion stehen derzeit noch weitere Verfahren, bei denen noch andere Mikronährstoffe wie etwa Eisen eine Rolle spielen. Den Wissenschaftlern geht es also um Ernährungssicherheit. Mit gentechnisch veränderten Nahrungspflanzen könne die Mangelernährung bekämpft werden, sagt beispielsweise Werner Arber, der Mikrobiologe hat 1978 den Nobelpreis erhalten:
"Die Gentechnik kann das. Ich gehe davon aus, dass man dank künftiger Forschung über diese Micronutrients auch noch mehr Einsichten bekommt. Dass man dies künftig also mehr und mehr in häufig gegessene Pflanzen "hineingibt"."
Bei der Grünen Gentechnik geht es um eine bessere Schädlingsresistenz ebenso wie auch um die Beigabe von ernährungswissenschaftlich wichtigen Substanzen wie Vitamin A. "Wie viele Menschen müssen eigentlich noch erblinden und sterben, bis die Gegner der Grünen Gentechnik endlich einlenken", so fragen die Nobelpreisträger recht provokativ.
Nobelpreisträger halten Kritik an Gentechnik für haltlos
Sie sehen derzeit aber auch Verbesserungen - der schon erwähnte goldene Reis sei längst auch auf den Philippinen oder in Bangladesch auf dem Vormarsch, dort werde er erfolgreich angebaut. Nobelpreisträger Werner Arber hofft nun, dass sich diese Entwicklung auch im eher kritischen Europa durchsetzt:
"Bis jetzt ist noch nie - aus der Methodik der Gentechnik heraus - irgendein erkennbares Risiko oder ein erkennbarer Fehler identifiziert worden. Die Politiker versuchen ihre Wähler zu befriedigen. Vielen Leuten wurde das ja fälschlicher Weise so eingetrichtert. Und dann wollen die Politiker das auch nicht mehr verändern."
Zusammengefasst: Die Bedenken vieler Umweltschützer oder auch von Regierungen hinsichtlich von Risiken oder Gefahren der Grünen Gentechnik seien haltlos.
Eine Änderung des Gentechnikgesetzes in Deutschland ist geplant
Zu Wort gemeldet haben sich in Berlin auch Umweltschützer, denen die Gentechnik-Gesetze nicht restriktiv genug sind - worum geht es da?
In Deutschland steht eine Änderung des Gentechnikgesetzes an. Das passiert aufgrund europäischer Vorgaben. Und hier sorgt nun ein erster Entwurf aus dem zuständigen Bundesagrarministerium für Ärger. Beispielsweise beim Bund für Umwelt und Naturschutz. Würden die hier formulierten Regeln Wirklichkeit, dann könnte schon bald das in Deutschland bestehende Gentechnikverbot auf den Äckern fallen, befürchtet Heike Moldenhauer, die Gentechnik-Expertin des BUND.
"Zum einen müsste die Mehrheit der Bundesländer sagen, dass sie dies nicht wollen. Das halte ich noch für wahrscheinlich, das könnte funktionieren. Was aber wohl nicht funktionieren wird, ist die Regel, dass sechs Bundesministerien im Einvernehmen entscheiden müssen, keinen Anbau zu wollen. Konkret: Ein Ministerium allein hätte ein Vetorecht, es könnte das Ganze blockieren. Wir rechnen damit, dass dies das Forschungsministerium sein wird. Das traditionell Gentechnik-freundlich ist."
Es geht somit um die künftigen Regeln bei der Zulassung von gentechnisch-veränderten Pflanzen in Deutschland. Und der BUND befürchtet, dass künftig nationale Anbauverbote fallen könnten.