Dienstag, 23.07.2019
 
Seit 05:05 Uhr Informationen am Morgen
StartseiteForschung aktuellDie Insel Surtsey vor Island13.05.2019

GeologieDie Insel Surtsey vor Island

Das Eiland liegt vor Island in einem der rauesten Meeresgebiete der Welt. Auf Surtsey findet ein Kampf zwischen Vulkan und Ozean statt. Doch die inneren Temperaturen sinken, der Sieg des Meeres ist absehbar: In etwa 200 Jahren wird die Insel abgetragen sein.

Von Dagmar Röhrlich

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Dampfwolken steigen von der Vulkaninsel Surtsey in die Luft. Die Insel entstand 1963 durch einen Vulkanausbruch unter Wasser und liegt rund 20 Kilometer entfernt von Heimaey, der Hauptinsel der isländischen Westmännerinseln | picture alliance / dpa / Polfoto (picture alliance / dpa  / Polfoto)
Durch Palogonitisierung bildet sich auf Surtsey ein natürlicher Zement, der die Insel zusammenhält (picture alliance / dpa / Polfoto)
Mehr zum Thema

Vor 55 Jahren entstanden Vulkaninsel Surtsey - ein geologischer Glücksfall

Vulkaninsel Surtsey Neues Ökosystem auf toter Lava

Surtsey begann - wie alle Vulkaninseln - im Grunde als ein Haufen "Sand" im Ozean. Denn wenn Wasser und glutflüssiges Magma in Kontakt kommen, gibt es heftige Explosionen, die das Magma zerfetzen. Surtsey förderte deshalb zunächst nur lockeres Material. Normalerweise haben Stürme und Wellen bei solchen Inseln leichtes Spiel:

"Surtsey liegt in einem der rauesten Meeresgebiete überhaupt. Deshalb waren die ersten Monate ein Kampf zwischen Vulkan und dem Ozean, weil jeder Sturm einen Teil der Insel wieder abtrug. Doch der Ausbruch hielt an, und nach viereinhalb Monaten war Surtsey so groß, dass das Wasser das Magma nicht mehr erreichen konnte. Dadurch veränderte sich der Ausbruch, Lava begann zu fließen - und zwar fast drei Jahre lang."

Erklärt Magnus Gudmundsson von der Universität von Island in Reykjavik. Zunächst bewahrten diese Lavaströme Surtsey davor, wieder im Meer zu verschwinden. Doch inzwischen ist ein zweiter Effekt viel wichtiger: die chemische Umwandlung des lockeren Materials aus der explosiven Phase in festes Gestein. Das geschieht, weil heißes Wasser im Inselkörper zirkuliert und dabei mit dem Material reagiert - die sogenannte Palagonitisierung:

"Im Prinzip löst sich das Material auf und wird sofort wieder ausgefällt. Das sieht dann so aus wie ein rötlich braunes Gel, was sich so um die Körner legt."

Bräunliches Gel hält Insel zusammen

Und wenn dieses bräunliche Gel verwittert, entstehen Minerale, die einen natürlichen Zement zwischen den Körnern bilden, erklärt Simon Prause vom Geologischen Dienst Islands. Genau dieser Zement hält die Insel zusammen. Auf Surtsey läuft dieser Prozess sehr schnell ab. Das belegen Bohrkerne, die 1979 beziehungsweise 2017 bei Bohrexpeditionen gezogen worden sind:

"Ich habe mir die Bohrkerne angeschaut, von 1979 zuerst und dann von der 2017er-Expedition. Ich habe geschaut bei den gleichen Tiefen, was hat sich konkret geändert und wieviel Zement ist jetzt drin. Die Palagonitisierung ist sehr, sehr stark, mehrere Zehner Volumenprozent Unterschied, und man kann sehr, sehr gut sehen, wie die Alteration fortgeschritten ist."

Unerklärliche Wärme

Diese Umwandlungsprozesse könnten ein Rätsel lösen, das sich mit der Bohrung vor zwei Jahren gestellt hat. Denn die geothermische Energie unter Surtsey ist immer noch sehr hoch: Die Messungen in dem alten Bohrloch von 1979 belegen, dass die Temperaturen nur langsam sinken, obwohl kühlendes Meerwasser durch Surtsey zirkuliert. Deshalb hatten Geologen vermutet, dass erstarrte Lava Surtsey sozusagen von unten her heizt. Doch bei den beiden neuen Bohrungen fanden sich keine Hinweise darauf:

"Das heißt, wir können eigentlich nicht genau erklären, warum da noch so viel Wärme ist. Es könnte sein, dass ein Teil der Wärme einfach aus dieser chemischen Umwandlung in diesen Palagonit - also das ist praktisch dann diese Zementierung - stammt. Man kennt es ja auch aus der Technik, wenn große Zementbauwerke gegossen werden, dass da auch Wasserkühlleitungen verlegt werden, damit die Prozesswärme, die da frei wird, die Strukturen nicht schädigt."

Erklärt Bernd Zimanowski von der Universität Würzburg. Stimmt diese Theorie, erhält sich dieser Prozess vorerst selbst. Denn er läuft ab, solange die Temperaturen hoch genug sind - und die Hitze entsteht durch die chemischen Umwandlungsprozesse. Ein Perpetuum mobile ist es allerdings nicht: Denn die Temperaturen sinken, das Meer wird also siegen - in vielleicht 200 Jahren.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk