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Gerbert d’Aurillac

Wenn Sie im 10. Jahrhundert als Europäer Interesse an der Astronomie gehabt hätten, wären Sie sicher gerne Schüler von Gerbert d’Aurillac gewesen - vorausgesetzt Sie hätten sich getraut. Einige glaubten damals, Gerbert sei ein Hexenmeister.

Von Thomas Hockey |
    Statt nur Vorlesungen zu halten, setzte Gerbert in seinen Lehrstunden merkwürdige Hilfsmittel ein. Er verwendet einen hölzernen Globus und einen künstlichen Horizont um zu demonstrieren, wie beispielsweise die Sterne auf- und untergehen und die Bewegung der Planeten erklärt werden kann. Das waren erschreckende Lehren. Die alten Griechen wussten zwar bereits, dass die Erde rund ist. Im Europa des 10. Jahrhunderts war dieses Wissen jedoch nicht verbreitet und sogar gefährlich.

    Gerbert baute seine eigenen Modelle und Beobachtungshilfen. Sein gekonnter Einsatz dieser "Medien” machte ihn zum Carl Sagan des ersten Jahrtausends.

    Von arabischen Lehrern hatte Gerbert sein astronomischen Wissen erworben. Er würdigte das, indem er das arabische Zahlensystem in Europa einführte. Dieser Vor-Renaissance-Mann veränderte auch den römischen Abacus, um eine Dezimalstelle einzufügen, und er erfand eine Pendeluhr.

    Gerberts wissenschaftliche Karriere war kurz, weil er einen anderen Auftrag bekam. Er war bereits Priester. Nach dem Tod von Papst Gregor V. im Jahr 999 wurde er zum Papst gewählt - Papst Silvester II. Kein Franzose hatte zuvor auf dem heiligen Stuhl gesessen. Bis zu seinem Tod im Jahr 1003 war seine Zeit mit kirchlichen und politischen Aufgaben gefüllt. Trotzdem war er in der katholischen Kirche der erste Astronomen-Papst.