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StartseiteInformationen am MorgenAbsturz von Flug 9525 jährt sich zum fünften Mal24.03.2020

GermanwingsAbsturz von Flug 9525 jährt sich zum fünften Mal

Vor fünf Jahren starben beim Absturz der Germanwings-Maschine 4U 9525 150 Menschen. Der Co-Pilot ließ das Flugzeug absichtlich in die französischen Alpen abstürzen. Noch immer sind Fragen offen – und Gedenkfeiern in Zeiten der Corona-Pandemie nicht möglich.

Von Jürgen König

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Die Gedenkstätte für die Opfer des Flugzeugabsturzes des Germanwings Fluges 4U 9525 im französischen Le Vernet (dpa-news / Peter Kneffel)
An der Gedenkstätte im französischen Le Vernet gibt es am Jahrestag eine kleine Gedenkfeier (dpa-news / Peter Kneffel)
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Die Erwartungen der Angehörigen der Opfer an die Feierlichkeiten zum fünften Jahrestag der Germanwings-Katastrophe von 2015 seien groß gewesen, sagte die deutsche Generalkonsulin in Marseille, Clarissa Duvigneau, der Zeitung Le Monde. Doch wegen der Corona-Pandemie herrscht in Frankreich eine allgemeine Ausgangssperre, Versammlungen sind verboten – auch ein großes, öffentliches Gedenken kann nicht stattfinden.

Anwalt Christof Wellens in Anzug, steht auf einer Wiese, im Hintergrund ein weißes Zelt. (BORIS HORVAT / AFP) (BORIS HORVAT / AFP)Streit um rechtliche Entschädigung
Angehörigen der Opfer warten immer noch auf Entschädigungszahlungen des Lufthansa-Konzerns. Opfer-Anwälte werfen dem Unternehmen taktisches Verhalten vor und beklagen zu niedrige Angebote. Der Konzern wehrt sich.

Ein Sprecher der  Germanwings-Muttergesellschaft Lufthansa sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Entscheidung der französischen Behörden und der Lufthansa, die Gedenkzeremonie abzusagen, sei sehr schwergefallen, aber einvernehmlich getroffen worden, auch die Angehörigen der Opfer hätten diese "unvermeidliche Entscheidung verstanden und akzeptiert".

Absichtlicher Absturz

Am 24. März 2015 war der Airbus A320 der Germanwings, Flug 9525 von Barcelona nach Düsseldorf, in den südfranzösischen Alpen abgestürzt, dabei kamen 150 Menschen ums Leben, darunter 72 Deutsche und 50 Spanier, insgesamt Menschen aus 17 Ländern. Der amtliche Untersuchungsbericht der französischen Behörden befand, der unter Depressionen leidende Co-Pilot Andreas Lubitz habe den Flugkapitän, der das Cockpit für einen Moment verlassen hatte, nicht wieder hineingelassen und dann das Flugzeug absichtlich gegen ein Bergmassiv gelenkt. Ein Augenzeuge des Absturzes:

"Ich habe gesehen, wie das Flugzeug an Höhe verlor und mir war sofort klar, dass es abstürzen würde. Dabei flog es ganz ruhig, die Motoren waren... ganz leise, auch kein Rauch, nichts Besonderes."

Zwei Tage später erklärte Bruce Robin von der Staatsanwaltschaft Marseille zur Auswertung des Stimmenrekorders der Maschine:

"Man hört bis zuletzt das regelmäßige Atmen eines Menschen im Cockpit. Die für uns wahrscheinlichste Erklärung dafür ist, dass der Co-Pilot, aus einem Grund, den wir nicht kennen, die Maschine absichtlich zerstören wollte.

Gedenken im Kleinen

Eine Aussage, die den Vorstandschef der Lufthansa, Carsten Spohr, bei seiner Pressekonferenz am selben Tag erkennbar um Haltung ringen ließ:

"Wir müssen fassungslos zur Kenntnis nehmen, dass das Flugzeug willentlich zum Absturz gebracht wurde."

Lufthansa-Chef Carsten Spohr bei der Hauptversammlung 2015. (AFP / Carmen Jaspersen)Lufthansa-Chef Carsten Spohr bei der Hauptversammlung 2015. (AFP / Carmen Jaspersen)
Gänzlich abgeschlossen wurden die Untersuchungen bis heute nicht – weder bei der Staatsanwaltschaft von Marseille noch der von Düsseldorf.  Vor den Landgerichten von Essen und Frankfurt am Main laufen zudem Verfahren, mit denen Angehörige der Opfer von der Lufthansa ein höheres Schmerzensgeld erstreiten wollen.

Unter den Opfern waren auch 16 Schüler und zwei Lehrerinnen des Joseph-König-Gymnasiums aus Haltern am See in Nordrhein-Westfalen; auch die dort geplanten Gedenkfeiern können wegen der Pandemie nicht stattfinden.

Ein Gedenken im Kleinen wird es dennoch geben: an der Gedenkstele in der Ortschaft Le Vernet, ganz in der Nähe der Absturzstelle, genau um 10:41 Uhr, dem Zeitpunkt des Aufpralls der Maschine. Dann werden Bürgermeister François Balique und Bernard Bartolini, Vorsteher der Nachbargemeinde Prads-Haute-Bléone, einen Kranz niederlegen und eine Schweigeminute abhalten.

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