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StartseiteKalenderblattGetrennte Wege02.01.2006

Getrennte Wege

Der SPD-Politiker Kurt Schumacher erteilt am 2. Januar 1946 jedem Bündnis mit Kommunisten eine Absage

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs forderten zahlreiche Sozialdemokraten und Kommunisten unter dem Eindruck von zwölf Jahren NS-Herrschaft eine Verschmelzung ihrer Parteien. In dem "Bruderkampf" von SPD und KPD in der Weimarer Republik sahen sie eine Ursache der nationalsozialistischen Wahlerfolge. Kurt Schumacher, der spätere Vorsitzende der sozialdemokratischen Partei, lehnte dagegen von Beginn an unzweideutig und hart alle Einheitsbestrebungen ab.

Von Otto Langels

Parteivorsitzender Kurt Schumacher während einer einer Kundgebung der SPD auf dem Frankfurter Römerberg. (AP Archiv)
Parteivorsitzender Kurt Schumacher während einer einer Kundgebung der SPD auf dem Frankfurter Römerberg. (AP Archiv)

So auch in später bekannt gewordenen Sätzen am 2. Januar 1946.

" Die Sozialdemokratische Partei kann und will nicht auf die Freiheit in ihren Entschlüssen und Urteilen verzichten. Die Sozialdemokratie lehnt es ab, den Blutspender für den geschwächten Parteikörper der Kommunistischen Partei abzugeben. "

Kurt Schumacher, nach dem Zweiten Weltkrieg unbestrittener Führer der SPD, sprach sich am 2. Januar 1946 entschieden gegen jedes Bündnis mit den Kommunisten aus. Sozialdemokratische Funktionäre aus der britischen Besatzungszone billigten zwei Tage später auf einer Konferenz in Hannover einstimmig die Absage an die Kommunistische Partei Deutschlands.

In den folgenden Jahren attackierte Kurt Schumacher immer wieder die KPD, so auch auf einer Kundgebung in Berlin im November 1947:

" Das Heroenzeitalter der Kommunisten ist vorüber. Heute ist die Frage Kommunist oder Sozialdemokrat die Frage Russe oder Deutscher. Und wir sind Deutsche."

Der so genannte "Bruderkampf" zwischen Sozialdemokratie und Kommunismus existierte schon seit den Anfängen der Weimarer Republik. Ende der 20er Jahre spitzte er sich zu, als die KPD die Sozialdemokraten als "Sozialfaschisten" diffamierte.

Kurt Schumacher, 1895 in Culm geboren, bekämpfte nicht nur konsequent die NSDAP, was ihm zehn Jahre KZ-Haft einbrachte und seine Gesundheit ruinierte, sondern gleichermaßen die KPD. 1930 nannte er Nazis und Kommunisten "gemeinsame Brüder im Geiste":

" Kommunisten sind in Wirklichkeit nur rot lackierte Doppelausgaben der Nationalsozialisten. Beiden gemeinsam ist der Hass gegen die Demokratie und die Vorliebe für die Gewalt. Die Kommunisten sind die stehenden Heere der sowjetrussischen Außenpolitik."

Nach dem Ende des NS-Regimes forderten zahlreiche Sozialdemokraten und Kommunisten die Verschmelzung von SPD und KPD, weil die Spaltung der Arbeiterklasse den Aufstieg der Nationalsozialisten begünstigt hätte. Als sich im Mai 1945 in Hannover die SPD um das "Büro Dr. Schumacher" als inoffizieller Parteizentrale reorganisierte, nannte Kurt Schumacher die Wünsche nach einer Einheitspartei verständlich, aber nicht erfüllbar. Man könne sich erst mit den Kommunisten verständigen, wenn sich die KPD politisch von Moskau löse:

" Gelingt ihr das nicht bald, dann wird die innere Notwendigkeit der Entwicklung ergeben, dass die Einigung aller Arbeitenden in Deutschland nur im Rahmen einer großen, starken und einflussreichen Sozialdemokratischen Partei möglich ist."

In Ostdeutschland schlossen sich dennoch unter dem Druck der sowjetischen Besatzungsmacht SPD und KPD zur SED zusammen. Der Sozialdemokrat Otto Grotewohl auf dem Gründungsparteitag im April 1946 in Ost-Berlin:

"30 Jahre Bruderkampf sind in diesem Augenblick zu Ende. Wer einen geschichtlichen Blick hat, der sieht heute Millionen von Sozialisten hinter uns stehen. Ein Aufatmen geht durch diese Reihen. Ein alter Traum ist Wirklichkeit geworden, die Einheit der deutschen Arbeiterklasse. "

Die Vereinigung von SPD und KPD hatte für die ostdeutschen Sozialdemokraten fatale Folgen. Wer sich der kommunistischen Politik nicht unterordnete, war Repressionen ausgesetzt, landete im Gefängnis oder musste in den Westen flüchten.

Kurt Schumacher sah sich in seinen Vorbehalten gegenüber den Kommunisten bestätigt, die westdeutschen Sozialdemokraten stützten seine Position. Der erste Nachkriegsparteitag der SPD im Mai 1946 wählte ihn mit 244 von 245 Stimmen zum Vorsitzenden, ein Ergebnis, das nach ihm niemand mehr erreichte, auch der jetzige Parteivorsitzende Matthias Platzeck nicht.

Bis zu seinem Tod im August 1952 vertrat Kurt Schumacher konsequent seinen antikommunistischen Kurs:

" Der Kommunismus als Prinzip der Neuordnung der Klassenbeziehungen existiert ja gar nicht mehr. Der Kommunismus ist ja heute das Prinzip des Expansionsdranges eines Nationalstaates. Und darum werden die Kommunisten für ihre Aktionen ja auch nicht einen internationalen oder deutschen Widerhall für ihre klassenkämpferischen Ideen finden, sondern sie werden stets nur die Abwehr gegen ein fremdes nationalpolitisches Prinzip bei uns finden."

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