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Gewerkschaften fordern weltweit mehr Einsatz für die Bildung

Der Weltlehrerkongress der Bildungsinternationale wandert von Kontinent zu Kontinent. In diesem Jahr ist Europa dran, und da fiel Wahl auf die deutsche Hauptstadt, wo man sich im Juli treffen will. Ebenfalls in Berlin und ebenfalls im Juli wird erstmals der Deutsche Lehrerpreis verliehen, für den noch Vorschläge gesucht werden.

Von Markus Rimmele | 26.03.2007

Simbabwe, USA, Thailand, vor drei Jahren dann das brasilianische Porto Alegre. Der Weltlehrerkongress der Bildungsinternationale wandert von Kontinent zu Kontinent. In diesem Jahr ist Europa dran, und da fiel Wahl auf die deutsche Hauptstadt. Ulrich Thöne, der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft GEW.

" Wir fühlen uns geehrt, dass die Bildungsinternationale jetzt zum 5. Kongress nach Deutschland kommt. Wir sind uns bewusst, dass das in Deutschland stattfindet, um eine Brücke von Ost nach West, eine Brücke nach Osteuropa organisieren zu wollen. Und dazu ist Berlin ein guter Platz."

Mehr als 1.500 Lehrergewerkschafter aus allen Teilen der Welt werden Ende Juli in Berlin zusammenkommen. Auf deutscher Seite sind dies die Vertreter von der GEW, dem Verband Bildung und Erziehung VBE und dem Berufsschullehrerverband BLBS. Bildung als Schlüssel zu sozialer Gerechtigkeit - so lautet der gemeinsame Nenner, auf dessen Grundlage beim Kongress diskutiert werden soll. Eine allgemeine Formel, welche die äußerst verschiedenen Problemlagen in den einzelnen Ländern überbrücken helfen soll. Der Generalsekretär der Bildungsinternationale Fred van Leeuwen versucht die internationale Einheit und fordert von allen Regierungen dasselbe:

"Wir befürchten, dass wir das Millenniumsziel der Bildung von hoher Qualität für alle nicht erreichen, wenn die Regierungen nicht handeln. Sie müssen mehr Geld einsetzen und den drohenden gewaltigen Lehrermangel abwenden. Da geht es um 13 Millionen fehlende Lehrer in den Entwicklungsländern und fünf Millionen in den Industrieländern. Wenn die Regierungen das Millenniumsziel ernst nehmen, müssen sie das dafür Nötige investieren."

Ein zweiter Schwerpunkt des Berliner Kongresses sollen die Menschen- und Gewerkschaftsrechte von Pädagogen sein. In Ländern wie Afghanistan oder Kolumbien etwa sterben immer wieder Lehrer bei der Ausübung ihres Berufs. Anderswo kann die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft lebensgefährlich sein. Dagegen will der Kongress Stellung beziehen. Ebenso gegen die weltweite Tendenz der Privatisierung von Bildung und die wachsende Zahl nicht qualifizierter Lehrkräfte und Quereinsteiger. Die deutschen Vertreter kritisieren das aus ihrer Sicht unsoziale vielgliedrige Schulsystem hierzulande. Der VBE-Vorsitzende Ludwig Eckinger fordert außerdem ein anderes Bild vom Pädagogen in der Gesellschaft:

" Es ist Blamabel, wie mit Lehrerinnen und Lehrern in Deutschland umgesprungen wird. Die Aufwertung von Bildung und Erziehung ist ohne die Aufwertung des Lehrerberufs nicht zu packen. "

Aufwertung des Lehrerberufs weltweit. Susanne Porsche kämpft dafür in Deutschland. Sie hat den Deutschen Lehrerpreis mit dem Namen Pisagorasinitiiert, der ebenfalls im Juli erstmals vergeben wird.

"Lehrer stehen dauernd im Kreuzfeuer. Jeder redet mit. Sie bringen Höchstleistung, aber wenn sie die Höchstleistung erbringen, gibt ihnen keiner Applaus. Darum brauchen wir einen Lehrerpreis, um wirklich noch mehr Lehrer zu motivieren, auch Studenten wieder zu motivieren, ins Lehrfach zu gehen, und das Image der Lehrer in Deutschland einfach anzuheben. "

Bis zum 4. Mai können Absolventen aller Schultypen Lehrer online für den Preis vorschlagen. Sie müssen eine Begründung für die Nominierung beifügen. Schirmherrin des neuen Preises ist Bildungsministerin Annette Schavan, Unterstützung kommt von der Kultusministerkonferenz. Materiell hat der Preisträger vom Pisagoras allerdings nichts zu erwarten. Ein Preisgeld ist nicht vorgesehen. Es geht allein um die Ehre. Die Ehre, ein guter Lehrer zu sein.