Sonntag, 16.12.2018
 
StartseiteComputer und KommunikationVDSL-Vectoring und andere Regulierungsprobleme23.04.2016

GlasfaserausbauVDSL-Vectoring und andere Regulierungsprobleme

Jan Rähm im Gespräch mit Manfred Kloiber

Zahlreiche Glasfaserkabel unter anderem zur Übertragung von Hochgeschwindigkeitsinternet
Die VDE-Breitband-Tagung fand in der vergangenen Woche in Berlin statt
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Internetanschluss Ärger um die Vectoring-Entscheidung

Manfred Kloiber: Jan Rähm hat die Fakten zusammengetragen über den neuen alten Heimvernetzungsstandard G.hn. Herr Rähm, im Beitrag haben wir gehört, dass sich G.hn nur bis zu 200 Meter Distanz zwischen Kunde und Schaltstelle eignet. Wie will sich der Standard mit diesen Einschränkungen gegen VDSL Vectoring und all die anderen Techniken behaupten?Manfred Kloiber: Jan Rähm hat die Fakten zusammengetragen über den neuen alten Heimvernetzungsstandard G.hn. Herr Rähm, im Beitrag.

Manfred Kloiber: Jan Rähm hat die Fakten zusammengetragen über den neuen alten Heimvernetzungsstandard G.hn. Herr Rähm, im Beitrag haben wir gehört, dass sich G.hn nur bis zu 200 Meter Distanz zwischen Kunde und Schaltstelle eignet. Wie will sich der Standard mit diesen Einschränkungen gegen VDSL Vectoring und all die anderen Techniken behaupten?

Jan Rähm: Ja, ich möchte mal behaupten, er kann sich durchaus gut behaupten, denn alle genannten Technologien sind im Bereich weiter als 200m Entfernung kaum mehr leistungsfähig. Beispielsweise G.Fast als Zukunftstechnologie die uns in 5 Jahren erreicht, die ist bei 200m Entfernung nur noch bei rund der Hälfte der möglichen Bandbreite, also da kann G.hn locker mithalten. Grundsätzlich kann man sagen, alles über 200, 300 Mbit/s findet auf Kupfer nur noch im absoluten Nahbereich statt daher: selbst G.Fast oder Vectoring Plus, das sind eigentlich eher Technologien für die Inhouse-Verteilung in Mehrfamilienhäusern, aber Inhouse das ist eh eine ziemlich furchtbare Baustelle in Deutschland, auch das also eine Erkenntnis auf der Tagung.

Kloiber: Das müssen sie erklären: Wieso eine furchtbare Baustelle und gibt es weitere Probleme, also außer Vectoring und Inhouse-Verkabelung?

Rähm: Also Inhouse-Verkabelung ist ein großes Problem, denn in die meisten Häuser gibt es nur Telefonkabel, wenn überhaupt noch TV-Kabel dazu. Und hier hat Deutschland ein enormes Nachholpotential an das ja im Moment weder Regulierung noch Netzbetreiber ran kommen, weil Haus ist Haus und das gehört nun mal den Besitzern und die sehen oft nicht ein, warum sie für teuer Geld neue Leitungen legen sollen: "Telefon funktioniert doch".  Also eins der ganz großen Probleme beim Glasfaserausbau. Die Telekom hat auf der Tagung so berichtet, dass in vielen Fällen gar nicht die Erlaubnis bekommen habe, Glasfaser ins Haus zu legen, selbst wenn die notwendige Bohrung kostenlos gewesen wäre. Ja notwendig sei, da sind sich jetzt alle Marktakteure wirklich mal einig, eine Änderung der Rahmenbedingungen: Zum Beispiel sollten Hausbesitzer irgendwie zur Mitarbeit motiviert werden können, möglicherweise durch eine Förderung der entsprechenden Infrastruktur in diesen Immobilien. Kommen wir noch zu den weiteren Fragen, die auf der Tagung gestellt wurden. Das war vor Allem der Energiebedarf der bei Vectoring, G.Fast und beim kommenden Mobilfunkstandard 5G auftreten wird, aber das ist ein Thema für ein anderes Mal, aber eines das uns sehr betreffen wird.

Kloiber: 5G ist ja noch absolute Zukunftsmusik, bleiben wir im hier und jetzt und damit bei der Frage, warum kommt der Glasfaserausbau in Deutschland nicht so richtig voran?

Rähm: Ja, da sind sich fast alle Akteure einig: Der Glasfaserausbau kommt deshalb nicht voran, weil Kupfer immer wieder gefördert und priorisiert wird. Teilweise gibt es sogar schon Ängste, dass wir in wenigen Jahren, also in 5, 10 oder 15 da stehen wir und unseren Bandbreitenbedarf dann nicht so schnell decken können, wie wir es decken müssten. Das hat zum Beispiel das Bundesministerium für Wirtschaft erkannt und sieht die Breitbandnutzung in den kommenden Jahren, ja das Datenvolumen geradezu explodieren. Interessant ist die Telekom: Die hat das ganze verneint. Sie rechnet vor, auf der Tagung, selbst mit 8K, also achtfacher HD-Auflösung bei TV und Video, würde das Übertragungsvolumen im kalkulierbaren Bereich steigen und es würde ein Ausbau mit maximal 200 Mbit/s ziemlich lange reichen; Gbit-Geschwindigkeiten seien auf absehbare Zeit im Privaten überhaupt nicht notwendig und hat damit wirklich allen Prognosen und Abschätzungen widersprochen. Ein weiterer Aspekt, warum Glasfaser nicht vorankommt: Regierung und Regulierung beharren auf Technologieneutralität und das hat zur Folge, dass jetzt auch nicht-zukunftsfähige Technologien wie Vectoring gefördert werden und dadurch fehle unter anderem das Geld für den flächendeckenden Glasfaserausbau.

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