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Gleichstellung an Hochschulen unter der Lupe

Seitdem der "Spiegel" 1989 das erste Ranking für deutsche Hochschulen veröffentlichte, sind bis heute immer weitere Rankings gefolgt. Sie dienen den Studierenden nicht nur als Entscheidungshilfe für die Wahl ihres Studienorts, sondern sind für die einzelnen Hochschulen auch zu einem wichtigen Marketinginstrument geworden, um für ihre Uni in der Öffentlichkeit zu werben. Nun gibt es das erste bundesweite Ranking nach Gleichstellungsaspekten.

Antje Allroggen |
    Bisher war es ja so, dass die bekannten Rankings ziemlich für Aufruhr gesorgt haben in den Hochschulen. Uns hat von Anfang an geärgert oder gestört, dass dieser Aspekt Chancengleichheit auch für Frauen in der Wissenschaft in diesen Rankings keine Berücksichtigung gefunden hat. Ganz im Gegenteil zu den USA, wo das durchaus üblich war. Und das war für uns der Anlass zu überlegen, wie können wir diesen Faktor integrieren.


    Brigitte Mühlenbruch leitet das Bonner Kompetenzzentrum für Frauen in Wissenschaft und Forschung, kurz CEWS. Zu den Aufgaben des Instituts gehört es, den Frauenanteil sowohl unter den Studierenden, als auch unter den Wissenschaftlerinnen an deutschen Hochschulen zu erhöhen. Das Hochschulrahmengesetz fordert die einzelnen Universitäten und Fachhochschulen sogar dazu auf, Männer und Frauen im wissenschaftlichen Betrieb gleichberechtigt zu behandeln. Bislang war es den einzelnen Hochschulen jedoch nicht möglich, ihr Engagement in Sachen Gleichstellungspolitik mit anderen Hochschulen zu vergleichen. Diese Möglichkeit will nun das neue Ranking bieten, erklärt Andrea Löther vom Bonner Kompetenzzentrum.

    Wir haben uns Zahlen angeguckt. Das Ranking beruht ausschließlich auf quantitativen Daten, die das statistische Bundesamt erhebt und auch an uns weitergegeben hat. Wir haben den Bereich Studierende, Promotion, Habilitation, wissenschaftliches und künstlerisches Personal und Professuren. Und da fragen wir nach den Frauenanteilen, wobei wir für die Bereiche Promotion, Habilitation, Personal und Professuren nicht einfach nur den Frauenanteil genommen haben, sondern Indikatoren gebildet haben, die den jeweiligen Frauenanteil in Beziehung setzt zu dem Studentenanteil.

    Der ideale Frauenanteil unter den Studierenden liegt für das Kompetenzzentrum bei 50 Prozent. Allerdings wurde bei dem Ranking berücksichtigt, dass es in naturwissenschaftlich-technischen Fachbereichen in der Regel weniger Studentinnen als Studenten gibt.

    Wir haben für die einzelnen Fachbereiche geguckt, wie dicht ist eine Hochschule in einer bestimmten Fächergruppe zum Ideal der Gleichverteilung und das dann auch noch mal in Verbindung gesetzt zum Bundesdurchschnitt.

    So gibt es im Ranking durchaus technische Hochschulen wie die TU München oder die TH Aachen, die in der Gewichtung des Gleichstellungsaspekts relativ gut abschneiden. Bei dem Ranking wurde außerdem beachtet, wie sich der Frauenanteil seit 1996 an den einzelnen Hochschulen verändert hat. Dabei konnten die Wissenschaftlerinnen feststellen, dass es auch unter den Professoren inzwischen insgesamt mehr Frauen gibt als noch vor sieben Jahren. Das Ranking des Frauenkompetenzzentrums hat bei seinen Untersuchungen allerdings keine qualitativen Faktoren mit einbezogen, die einen Erklärungsansatz dafür liefern könnten, warum der Frauenanteil bei der einen Hochschule höher liegt als bei der anderen. In Zukunft will das CEWS aber auch mit qualitativen Indikatoren arbeiten, erklärt Andrea Löther:

    Man kann natürlich auch fragen, wie viel Kinderbetreuungsplätze stehen in der Uni für die Studierenden und Mitarbeiter zur Verfügung, eben auch in Relation zur Größe der Hochschule. Man kann auch fragen danach, wie weit bestimmte Unterstützungsmaßnahmen wie Mentoring-Programme und so was durchgeführt werden. Da sind wir am Überlegen.