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Globale Gas- und Erdölreserven sind geringer als vermutet

Geologie. - Erdöl und Erdgas sind die Eckpfeiler der modernen Energieversorgung. Wie lange sie das noch sein können, darüber debattieren Experten seit Jahrzehnten. In den vergangenen 50 Jahren konnten neu entdeckte Lagerstätten der Diskussion immer wieder ihre Dringlichkeit nehmen, doch diese Zeiten könnten vorbei sein. Das Fördermaximum von Erdöl ist möglicherweise bereits überschritten, eventuell wird es aber auch erst in zehn Jahren erreicht sein. Eine neue Studie des World Energy Projects wertet nun die vorhanden Daten und Prognosen aus. Die Studie wurde jetzt auf der Frühjahrstagung der Amerikanischen Geophysikalischen Union AGU in Washington, D.C., vorgestellt.

29.05.2002

Fünf Jahre lang hat das World Energy Project unter der Federführung des US Geological Survey abgeschätzt, welche Lagerstätten überhaupt vorhanden sind. Dabei kam man zu dem Schluss, dass - im günstigsten Fall - die Öl-Reserven bis zum Jahr 2036 oder 2040 reichen dürften, danach werde die Nachfrage das Vorkommen übersteigen. Ausgewertet wurden die heute verfügbaren Lagerstätten und auch alle verfügbaren Daten über potenzielle Öl-Vorkommen. "Wenn wir uns in der Welt umsehen, gehört der Nahe Osten natürlich zu den sehr wichtigen Regionen", berichtet Thomas S. Ahlbrandt, Leiter des Projekts. "Auch der Südatlantik ist sehr wichtig, ebenso die Ressourcen der früheren Sowjetunion im Westsibirischen Becken und im Kaspischen Meer. Dazu kommen noch vermutete Vorräte in den Grenzzonen wie beispielsweise im Offshore-Bereich von Ostgrönland, und wir haben noch Plätze, die noch nicht so stark untersucht sind, etwa vor der Nordostküste von Südamerika." Allerdings blieben in Grönland trotz höchster Erwartungen alle bisherigen Probebohrungen trocken, es wurde also kein Öl entdeckt. Frühere Hoffnungsträger, so zeigt sich, sind heute nicht mehr en vogue. Kanada zum Beispiel sollte große Gasvorräte bieten, diese Erwartung hat sich nicht bestätigt.

Im Mittleren Osten gibt es nur noch wenige Gebiete, die noch nicht so gründlich erforscht sind. Manche Forscher vermuten, dass sich dort noch ergiebige Lager finden lassen, andere gehen davon aus, dass die so genannten Elefanten unter den Lagerstätten bereits zum großen Teil entdeckt hat. Es ginge nun darum, auch die "Mäuse" aufzutun, die sehr viel kleiner sind und auch schwieriger zu fördern.

Kritiker weisen darauf hin, dass die Auguren bei ihrem Blick in die Zukunft der Rohstoff-Vorräte andere Aspekte zu wenig berücksichtigen, etwa, dass Indien und China sehr viel mehr Energie benötigen werden. Man berücksichtige auch nicht, dass zwar die Industrie sehr viel Energie sparen wird, auf der anderen Seite aber beispielsweise die schwierigere Erzgewinnung der Zukunft auch mehr Energie fressen wird. Damit könnten die Prognosen im Grunde Makulatur sein. In jedem Fall ist es jedoch unausweichlich, dass die endlichen Vorräte auch einmal zu Ende sein werden. Ob das nun ein paar Jahrzehnte früher oder später geschieht, wird gleichgültig sein, wenn man nicht nach Alternativen Ausschau hält.

[Quelle: Dagmar Röhrlich]