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StartseiteForschung aktuellGlobale Umwelt in Gefahr30.03.2005

Globale Umwelt in Gefahr

UN berichtet über Weltökosystem

Ökologie. - Am Weltmilleniumsbericht der UN, der bislang größten Umweltstudie, haben 1300 Wissenschaftler aus 95 Ländern vier Jahre lang gearbeitet. Sie warnen vor substanziellen Schäden an den Ökosystemen der Welt und mahnen Veränderungen in Wirtschaft und Politik an.

Die Zerstörung von Ökosystemen hat auch die Auswirkungen der Tsunami-Katastrophe in Südostasien verstärkt. (AP)
Die Zerstörung von Ökosystemen hat auch die Auswirkungen der Tsunami-Katastrophe in Südostasien verstärkt. (AP)
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Weltmillenniumsstudie der Vereinten Nationen

Der erste umfassende Gesundheitscheck der Ökosysteme auf unserem Planeten enthält keine neuen Forschungsergebnisse, sondern referiert den aktuellen Stand der ökologischen Forschung. Das Ergebnis muss man als Besorgnis erregend bezeichnen: Etwa zwei Drittel aller Ökosysteme sind danach in einem immer schlechteren Zustand. Als Ökosystem bezeichnen die Autoren alle Naturfunktionen, die auch und gerade dem Menschen nutzen sowie lebenswichtige Dienste leisten - gewissermaßen das Lebenserhaltungssystem der Erde. Wälder beispielsweise sind nicht nur artenreich und liefern nicht nur Holz, sondern sie regulieren auch das Klima. Feuchtgebiete filtern auch Schadstoffe aus Gewässern und leisten Hochwasserschutz. Schäden an diesen Ökosystemen haben also weit reichende Folgen.

Die Ökosysteme der Erde sind regional unterschiedlich belastet. Süßwasser etwa ist in Regionen wie dem Mittleren Osten und Nordafrika besonders gefährdet. Dort werden laut der Studie bereits Grundwasserressourcen genutzt, die nicht erneuert werden können. In den Meeren sei mindestens ein Viertel der Fischbestände heute überfischt. Im Vergleich zur Zeit vor der Industrialisierung sei der Fischbestand in manchen Regionen schon auf ein Zehntel oder gar ein Hundertstel gesunken. Und 24 Prozent der Landoberfläche auf den Kontinenten, so stellt die Milleniumsstudie fest, sei heute kultiviert, liegt also nicht mehr in einem natürlichen Zustand vor.

Auch mit den Schäden durch Tsunamis in Südostasien hat sich die Studie befasst. In den vergangenen zwei Jahrzehnten sei dort etwa ein Drittel der so genannten Mangrovensümpfe zerstört worden. Anstelle dieser Waldökosysteme an den Küstenstreifen findet man heute oft Shrimps-Farmen, die ihre Produkte auch nach Europa liefern. Mangroven dienen aber als natürliche Barrieren gegen tropische Stürme und Flutwellen. Die Autoren der neuen Öko-Bibel fanden heraus, dass dort, wo die Mangroven noch intakt sind, die Schäden durch den Tsunami von Weihnachten vergangenen Jahres geringer ausgefallen sind.

Das Fazit der Studie: Die Naturressourcen sind heute sehr stark beansprucht, zum Teil überbeansprucht. Es sei nicht absehbar, dass sich dieser Trend umkehre. Die Situation für nachfolgende Generationen werde immer kritischer. Konkret appellieren die Autoren daran, Schutzzonen einzurichten und zerstörte oder gefährdete Ökosysteme zu renaturieren. Auch die Lebensmittelproduktion solle schonender gestaltet werden, weniger Land und Wasser verbrauchen. Umwelt belastende Technologien sollten nicht weiter subventioniert werden.

[Quelle: Volker Mrasek]

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