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Globales Kühlaggregat

Klimaforschung. -Dresden war bis heute Treffpunkt der internationalen Gemeinde der Polarforscher - mit standesgemäßen Temperaturen um den und unter dem Nullpunkt. Die Eisexperten erörterten auch ein Thema mit außerordentlich politischen Implikationen: das Verhalten der Polarkappen, wenn sich das Weltklima erwärmt.

    Unsere derzeitige Situation mit zwei vereisten Polarkappen ist das Resultat einer Entwicklung, die vor 200 Millionen Jahren begann. Damals brach Gondwana - einer von zwei Riesenkontinenten - auseinander. Seine Bestandteile wanderten in die verschiedenen Richtungen. Der Landsockel der heutigen Antarktis machte sich zum Südpol der Erde auf, wo er vor rund 50 Millionen Jahren ankam. Das hatte gravierende Folgen für das Erdklima. Während sich bis dahin die Eis- und Schneeschichten in der Südpolargegend im Sommer auflösten, blieben sie jetzt auf der Landmasse liegen und wirkten als eine Art globales Kühlaggregat. "Schnee reflektiert alles Licht und strahlt im Bereich der Wärmestrahlung vie Energie ab", erklärt Professor Heinrich Miller vom Alfred-Wegener-Institut für Polarforschung in Bremerhaven. Die Polkappe der Antarktis sorgte für eine drastische Abkühlung der Atmosphäre und der Meere. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die mittlere Temperatur des Ozeanwassers von 15 auf nur noch fünf Grad absank. Schließlich war es global so kalt geworden, dass sich auch am Nordpol eine Eiskappe bildete.

    Die brennende Frage, die vor allem viele Inselstaaten umtreibt, ist jetzt: Bringt die offenbar menschgemachte Klimaerwärmung die Polkappen zum Schmelzen, was zu einem Anstieg des Meeresspiegels führen würde. Die Polarforscher sind da vorsichtig. Sie wollen in der nächsten Zeit erst einmal die tatsächlichen Veränderungen mit Satellitenmethoden erfassen. Gut möglich, dass sich die Klimaerwärmung wenig auf den Meeresspiegel auswirkt. Nach der Theorie könnte es zwar zu einer Abschmelzung des Nordpols kommen, dafür legte sich aber die Antarktis einen dickeren Eispanzer zu. Miller: "Netto können wir so aus beiden Inlandeisschilden keinen Anstieg des Meeresspiegel erwarten."

    [Quelle: Hartmut Schade]