Donnerstag, 29. Februar 2024

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Glockenreise von Apolda bis Köln
Von Sehnsucht und Erfüllung

"Die Botschaft der Weihe, Botschaft von Gott ohne Grenzen und Enden, die Botschaft der Sehnsucht und der unendlichen Erfüllung": mit diesen pathetischen Worten hat der Theologe und Religionsphilosoph Romano Guardini den Klang und die Bedeutung der Glocken beschrieben. Und die reicht weit über christliche Traditionen hinaus.

Von Hildburg Heider | 20.12.2016
    Das historische Gebäude des Glockenmuseums in Apolda
    Vereint "tönende Botschafter": das Glockenmuseum in Apolda (dpa / picture-alliance / Jens Büttner)
    Während im katholischen und protestantischen Europa die Glocken in hohen Türmen rhythmisch frei schwingen, werden die Glocken in der Ostkirche starr aufgehängt und mit dem Klöppelschlag zum Klingen gebracht. Auch im Glockenspiel können auf diese Weise Melodien erzeugt werden. Der Glockenklang ist so alt wie die Menschheit. Noch bevor der Bronzeguss erfunden wurde, nahm man Muscheln und Schneckenhäuser und entlockte ihnen mit Tierknochen spärliche Töne. Böse Geister sollten so vertrieben und vor Unwetter und anderen Gefahren gewarnt werden. Vor 3000 Jahren wurden in Asien die ersten Vorläufer der heutigen Glocke in Metall gegossen. Und seit dem Mittelalter haben sie europaweit in unveränderter Gestalt ihren festen Platz im Leben der Dörfer und Städte. Die größten freischwingenden Glocken der Welt hängen heute in den Domen von Erfurt und Köln.
    Die gebürtige Erfurterin Hildburg Heider ist aus ihrem jetzigen Wohnort Köln auf die Suche nach dem Glockenklang nach Sachsen-Anhalt und Thüringen gereist, hat mit Experten rund ums Reich des Geläuts gesprochen und auf Augenhöhe mit den klingenden Riesen die Wucht und Magie der Glocken erfahren.