Freitag, 19. August 2022

Archiv


Gorilla-Cam im All

Biologie. - Weil implantierte Peilsender etwa über mögliche Infektionen den gefährdeten Bestand der afrikanischen Gorilla noch weiter dezimieren könnten, greifen Primatenforscher jetzt nach den Sternen, wenn auch nur nach künstlichen. Anlässlich einer Konferenz im italienischen Frascati stellten die Tierschützer gemeinsam mit der Europäischen Weltraumagentur ESA ein System zur Gorilla-Überwachung per Satellit vor.

22.04.2002

    "Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, die Tiere dadurch zu schützen, in dem wir ihr Habitat kontrollieren und dazu beitragen, jenen Menschen zu helfen, die sich dem Schutz dieser Menschenaffen im Kongo, in Ruanda und Uganda verschrieben haben", erklärt Luigi Fusco. Dem Forscher gelang das Kunststück, all jene Organisationen im italienischen Zentrum der ESA in Frascati bei Rom an einem Tisch zu versammeln, die die Gorillas in Zentralafrika vor dem Aussterben bewahren wollen. So nahmen an den Gesprächen Repräsentanten der UNESCO sowie verschiedener Gorillaschutzorganisationen teil, darunter auch jene der berühmten Expertin Diane Fossey, die 1985 unter ungeklärten Umständen in Afrika ums Leben kam. Fusco präsentierte den Primaten-Schützern ein Projekt, mit dessen Hilfe die Menschenaffen wesentlich wirksamer als bisher geschützt werden sollen.

    "Die Überwachung der Gorillasiedlungen gelingt am besten aus der Luft, denn weite Teile des unbebauten Zentralafrika sind noch nie zufriedenstellend kartografiert worden. Mit Hilfe von Satelliten gelang uns das jetzt erstmals", so der umtriebige Naturschützer. Das Projekt namens SOGA - "Surveillance of Gorilla Habitat - "Überwachung des Gorilla-Lebensraums" basiert auf einer engen Zusammenarbeit mit den europäischen und US-amerikanischen Weltraumbehörden, die einmal im Monat Infrarot- sowie herkömmliche Aufnahmen einzelner Reservate und den sie umgebenden Gebieten in hoher Auflösung zur Verfügung stellen. Selbst einzelne PKW und Häuser seien auf den Bildern als Punkte auszumachen. Anhand dieser Satellitenaufnahmen soll die Einhaltung der vereinbarten Reservatsgrenzen exakt überwacht werden. "Selbst dreidimensionale Landschaftssimulationen können aufgrund der Satellitendaten hergestellt werden, die exakte Auskunft über Zustand der Reservate und auch das Ambiente, in dem die Tiere leben, geben."

    Die zunächst geplante Beobachtung der Tiere anhand von implantierten Funksendern, die ebenfalls per Satelliten ausgewertet werden sollten, wurde indes verworfen, da Experten eine zu große Belastung der Tiere durch Betäubung und Eingriff befürchteten. Auch sei ungewiss gewesen, wie die anderen Großaffen auf solche Maßnahmen reagiert hätten. Stattdessen entschied man sich schließlich für die indirekte Überwachung der Lebensräume und vor allem zur satellitengestützten Kontrolle, ob, wie und wann nahe lebende Menschen Schäden in den Gebieten der Gorillas anrichten. Die vom Boden aus operierenden Wildhüter seien dagegen nicht in der Lage, ein so großes Gebiet wirksam im Auge zu behalten. Selbst eine Beobachtung vom Flugzeug sei angesichts von Territorien von der Größe ganzer Bundesländer logistisch und finanziell unmöglich. Schon in den nächsten Monaten sollen alle am Gorilla-Schutz Beteiligten regelmäßig mit Fotokarten der Satelliten versorgt werden und so gezielt gegen Frevler in den Reservaten vorgehen können.

    [Quelle: Thomas Migge]