Die Cover des Jazz-Labels "Blue Note" sind zwischen Plexiglasscheiben gepresst, die mit Haken untereinander gehängt sind und sich drehen lassen wie Mobiles – man kann sie von beiden Seiten ansehen, auch viele ruhige Cover, die in Zweifarbfotos Schwarz mit einer anderen Farbe kombinieren. Die Jazz-Poster links daneben an der Wand sind ganz unterschiedlich. Wer sich die Zeit nimmt, schon den ersten Titel mit dem Audio-Guide anzuwählen, der kann mit Ella Fitzgerald im Ohr weitergehen.
Die Jazz-Sektion wird erst in der zweiten Etage fortgesetzt, mit den großformatigen Plakaten des Deutschen Günther Kieser: verfremdete Gitarren, ein Gesicht wie aus Knetmasse... – um das richtig auf sich wirken lassen zu können, muss man sich mit dem Rücken ans nahe Treppengeländer lehnen, näher dran geht eigentlich nicht.
Aber der größte Teil der Ausstellung besteht aus psychedelischen Plakaten aus San Francisco, für den Avalon Ballroom und das Fillmore Auditorium. In der ersten Etage ist alles chronologisch nach Künstlern geordnet: Wes Wilson, der erste von ihnen, war 1965 in einer Jugendstil-Ausstellung gewesen, und die Elemente findet man immer wieder – Art-Nouveau-Rahmen in verschiedenen Ausprägungen, bei ihm und bei seinen Nachfolgern oft gemischt mit Indianer- oder Trappermotiven. Zwei Wilson-Plakate für die Byrds zeigen ein totemartiges Gesicht und einen Vogel, aus dessen Gefieder sich immer neue Vögel herausschälen, in der Dynamik von japanischen Wellenbildern.
Den Audio-Guide mit seinen kurzen Einleitungen kann man ja wieder bis zum Anschlag aufdrehen, für die "volle Dröhnung", wenn einen die museumsüblichen Tafeln mit den vielen Namen und Orten zu "erschlagen" drohen, und dann erst mal weiter Plakate angucken, bei den psychedelischen bleiben, die Schriften wie Faltenwürfe oder Wellen behandeln, Stummfilmdramatik einsetzen – aus einem Plakat blickt Franz von Stucks "Sünde" wie aus einem barocken Spiegel, zu "Somebody to Love".
Die Poster von Victor Moscoso sind die psychedelischsten und ziemlich raffiniert: Das übers Porträt gehauchte Batik-Muster für "Break On Through" von den "Doors" sieht aus wie ein Schuss durch die Scheibe mit Zielrichtung Stirn. Ansonsten flimmert bei Moscoso alles, eben wie in einer Disco. Schon von dieser Op-Art-mäßigen Überreizung wird man leicht high: rote und rosa Blumenfächer mit grünen Blättern, oder übereinander gedruckte Körper in großen Pixeln und verschiedenen Farben:
Die Schrift kann man hier oft endgültig nicht mehr lesen – es geht um Lebensgefühl und "Szene", und das kann man in der Ausstellung in allen möglichen Ausprägungen sehen, auch die Übergänge zur Untergrundpresse, oder die kleinen Techno-Flyer aus deutschen Großstädten, die verschiedene Club-Identitäten transportieren und die in der oberen Etage in großen Plexiglasringen von der Decke hängen, damit man sie von beiden Seiten betrachten kann, oder die Punk-Ecke, in der die Exponate in bunt vor einem wild collagierten, schwarz-weiß zusammenkopierten Hintergrund hängen, wo man frühe Flyer von Raymond Pettibon sehen kann. Pure Energie transportiert eine Magazin-Illustration mit Jimi Hendrix, in der wirklich alles in alle Richtungen aus dem Bild herausspritzt: die Gitarre, der grüne Anzug, die roten Haare und das gelbe T-Shirt als ein Licht hinter der Figur.
Natürlich hängen in der Ausstellung auch das "Sgt.-Pepper"-Cover von Peter Blake und das "weiße Album" von Richard Hamilton, beide Hauptvertreter der britischen Pop Art, die hier für die Beatles gearbeitet haben, und das Cover von Andy Warhol für "The Velvet Underground & Nico", wo man auf der Rückseite eine Banane abschälen kann, um ein rosa aufgerichtetes Innenleben zu entblößen – gehören zur Abteilung "Pop und Bildende Kunst".
Man sieht noch mehr Ironie – wenn’s denn so gemeint ist: Bitte mal "Mister Tamburine Man" über den Guide hören und nah ans "OZ"-Titelblatt gehen: Da sieht man erst mal nur "Mist" und "Urine", später erst "Tam" und "Man". – Und auf einer Punk-Ankündigung liest man: "Heute möcht’ ich fröhlich sein, doch mir fällt dazu nichts ein."
Witzig – aus heutiger Sicht – ist auch eins der Poster für die Kölner Band "The Black Beats", die aus der Zeit von 1963 bis 1966 bei der Britmusik an einer Wand neben den Beatles hängen. Eins kündigt an: "Original Beat-Orgie – Es lappen die Black-Beats mit Manni an der Schießbude".
Die Jazz-Sektion wird erst in der zweiten Etage fortgesetzt, mit den großformatigen Plakaten des Deutschen Günther Kieser: verfremdete Gitarren, ein Gesicht wie aus Knetmasse... – um das richtig auf sich wirken lassen zu können, muss man sich mit dem Rücken ans nahe Treppengeländer lehnen, näher dran geht eigentlich nicht.
Aber der größte Teil der Ausstellung besteht aus psychedelischen Plakaten aus San Francisco, für den Avalon Ballroom und das Fillmore Auditorium. In der ersten Etage ist alles chronologisch nach Künstlern geordnet: Wes Wilson, der erste von ihnen, war 1965 in einer Jugendstil-Ausstellung gewesen, und die Elemente findet man immer wieder – Art-Nouveau-Rahmen in verschiedenen Ausprägungen, bei ihm und bei seinen Nachfolgern oft gemischt mit Indianer- oder Trappermotiven. Zwei Wilson-Plakate für die Byrds zeigen ein totemartiges Gesicht und einen Vogel, aus dessen Gefieder sich immer neue Vögel herausschälen, in der Dynamik von japanischen Wellenbildern.
Den Audio-Guide mit seinen kurzen Einleitungen kann man ja wieder bis zum Anschlag aufdrehen, für die "volle Dröhnung", wenn einen die museumsüblichen Tafeln mit den vielen Namen und Orten zu "erschlagen" drohen, und dann erst mal weiter Plakate angucken, bei den psychedelischen bleiben, die Schriften wie Faltenwürfe oder Wellen behandeln, Stummfilmdramatik einsetzen – aus einem Plakat blickt Franz von Stucks "Sünde" wie aus einem barocken Spiegel, zu "Somebody to Love".
Die Poster von Victor Moscoso sind die psychedelischsten und ziemlich raffiniert: Das übers Porträt gehauchte Batik-Muster für "Break On Through" von den "Doors" sieht aus wie ein Schuss durch die Scheibe mit Zielrichtung Stirn. Ansonsten flimmert bei Moscoso alles, eben wie in einer Disco. Schon von dieser Op-Art-mäßigen Überreizung wird man leicht high: rote und rosa Blumenfächer mit grünen Blättern, oder übereinander gedruckte Körper in großen Pixeln und verschiedenen Farben:
Die Schrift kann man hier oft endgültig nicht mehr lesen – es geht um Lebensgefühl und "Szene", und das kann man in der Ausstellung in allen möglichen Ausprägungen sehen, auch die Übergänge zur Untergrundpresse, oder die kleinen Techno-Flyer aus deutschen Großstädten, die verschiedene Club-Identitäten transportieren und die in der oberen Etage in großen Plexiglasringen von der Decke hängen, damit man sie von beiden Seiten betrachten kann, oder die Punk-Ecke, in der die Exponate in bunt vor einem wild collagierten, schwarz-weiß zusammenkopierten Hintergrund hängen, wo man frühe Flyer von Raymond Pettibon sehen kann. Pure Energie transportiert eine Magazin-Illustration mit Jimi Hendrix, in der wirklich alles in alle Richtungen aus dem Bild herausspritzt: die Gitarre, der grüne Anzug, die roten Haare und das gelbe T-Shirt als ein Licht hinter der Figur.
Natürlich hängen in der Ausstellung auch das "Sgt.-Pepper"-Cover von Peter Blake und das "weiße Album" von Richard Hamilton, beide Hauptvertreter der britischen Pop Art, die hier für die Beatles gearbeitet haben, und das Cover von Andy Warhol für "The Velvet Underground & Nico", wo man auf der Rückseite eine Banane abschälen kann, um ein rosa aufgerichtetes Innenleben zu entblößen – gehören zur Abteilung "Pop und Bildende Kunst".
Man sieht noch mehr Ironie – wenn’s denn so gemeint ist: Bitte mal "Mister Tamburine Man" über den Guide hören und nah ans "OZ"-Titelblatt gehen: Da sieht man erst mal nur "Mist" und "Urine", später erst "Tam" und "Man". – Und auf einer Punk-Ankündigung liest man: "Heute möcht’ ich fröhlich sein, doch mir fällt dazu nichts ein."
Witzig – aus heutiger Sicht – ist auch eins der Poster für die Kölner Band "The Black Beats", die aus der Zeit von 1963 bis 1966 bei der Britmusik an einer Wand neben den Beatles hängen. Eins kündigt an: "Original Beat-Orgie – Es lappen die Black-Beats mit Manni an der Schießbude".