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StartseiteNachrichten vertieftTrump bekämpfen mit seinen eigenen Mitteln24.02.2017

Graswurzelbewegung "Indivisible"Trump bekämpfen mit seinen eigenen Mitteln

Republikanische Senatoren werden in ihren Wahlbezirken gerade mit der Wut gegen die Politik des US-Präsidenten konfrontiert. Donald Trump spricht von "Aktivisten", sein Sprecher von "Protest-Profis". Tatsächlich ist der Widerstand angeleitet - und hat sein Vorbild im Trump-Lager.

Von Michael Borgers

Demonstranten der "Indivisible"-Bewegung am Rarity Valley Community College in Branchburg. (AFP / Eduardo Munoz Alvarez)
Demonstranten der "Indivisible"-Bewegung am Rarity Valley Community College in Branchburg. (AFP / Eduardo Munoz Alvarez)
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Im Fernsehen tauchte Kellyanne Conway nicht mehr auf. US-Medienberichten zufolge war ihr Vorgesetzter, US-Präsident Trump, unzufrieden mit dem, was seine Beraterin dort zuletzt präsentiert hatte; Conway sprach von "alternativen Fakten" oder erfand einen Terroranschlag. Doch nun beim Treffen von Amerikas Konservativen auf der CPAC-Konferenz in Washington DC war sie wieder da - und dankte Trump und seinen Anhängern: Um diese zu erreichen, habe sich Trump an die "Graswurzeln" begeben. "Er gab den Menschen von Anfang an das Gefühl, Teil dieser Bewegung zu sein." Für ihre Worte erntete sie Zustimmung und lauten Jubel.

Für viele republikanische Senatoren ist die Realität derzeit eine andere. Der Kongress in der US-Hauptstadt pausiert, die politischen Vertreter besuchen ihre Wahlbezirke. Und werden dort bei sogenannten Town Hall Meetings mit wütenden Protesten konfrontiert. Mit Menschen, die ihren Unmut über die ersten Wochen des neuen US-Präsidenten im Amt lautstark artikulieren.

Seit Tagen dokumentieren Videoaufnahmen Bürgerversammlungen aus dem ganzen Land mit dem immer gleichen Bild: In Issaquah/Washington fordern Hunderte Demonstranten Senator Dave Reichert auf, "Obamacare" zu bewahren. In Springdale/Arkansas fragt ein siebenjähriger Junge mit mexikanischen Wurzeln Senator Tom Cotton nach der Migrationspolitik der Trump-Regierung - und Cotton gelingt es kaum, gegen die folgende Geräuschkulisse zu antworten. Andere Volksvertreter - wie Trumps ehemaliger Kontrahent um die Präsidentschaft Marco Rubio - vermeiden den direkten Kontakt zum Volkszorn und lassen sich erst gar nicht blicken beim Town Hall Meeting.

"Anleitung zum Widerstand"

In Metairie/Louisiana: danken Demonstranten ganz offen der Tea-Party auf Schildern für "die Taktik zu Widerstand".

Denn Auslöser der landesweiten Proteste ist eine Gruppe, die sich "Indivisible", also "Unzertrennlich" nennt - und die sogenannte Tea-Party-Bewegung ihr Vorbild nennt. Entwickelt wurde das Konzept "Indivisible" von demokratischen Kongressmitarbeitern. Auf der von ihnen ins Leben gerufenen Webseite lässt sich eine "praktische Anleitung zum Widerstand gegen die Trump-Agenda" herunterladen. Dort beschreiben die Macher, wie sie den Aufstieg der "Tea-Party-Bewegung" erlebt haben. Wie Kongressabgeordnete dazu gebracht wurden, die Pläne eines "populären Präsidenten" Barack Obama zurückzuweisen. Dass man diesen "Erfolg" einer "kleinen Minderheit" wiederholen und als "Mehrheit einen unbeliebten Tyrannen Trump stoppen kann". Und beschreiben in der Folge die zu kopierenden Mittel der "Graswurzelbewegung Tea-Party" - wie beispielsweise de organisierte Besuch von Town Hall Meetings.

Eine Taktik, die schnell aufging und in Washington von oberster Stelle auf bekannte Art und Weise kommentiert wurde: Auf Twitter schrieb Donald Trump, "die sogenannten wütenden Menschenmengen in den Heimatbezirken einiger Republikaner sind tatsächlich, in zahlreichen Fällen, von liberalen Aktivisten geplant. Traurig!"

Trumps Sprecher im Weißen Haus, Sean Spicer, führte wenig später aus: Offenbar seien "einige Menschen aufgebracht", aber die Proteste seien nicht repräsentativ. Es handle sich nur um eine "kleine laute Gruppe" zusammengestellt von "professionellen Demonstranten", denen es nur um Medienaufmerksamkeit gehe. Auch Trumps Chefstratege Stephen Bannon beschwor nun auf der Washingtoner CPAC-Konferenz einmal mehr den Kampf zwischen der neuen US-Administration und einer "Medienelite" bestehend aus "globalen Konzernen". Wen oder was er damit meinte, ließ Bannon offen...

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