Dienstag, 06. Dezember 2022

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Grenze zum Gazastreifen
Israel baut offenbar eine unterirdische Mauer

Israel steht unter großem Druck, endlich etwas Wirksames gegen die Tunnel der Hamas zu unternehmen. Nun hat die Regierung einen neuen Plan: Sie will eine Grenzmauer bauen, die bis zum Grundwasserspiegel in die Erde ragt. Der Bau hat offenbar bereits begonnen.

Von Peter Kapern | 17.08.2016

    Ein Zelt über einem Eingang zu einem Schmugglertunnel am 01.02.2016 im Gazastreifen an der Grenze zu Ägypten.
    Die israelische Regierung und die Armee stehen unter großem Druck, endlich etwas Wirksames gegen die Tunnel der Hamas zu unternehmen. (picture alliance / dpa / Stefanie Järkel)
    Oberstleutnant Kobi winkt uns zu sich - in den Schatten unter einem Baum. Die Sonne brennt auf das Dreiländereck. 300 Meter sind es bis zur Grenze nach Ägypten, 300 Meter bis zum Gazastreifen. Da hinten, an dem roten Antennenmast, sagt Oberstleutnant Kobi, dessen richtigen Namen wir nicht nennen dürfen, da treffen sich die Grenzlinien. Ein paar hundert Meter über uns schwebt ein riesiger Ballon mit Beobachtungstechnik. Mit Seilen ist er am Boden befestigt. Und über allem liegt das Röhren eines Fluggeräts, das irgendwo über uns kreist, am Himmel aber nie auszumachen ist. Eine Drohne.
    "Wir setzen hier sehr viele Mittel ein, mit deren Hilfe wir sehen können, was sich auf der anderen Seite der Grenze tut. Und nicht nur die Dinge, die man hier sehen kann. Im weiteren Verlauf der Grenze gibt es noch alle möglichen Einrichtungen."
    Der Oberstleutnant will es bei diesen Andeutungen belassen. Von "Mitteln" und "Einrichtungen" spricht er. Was aber genau die israelischen Streitkräfte aufzubieten haben, um die Grenze zum Gazastreifen dicht zu machen, das soll geheim bleiben.
    Hamas gräbt Tunnel unter dem Niemandsland hindurch
    Dabei hat die Hamas längst den wunden Punkt der israelischen Grenzsicherung erkannt. Sie gräbt Tunnel, unter dem Niemandsland hindurch, unter dem Zaun her, der das Palästinensergebiet von Israel trennt.
    "Nicht weit von hier wurde der Offizier Hadar Goldin im Krieg 2014 in den Gazastreifen entführt, durch einen Tunnel. Das passierte während einer Feuerpause. Das heißt, unsere Truppen haben nichts gemacht, als sie angegriffen und er in den Tunnel gezogen wurden."
    Ortswechsel: Der Kibbuz Nirim am anderen, nördlichen Ende des Gazastreifens. Auch Zvi Yarkoni flüchtet sich in den Schatten unter einem Baum. Über 80 Jahre ist er jetzt, seit 50 Jahren lebt er hier - mit Kindern, Enkeln und Urenkeln. Es lebt sich hier gut, auch wenn die Bedrohung immer präsent ist, sagt er.
    "Vor zwei Jahren hat man nicht weit von hier einen Tunnel entdeckt. Ich hoffe, dass wir mithilfe der Technik das Problem der Tunnel in den Griff bekommen, bevor sie hier Schaden anrichten."
    Die israelische Regierung und die Armee stehen unter großem Druck, endlich etwas Wirksames gegen die Tunnel der Hamas zu unternehmen. Im April hat Ministerpräsident Netanjahu vollmundig die Lösung des Problems verkündet. Israel habe den Durchbruch erzielt bei der Lokalisierung der Tunnel, ließ er damals wissen.
    Die Aufrüstung geht noch weiter
    In der Tat sind einige Tunnel entdeckt worden, und die Meldungen aus dem Gazastreifen über kollabierende Tunnelröhren mehrten sich. Welche Technik Israel genau einsetzt, das ist nicht in Erfahrung zu bringen. Die Zeitung Haaretz berichtete geheimnisvoll, 100 schwere Fahrzeuge mit Ausrüstung seien am Gazastreifen stationiert worden.
    Die Aufrüstung geht aber noch weiter: An der Grenze soll jetzt eine Mauer gebaut werden. Eine Mauer, die zumindest in weiten Teilen nicht nur in die Höhe ragt, sondern auch tief hinunter in die Erde, bis zum Grundwasserspiegel. Eine halbe Milliarde US-Dollar soll das Projekt kosten - und in eineinhalb Jahren fertig sein. "Man könnte das Ganze als nationale Anstrengung bezeichnen, in die der Staat Israel sehr viel Geld und Technologie investiert. Und das Projekt hat auch bereits begonnen", sagt Oberstleutnant Kobi.
    Alle weiteren Details behält er aber für sich. Geheimsache. Was Zvi Yarkoni, den Kibuznik aus Nirim, nicht stört. Denn er hat blindes Vertrauen in das Militär: "Wir kennen die Gefahr, aber wir glauben fest, dass sich die israelische Armee zur rechten Zeit darum kümmern wird."