Samstag, 10. Dezember 2022

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Grippewelle
Richtig schützen vor der Ansteckung

Husten, Halsweh, laufende Nase: Auch jetzt noch kann eine Grippe-Impfung sinnvoll sein, meint Silke Buda von der Arbeitsgemeinschaft Influenza. Wen es aber bereits erwischt hat, der sollte auf die "üblichen und gut bekannten Hausmittel" zurückgreifen.

Silke Buda im Gespräch mit Stefan Römermann | 20.02.2015

    Eine junge Frau hustet.
    Arbeitsgemeinschaft Influenza: "Zum Arzt gehen, auch wenn die Symptomatik noch nicht ganz so schlimm ist" (picture-alliance/ dpa - Angelika Warmuth)
    Stefan Römermann: Die ganz große Katastrophe, die Pandemie ist zum Glück bisher ausgeblieben. Doch langsam, aber sicher rollt die Grippewelle durch Deutschland. Vor allem der Süden und der Osten Deutschlands ist betroffen. Ob sich eine Grippe-Impfung jetzt noch lohnt und wie man sich vielleicht sonst noch schützen kann, darüber spreche ich jetzt mit Silke Buda vom Robert-Koch-Institut. Sie leitet die Arbeitsgemeinschaft Influenza.
    Frau Buda, vielleicht lassen Sie uns zuerst noch mal ganz kurz klären, worüber wir eigentlich jetzt hier sprechen. Mediziner unterscheiden ja zum einen die Grippe oder Influenza und auf der anderen Seite den grippalen Infekt. Was ist da der Unterschied und woran merke ich vielleicht auch, dass es mich da irgendwo richtig erwischt hat?
    Silke Buda: Der Unterschied sind zunächst mal die auslösenden Erreger. Grippale Infekte oder Erkältungskrankheiten werden durch andere, meist Viren verursacht, und die richtige Grippe, die Influenza, eben durch die Influenza-Viren.
    Die Symptomatik, die Krankheitssymptome, die man dabei entwickelt, wenn man sich infiziert, sind gar nicht so einfach zu unterscheiden. Bei der Grippe ist es typisch eigentlich, dass man ein schweres Krankheitsgefühl entwickelt, eher Fieber hat, trockenen Husten, Kopf- und Gliederschmerzen. Das kann aber auch passieren, wenn man von einem anderen Virus, der die Atemwege betrifft, betroffen ist, infiziert ist.
    Auf der anderen Seite gibt es durchaus auch Grippe-Erkrankte, die keine so schwere Symptomatik zeigen. Während der Grippewelle kann man ganz kurz zusammenfassend eigentlich sagen, dass die Chance, dass man sich tatsächlich mit einem echten Grippe-Virus infiziert hat, ziemlich hoch ist im Moment.
    "Natürlich schon zum Arzt gehen"
    Römermann: Wann sollte ich denn auf jeden Fall zum Arzt gehen? Was sind da die zwei, drei Anzeichen, wo Sie sagen, jetzt auf jeden Fall zum Arzt und nicht irgendwie weiter auskurieren?
    Buda: Zum einen sollten Personen, die ein höheres Risiko für eine schwere Erkrankung haben, eher zum Arzt gehen, auch wenn die Symptomatik noch nicht ganz so schlimm ist.
    Das sind zum Beispiel ältere Menschen, das sind Menschen mit vorbestehenden Grunderkrankungen, der Lunge zum Beispiel, des Herz-Kreislauf-Systems, oder mit Stoffwechselerkrankungen. Und dann sollte man natürlich schon zum Arzt gehen, wenn man eine besonders schwere Symptomatik hat, das heißt diese typischen beschriebenen Grippe-Symptome, und sich einfach unsicher ist.
    "Sich schonen, man sollte zuhause bleiben, viel trinken, sich gesund ernähren"
    Römermann: Kann ich mich, auch wenn es mich jetzt nicht so stark erwischt hat und ich vielleicht nicht von dieser besonderen Gruppe besonders betroffen bin, mit Hausmitteln behandeln und was würden Sie da sagen, was sind da die gängigen Dinge?
    Buda: Ich denke, da sollte man tatsächlich auf die üblichen und gut bekannten Hausmittel, die insgesamt für Erkältungen und auch für die Grippe bekannt sind, zurückgreifen.
    Das heißt, man sollte sich schonen, man sollte zuhause bleiben, viel trinken, sich gesund ernähren und tatsächlich versuchen, mit solchen Mitteln zu agieren.
    Da kann man dann überlegen, ob man die Symptome versucht, etwas zu mindern durch entsprechende Medikamente, die man ja in der Apotheke kaufen kann. Da kann man sicher versuchen, die Symptome zu mindern.
    Römermann: Ich habe gelesen, dass die Grippe-Impfung in diesem Jahr nicht so gut geschützt hat wie sonst, oder nicht so gut schützt wie sonst. Woran liegt das, ohne dass wir da jetzt vielleicht zu sehr ins Detail gehen?
    Buda: Das hängt damit zusammen, dass die Komponenten für die Impfstoffe - das betrifft immer drei verschiedene Influenza-Viren - schon etwa ein Jahr vor der entsprechenden Grippewelle zusammengestellt werden. Und die eine Sorte dieser Grippe-Viren, die Influenza A H3N2-Viren, die haben sich seit dieser Empfehlung geändert.
    Deshalb passt der Grippe-Impfstoff für diese Viren, die nun ausgerechnet besonders häufig vorkommen, nicht so gut.
    Grippeschutzinpfung "wirkt auch nicht sofort"
    Römermann: Ist es denn dann überhaupt noch sinnvoll, jetzt noch zum Arzt zu gehen und sich impfen zu lassen, wenn der Impfstoff ja sowieso nicht so richtig gut funktioniert?
    Buda: Zunächst mal muss man sagen, dass er nicht bei allen gut funktioniert. Das heißt, es gibt dann schon Geimpfte, die durchaus noch einen Schutz haben, auch gegen diese Influenza A H3N2-Viren. Zum anderen zirkulieren ja auch die anderen Grippeviren, H1N1 und B werden die genannt, im Moment auch, wenn auch im geringeren Ausmaß.
    Gerade bei Personen, für die die Impfung empfohlen wird, denke ich, ist es sinnvoll, sich da noch mal mit seinem Hausarzt zu beraten. Bedenken muss man, wenn man sich jetzt impfen lässt, dass es ungefähr 14 Tage dauert, bevor der Impfschutz aufgebaut wird. Das heißt, es wirkt auch nicht sofort.
    "In dieser Jahreszeit einfach so verhalten, dass man sich möglichst wenig ansteckt"
    Römermann: Welche Regionen sind denn aktuell tatsächlich besonders betroffen und wie sollte ich mich in diesen Regionen verhalten? Wie sollte ich da vielleicht vorbeugen? Sollte ich in den Regionen vielleicht große Menschenmassen meiden, oder was empfehlen Sie da?
    Buda: Na ja, zunächst mal kommt eine saisonale Grippewelle jedes Jahr und sie ist einfach in ganz Deutschland verbreitet.
    Wir haben besonders hohe Zahlen schon mehr im Süden und im Osten Deutschlands, aber insgesamt sollte man sich in dieser Jahreszeit einfach so verhalten, dass man sich möglichst wenig ansteckt.
    Das ist schwierig genug. Aber einfache Hygieneregeln wie häufiges Händewaschen, Abstand halten von Menschen, die offensichtlich damit infiziert sind, das heißt, die durch die Gegend laufen und Husten haben oder niesen, das ist sicher ganz gut. Insgesamt aber jetzt deshalb sein Leben völlig umzustellen, das würde ich nicht denken.
    Römermann: Das waren Ratschläge von Silke Buda von der Arbeitsgemeinschaft Influenza zur aktuellen Grippewelle.
    Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.