
Schon seit Monaten erklärt US-Präsident Donald Trump, dass die USA Grönland brauchten. Kurz vor Weihnachten ernannte er Jeff Landry, den Gouverneur von Louisiana, zum Sondergesandten für die Insel. Am 4. Januar 2026 sagte Trump dann: „Wir werden über Grönland in zwei Monaten oder 20 Tagen sprechen."
Rund zwei Wochen später erreichte der Konflikt eine neue Eskalationsstufe. Trump kündigte Strafzölle für Staaten an, die seinen Grönland-Ambitionen im Weg stehen. Er nannte Deutschland, Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland, Frankreich, Großbritannien und die Niederlande. Die erhöhten Zölle sollen so lange gelten, bis Grönland an die USA verkauft wird.
Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen kritisierte die Zoll-Androhung. „Europa lässt sich nicht erpressen“, sagte sie. Auch Deutschland und weitere europäische Länder reagierten empört: Damit untergrabe die US-Regierung die transatlantischen Beziehungen, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Zugleich warnten die Länder vor einer Eskalation. Man sei bereit, in einen Dialog einzutreten – und zwar auf Grundlage der Prinzipien der Souveränität und territorialen Integrität.
Trumps Zoll-Drohung gilt als Reaktion auf die Militärübung "Arctic Endurance" mehrerer europäischer Nato-Staaten und eines Erkundungseinsatzes auf der Insel, an dem sich Mitte Januar auch die Bundeswehr beteiligt hatte. Innerhalb der EU wird nun über eine harte Antwort auf die Zoll-Androhung des US-Präsidenten debattiert.
Derweil gingen in Dänemark und Grönland Mitte Januar Tausende gegen die US-Ansprüche auf die Straße. In der grönländischen Hauptstadt Nuuk zogen die Demonstranten unter Führung von Regierungschef Nielsen zum US-Konsulat. Dieser hatte nach Trumps Ankündigung am 4. Januar in sozialen Medien geschrieben: Es reiche mit diesen Andeutungen und Annektionsfantasien. Später reagierte er diplomatischer und betonte, man wolle die gute Zusammenarbeit mit den USA weiter verbessern.
Der US-Präsident hat immer wieder erklärt, die Kontrolle über die größte Insel der Erde übernehmen zu wollen: 2019 wollte er Grönland kaufen, 2024 einfach so übernehmen, im Frühjahr 2025 schickte er seinen Sohn Trump Junior nach Grönland, später US-Vizepräsident Vance. Einer Umfrage zufolge lehnen 85 Prozent der Grönländer die US-Pläne ab. Die Debatte über Trumps Aussagen hat die jahrzehntelange Diskussion über eine mögliche Unabhängigkeit Grönlands von Dänemark befeuert.
Grönlands klares Votum für die Unabhängigkeit
Wegen Trumps Plänen zog Grönland 2025 seine Parlamentswahlen vor. Die Wahlergebnisse bestätigten vor allem eins: Die große Mehrheit der Grönländer will nicht weiter zu Dänemark gehören. Da Grönland aber jährlich 600 Millionen Euro aus Dänemark erhält, befürchten viele Grönländer bei einem abrupten Bruch große wirtschaftliche Nachteile. Wahlsieger Nielsen legt einen klaren Schwerpunkt auf die Wirtschaft und setzt sich für einen behutsamen Weg zur Unabhängigkeit ein.
Schon sein Vorgänger Egede hatte immer wieder betont: „Wir wollen keine Dänen sein. Wir wollen auch keine Amerikaner sein. Wir wollen Grönländer sein.“ Er wies Anfang Januar 2025 das Kaufangebot von Donald Trump entschieden zurück und ging gleichzeitig auf Distanz zu Dänemark. "Grönland spricht davon, von Dänemark unabhängig zu werden, aber kein Grönländer möchte einfach zu einem neuen Kolonialherrn wechseln", erklärt Forscher Ulrik Pram Gad vom Dänischen Institut für Internationale Studien. Seit 2009 hat Grönland das Recht, sich per Referendum als unabhängig zu erklären.
Warum Trump Grönland haben will
Nach den Plänen von US-Präsident Donald Trump soll Grönland künftig Teil der Vereinigten Staaten werden. Damit knüpft er an einen gescheiterten Versuch aus dem Jahr 2019 während seiner ersten Amtszeit an. Damals wollte er die Insel mit ihren 57.000 Einwohnern kaufen.
Schon vor Beginn seiner zweiten Amtszeit erklärte Trump, dass es „im Interesse der nationalen Sicherheit" eine „absolute Notwendigkeit" sei, Grönland zu kontrollieren. „Das ist ein Deal, der zustande kommen muss". Schon damals schloss er militärische oder wirtschaftliche Maßnahmen nicht aus.
Geostrategische Bedeutung
Für die USA ist Grönland von großer geostrategischer Bedeutung. Dort befindet sich ein US-Luftwaffenstützpunkt mit einem Frühwarnsystem für ballistische Raketen. Der kürzeste Weg von Europa nach Nordamerika führt über Grönland. Durch den Klimawandel schmilzt das Eis, die Arktis wird für die Schifffahrt besser nutzbar und Grönland dadurch strategisch noch wertvoller.
Für die USA sei entscheidend, dass keine anderen Großmächte auf der Insel Fuß fassten, erklärt Ulrik Pram Gad. So hätten die USA Interesse an einer stärkeren militärischen Präsenz vor Ort bekundet, um die Gewässer zwischen Grönland, Island und Großbritannien zu überwachen - diese gelten als Tor für russische Marineschiffe und Atom-U-Boote.
Kremlsprecher Dmitri Peskow betonte als Antwort auf Trumps Vorstoß in Bezug auf Grönland: "Wir sind dort präsent und werden es weiterhin sein." Die „dramatische Entwicklung“ werde von der russischen Regierung genau verfolgt.
Reichhaltige Bodenschätze
Grönland ist nicht nur ein strategischer Knotenpunkt – in und um die Insel schlummern wertvolle Bodenschätze. Dabei geht es insbesondere um seltene Erden. Dänische Forscher gehen davon aus, dass in Grönland 35 Millionen Tonnen dieser Rohstoffe lagern; das könne beispielsweise den europäischen Bedarf für mehrere Jahrzehnte sichern.
Außerdem schlummern in Grönlands Boden Gold, Diamanten, Uran, Zink, Blei sowie große Mengen an Öl und Gas. Die grönländische Regierung hat die Förderung von Öl und Erdgas jedoch verboten, um den Klimawandel nicht noch weiter anzufachen. Gefördert werden soll nur das, was die Welt für die grüne Transformation benötigt. Das Land möchte zudem Potenziale der Wasserkraft ausschöpfen und zeigt sich bereit, bei der Lagerung von CO2 zu helfen.
Donald Trump ist nicht der erste US-Präsident, der an Grönland interessiert ist. 1946, als Grönland noch dänische Kolonie war, wollten die USA unter dem damaligen Präsidenten Truman die Insel als strategisches Gut während des Kalten Krieges kaufen. Doch bereits damals lehnte die Regierung in Kopenhagen den Verkauf ab.
Die USA hinken im Wettlauf um die Vorherrschaft in der Arktis ihren Rivalen Russland und China hinterher: Russland arbeitet schon seit Jahrzehnten daran, wie es die Arktisregion strategisch erschließen kann, China hat schon vor einiger Zeit begonnen, in die Rohstoffförderung in Grönland zu investieren.
Experten: Militärische und wirtschaftliche Optionen haben die USA bereits
Die Politikwissenschaftlerin Lea Deinzer Konrad betont, das dänisch-amerikanische Abkommen über die Stationierung von Truppen sei bereits relativ weitgehend, die USA könnten Grönland im Endeffekt nutzen, wie sie wollten. Der Politologe Tobias Etzold sieht das ähnlich. Ein Ausbau der Militärbasis wäre aus seiner Sicht möglich, ohne dass die USA weiterverhandeln oder irgendwas machen müssten.
Etzold weist zudem daraufhin, dass die Seltenen Erden Grönlands bislang kaum erschlossen seien, weil es aufwändig und kostenintensiv sei, an die Mineralien heranzukommen. Für US-Firmen habe sich das bislang nicht rentiert. Bis man dort im großen Stil Rohstoffe, auch Öl und Gas, bergen könne, werde es noch dauern.
Die Vergrößerung der USA
Der dänische Historiker Rasmus Sinding Søndergaard glaubt, dass es Trump eigentlich darum geht, das Territorium der USA zu erweitern. “Er hat immer wieder darüber gesprochen, dass er Amerika wieder groß machen möchte.” Das meine Trump wörtlich. “Er möchte der Präsident sein, der sich seinen Platz in den Geschichtsbüchern sichert, als jemand, der das amerikanische Territorium erweitert hat.”
Warum Grönland zu Dänemark gehört
Vor etwa 4500 Jahren haben Inuit Grönland besiedelt. Im 10. Jahrhundert entdeckte der Wikinger Erik der Rote die Insel und taufte sie „grünes Land“. Im 18. Jahrhundert wurde Grönland von Dänemark kolonisiert. 1973 wurde Grönland als Teil Dänemarks Mitglied der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und später Mitglied der Europäischen Union.
Die Grönländer, noch immer zu 90 Prozent Inuit, pochen aber schon seit Jahrzehnten auf stärkere Unabhängigkeit. Im Jahr 1979 erreichten sie einen Autonomiestatus von Dänemark, 1982 sagten sie sich im Rahmen dieser Autonomie mittels einer Volksbefragung von der Europäischen Union los, 1985 verließ Grönland schließlich die EU. Grönländer sind somit zwar dänische Staatsbürger, aber keine EU-Bürger.
In der Außenpolitik stimmen sich Grönland und Dänemark jedoch ab. Abgesehen von der Außen- und Verteidigungspolitik darf die grönländische Politik nahezu alle administrativen Aufgaben in die eigene Verantwortung übernehmen. Bisher werden aber nur die Fischerei und der Bergbau in Grönland verwaltet.
Wie sich die EU positioniert
Bundeskanzler Friedrich Merz sicherte Dänemark und Grönland gemeinsam mit Frankreichs Präsident Macron und weiteren EU-Staatschefs Unterstützung zu: Es sei an Dänemark und Grönland - und nur an ihnen - über ihre Angelegenheiten zu entscheiden. Nach der Zoll-Androhung des US-Präsidenten Mitte Januar bekräftigten die betroffenen Länder Deutschland, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande, Norwegen, Schweden und Finnland erneut ihre Solidarität.
Bereits vor den jüngsten Entwicklungen hatte sich die EU mit Dänemark solidarisch erklärt. Vor allem die europäischen Arktis-Anrainer hätten allen Grund zur Sorge, meint der deutsche Politologe Tobias Etzold vom Norwegischen Institut für Außenpolitik. Denn wenn sich die USA tatsächlich Grönland einverleibten, könnte das einen Präzedenzfall schaffen: Russland könnte dann in den nordischen Ländern wie Norwegen oder Finnland, ebenfalls Gebiete beanspruchen.
Zuvor hatte die Europäische Kommission die Drohungen Trumps als "sehr hypothetische Frage" bezeichnet. Kommissionssprecherin Paula Pinho verwies jedoch auf eine gegenseitige Verteidigungsklausel der 27 EU-Mitgliedsländer im Falle eines Angriffs auf das zu Dänemark gehörende Grönland.
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