
Köller sagte im Deutschlandfunk, es sei zwar grundsätzlich schwierig vorherzusagen, welche Kompetenzen in 10 oder 20 Jahren gebraucht würden. Die größte Sorge gelte derzeit jedoch der digitalen Transformation. Es sei unklar, ob es den Schulen ausreichend gelinge, junge Menschen auf diese veränderte Welt vorzubereiten. Schülerinnen und Schüler müssten lernen, digitale Werkzeuge und Künstliche Intelligenz kompetent zu nutzen, Risiken zu erkennen und Informationen kritisch zu bewerten. Dafür seien auch entsprechend geschulte Lehrkräfte notwendig.
"KI-Seepferdchen" für Grundschüler
Als Beispiel nennt Köller ein von ihm mitentwickeltes Konzept eines "KI-Seepferdchens" für Grundschulkinder. Dabei sollen bereits Dritt- und Viertklässler grundlegende Prinzipien wie Algorithmen oder maschinelles Lernen verstehen und einordnen können, auch um die Funktionsweise von Chatbots besser zu begreifen.
Zugleich stellte Köller fest, dass sich zentrale Inhalte und Prüfungsformate über Jahrzehnte kaum verändert hätten. Abituraufgaben erinnerten noch heute stark an frühere Generationen. Insgesamt bestehe Reformbedarf, insbesondere mit Blick auf moderne Prüfungsformen und digitale Kompetenzen.
Bedarf bei Gesundheitsbildung und Medienkompetenz
An der Fächerstruktur hält der Bildungsforscher grundsätzlich fest. Deutsch, Mathematik, Naturwissenschaften, und gesellschaftswissenschaftliche Fächer seien weiterhin unverzichtbar. Ergänzungsbedarf sieht Köller dagegen unter anderem bei Gesundheitsbildung und Medienkompetenz. Auch müsse geprüft werden, ob etwa eine zweite Fremdsprache noch zeitgemäß sei. Unterrichtsinhalte sollten stärker an der Lebensrealität der Schülerinnen und Schüler ausgerichtet werden, um Motivation und Lernbereitschaft zu erhöhen.
Unzureichende Grundkompetenzen im Lesen, Schreiben und Rechnen
Mit Blick auf den Übergang von der Schule in den Beruf sieht Köller erhebliche Probleme. Jährlich fänden mehr als 200.000 Jugendliche keinen Ausbildungsplatz, obwohl sie einen suchten. Unter anderem deshalb verlasse ein erheblicher Teil eines Jahrgangs die Schule ohne ausreichende Grundkompetenzen im Lesen, Schreiben und Rechnen. Diese Jugendlichen hätten kaum Chancen auf eine Ausbildung. Neben besseren schulischen Leistungen fordert Köller daher auch eine systematischere Berufsorientierung.
Die Diskussion über höhere Bildungsausgaben bewertet der Bildungsforscher differenziert. Zwar seien zusätzliche Mittel notwendig, entscheidend sei jedoch deren zielgerichteter Einsatz. Mehr Geld allein garantiere keine besseren Ergebnisse. Wichtig sei, insbesondere leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler wirksam zu fördern. Andernfalls drohe, dass zusätzliche Investitionen wirkungslos blieben.
Diese Nachricht wurde am 05.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
