
Im Streit mit der Deutschen Rentenversicherung ging es um die Tagessätze für Patienten. Träger der Einrichtung ist seit 2024 die diakonische Leinerstift-Gruppe. Diese hatte angegeben, dass pro Patient 520 Euro täglich notwendig seien - 200 Euro mehr, als die Deutsche Rentenversicherung gezahlt hatte. Die Tagessätze hätten die tatsächlichen Kosten nicht gedeckt. Das Leinerstift hat außerdem nach eigenen Angaben bei der Übernahme der Dietrich Bonhoeffer Klinik rund 1,5 Millionen Euro Defizit aus Eigenmitteln bezahlt.
Die Deutsche Rentenversicherung ist zuständig, weil sie laut Gesetz auch einen Auftrag zur Rehabilitation hat. Sie soll durch die Finanzierung von Reha-Maßnahmen eine Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit beseitigen beziehungsweise das vorzeitige Ausscheiden aus dem Erwerbsleben verhindern oder hinausschieben. Das fängt bereits bei Kindern an.
Kritik vom Drogenbeauftragten der Bundesregierung
Der Geschäftsführer des Leinerstifts, Vorwerk, sprach von "Systemversagen" und einer "Katastrophe" für die betroffenen Jugendlichen und für die Bundesrepublik Deutschland. Kritik kam auch vom Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Streeck. Man scheitere an 200 Euro pro Tag pro Kind, meinte er. Der Grund, warum kranke Kinder und Jugendliche so auf der Strecke blieben, sei ihm ein Rätsel.
Die Deutsche Rentenversicherung teilte mit, der Klinik seien verschiedene Lösungsansätze angeboten worden. Dazu habe auch das Angebot gezählt, einen vorübergehend erhöhten Tagessatz für einige Zeit weiterzuzahlen und sie bei der Erarbeitung eines neuen Wirtschaftskonzepts zu unterstützen. Das Angebot habe die Klinik aber nicht angenommen. Man weise den Vorwurf, dass die Versicherung sich querstelle und jungen Menschen die notwendige Hilfe versage, deshalb ausdrücklich zurück. Die Bonhoeffer-Klinik erhalte mit 320 Euro den bundesweit höchsten Tagessatz aller vergleichbaren Einrichtungen.
Streit um Angaben zu Therapieplätzen in Deutschland
Der Bundesbeauftragte Streeck sprach von bundesweit lediglich 85 Therapieplätze für Kinder und Jugendliche, von denen nun 60 in Großenkneten wegfielen. Die Deutsche Rentenversicherung hingegen gab an, deutschlandweit stünden 450 Plätze zur Verfügung. Das Angebot übertreffe die Nachfrage.
Seit März hat die Klinik keine neuen Patienten mehr aufgenommen, aktuell werden laut Stiftung noch 18 junge Menschen dort behandelt. Die Klinik soll eine Jugendhilfe-Einrichtung mit betreutem Wohnen werden, in der bis zu 22 Jugendliche Platz haben. Geplant sind der Stiftung zufolge Wohngruppen mit niedergelassenen Therapeuten. Die Kinder- und Jugendpsychiatrie des Klinikums Oldenburg werde die medizinisch fachliche Versorgung übernehmen.
Diese Nachricht wurde am 13.05.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
