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StartseiteCampus & KarriereZwangsquarantäne für Tausende Studierende28.09.2020

Großbritannien und CoronaZwangsquarantäne für Tausende Studierende

In Großbritannien dürfen rund 3.000 Studierende ihre Wohnheime nicht verlassen. Nach steigenden Corona-Infektionszahlen wurde ihnen Quarantäne und Online-Unterricht verordnet. Jetzt werden Stimmen laut, die einen Teilerlass der Studiengebühren für 2020 fordern.

Von Burkhard Birke

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Behörden in Großbritannien sahen sich gezwungen, vielen Studenten Quarantäne zu verordnen. (AFP/ Paul Ellis)
Manche Studierende in Manchester und Glasgow wurden von der angeordneten Quarantäne regelrecht überrascht. (AFP/ Paul Ellis)
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Sie dürfen den Campus nicht verlassen: Eingesperrt wie im Gefängnis fühlen sie sich oder wie hinter den Gittern im Zoo, erzählen diese beiden Studentinnen einem Reporter des "Daily Telegraph". Es sind zwei von insgesamt 1.700 Studierenden in Wohnheimen der Manchester Metropolitan University, die sich in Quarantäne begeben mussten.

Viele wurden von der Entscheidung überrumpelt. David Regan, Direktor für öffentliche Gesundheit in Manchester, sah sich gezwungen, die Notbremse zu ziehen.

"Die steigenden Infektionszahlen haben uns alarmiert. Aus einem ganz kleinen Infektionsherd sind mehr als 120 Fälle geworden. Da mussten wir reagieren, um die Ausbreitung unter den Studenten zu begrenzen und ein Übergreifen auf Risikogruppen in Manchester zu verhindern."

Unverständnis bei vielen Studierenden

Auch in Glasgow und Edinburgh gab es zahlreiche Ansteckungen unter Studenten. Die dort zuständigen schottischen Behörden sahen sich ebenfalls gezwungen, vielen Studenten Quarantäne zu verordnen. Rund 3.000 Studierende in Großbritannien befinden sich zurzeit in Wohnheimquarantäne.

"Ich lebe vier Stunden entfernt. Weshalb haben sie mich überhaupt hierherkommen lassen, wenn wir jetzt Online-Vorlesungen haben?"

Nadiah Hamidi stellt die entscheidende Frage. War und ist es richtig, den Unterricht an den meisten Universitäten mit physischer Präsenz zu beginnen?

Junge Menschen hätten einen hohen Preis in der Krise gezahlt, da sei es nur fair, sie zurück an die Universitäten zu bringen, zumal es klare Richtlinien gebe, verteidigte Kulturminister Oliver Dowden in einem BBC-Interview die Politik der Regierung.

Debatte um Teilerlass der Studiengebühren

Wenn es nur Online-Unterricht gebe, dann sollten die Universitäten den Studenten wenigstens einen Teil der Studiengebühren erstatten, forderte indes Robert Halfon, konservativer Abgeordneter vom Bildungsausschuss. Immerhin zahlen die Studenten im Schnitt 9.000 Pfund pro Jahr. Darauf angesprochen wich Bildungsminister Oliver Dowden aus:

"Natürlich wäre ohne die Krise alles anders. Wir wollen die Ausbreitung des Virus begrenzen, aber gleichzeitig den Studenten überhaupt die Rückkehr an die Uni ermöglichen. Es ist wichtig für Studenten, nicht ein Jahr ihres Lebens zu verlieren, weil sie nicht zur Uni gehen."

Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)Übersicht zum Thema Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)

Zum Teil haben die Universitäten den Studenten immerhin die Miete für einen Monat erlassen. Auch bei der am Wochenende noch schwierigen Versorgung mit Lebensmitteln und Möglichkeiten, Wäsche zu waschen, bemühen sich die Universitäten, Abhilfe zu schaffen. In Manchester werden die Bewohner eines Heims wenigstens als ein Haushalt betrachtet und dürfen sich gegenseitig besuchen. Und die schottische Regierung will Studenten in Ausnahmefällen nicht unbedingt bestrafen, wenn sie für die Quarantäne zu ihren Familien nach Hause zurückkehren.

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