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Großer Markt für Eizellen

Medizin. - Menschliche Eizellen sind begehrt, sei es zur Erfüllung eines Kinderwunsches oder auch bei der Erforschung von Erbkrankheiten. Doch die rechtlichen Grundlagen variieren international sehr - und selbst die Europäische Union zeigt hier ein äußerst buntes Bild an Regelungen.

Von Eva Schindele | 20.02.2007

Menschliche Eizellen sind knapp. In der Regel reift monatlich nur eine Keimzelle im weiblichen Körper heran. Braucht man mehrere, müssen sie in der Frau regelrecht gezüchtet und in einem operativen Eingriff "geerntet" werden. Die Prozedur ist für die Spenderin unangenehm, schmerzhaft und mitunter gesundheitlich riskant. Mindestens eine von hundert Frauen entwickelt ein so genanntes Überstimulationssyndrom, das im schlimmsten Fall zu Nierenversagen und Schlaganfall führen kann. Langzeitfolgen der hohen Hormongaben sind noch nicht ausreichend geklärt. Eizellen lassen sich im unbefruchteten Zustand bislang kaum einfrieren und sind deshalb weder gut zu lagern noch zu transportieren.

Dies alles erschwert den Umgang mit einer Ressource, die immer begehrter wird. Nicht nur unfruchtbare Paare hoffen sich damit ihren Kinderwunsch zu erfüllen, sondern auch Klonforscher wollen mit diesem Rohstoff experimentieren. Dafür brauchen sie viele und vor allem gute Eizellen von jungen Spenderinnen. Der koreanische Klonforscher Hwang, dessen Stammzelllinien sich inzwischen als Fälschung herausgestellt haben, verbrauchte zum Beispiel mehr als 2000 frische Eizellen von 119 Frauen. Zum Teil waren es Mitarbeiterinnen, die er unter Druck gesetzt hatte, ihre Keimzellen zur Verfügung zu stellen. Die internationale Wissenschaftlergemeinde wies dieses Vorgehen damals empört zurück. Doch wie einen ethisch korrekten Weg aus dem Eizellmangel finden? Das renommierte Wissenschaftsmagazin "Nature" schlug vor, Spenderinnen wie Probandinnen von Arzneimitteltests der Phase 1 zu bezahlen.

Für die Länder der Europäischen Union kommt diese Strategie nicht in Frage. Die EU-Geweberichtlinie verbietet die Kommerzialisierung von Keimzellen – egal, ob für die reproduktionsmedizinische oder wissenschaftliche Verwendung. Um keine Anreize für bedürftige Frauen zu schaffen, soll die Spende nur mit einer Aufwandsentschädigung entlohnt werden. Deren Höhe können die Länder allerdings selbst bestimmen. Und da klaffen große Unterschiede. Während Spanien, Eizellproduzent Nr. eins in Europa, den Spenderinnen 700 bis 1000 Euro bezahlt, müssen sie sich in England mit etwa 370 Euro begnügen. In beiden Ländern sollen diese Summen zukünftig auch für Forschungsspenden gelten. In Großbritannien sind Eizellen knapp - Spanien bedient dagegen auch das westliche Ausland. Auch den Tiermediziner Miodrac Stojkovic, der in Deutschland sein Handwerk gelernt hat, trieb es auf der Suche nach dem weiblichen Rohstoff ins spanische Valencia. Dort hofft er, dank guter Forschungsbedingungen, das weltweite Wettrennen um die ersten geklonten Stammzelllinien zu gewinnen.

Mit am Start ist auch Großbritannien. Die britische Aufsichtsbehörde HFEA hatte bereits im vergangenen Jahr dem Klonzentrum in New Castle erlaubt, Spenderinnen zu rekrutieren. Anders als die Spanier, sehen die Briten die Eizellspende für Forschungszwecke durchaus skeptisch. Bioethikerinnen kritisieren, dass Eizellen dadurch zum Handelsobjekt und Spenderinnen potentiellen Gesundheitsrisiken ausgesetzt würden. Der Antrag des Londoner Stammzellforschers Stephen Minger deshalb auf Eizellen von Kühen oder Schafen zurückzugreifen, wurde allerdings inzwischen von der britischen Aufsichtsbehörde abgelehnt.

Und in Deutschland? Hier verbietet das Embryonenschutzgesetz nur die Eizellspende zu Reproduktionszwecken. Theoretisch wäre also die Eizellspende für die Forschung möglich. Allerdings – so ein Mitglied des Gutachterausschusses für die Stammzellforschung kürzlich bei einem Workshop im Bundestag - gibt es hierzulande bislang keine Wissenschaftler, die sich für diese Art von Klonforschung überhaupt interessieren.