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StartseiteCorsoGroßfamilienglück in Ghana16.04.2012

Großfamilienglück in Ghana

Das Kunstprojekt "Adopted" ist als Dokumentarfilm auf Kino-Tour

Die Zahl der Single-Haushalte in Deutschland wächst und damit auch die Vereinsamung der Menschen. Der Dokumentarfilm "Adopted" erzählt, wie drei von ihnen den Weg aus der Misere finden wollen - sie lassen sich adoptieren. Von afrikanischen Großfamilien. "Adopted" ist ein Plädoyer für mehr Zusammenhalt.

Von Johannes Nichelmann

Die Ghanaischen Familien entscheiden anhand eines Fotokatalogs über ihre Bewerber.  (Widlok/Torero)
Die Ghanaischen Familien entscheiden anhand eines Fotokatalogs über ihre Bewerber. (Widlok/Torero)
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"Adopted" - die Filmhomepage

"Ich habe eine Familie! Sie sehen nett aus. Genau zu so einer afrikanischen Familie wollte ich dazugehören."

Thelma, Anfang zwanzig, sieht ihre Familie zum ersten Mal. Auf einem Foto. Die junge Frau wird, angetrieben von der Abenteuerlust, von Berlin nach Ghana ziehen. Der Dokumentarfilm "Adopted" begleitet sie und zwei andere Europäer auf dieser Reise. Regisseur Rouven Rech.

"Bei "Adopted" geht es darum, dass sich familiär bindungslose Europäer von afrikanischen Großfamilien adoptieren lassen können. Es kommt natürlich immer drauf an, in welcher Lebenssituation man sich gerade befindet und entweder ist man auf der Suche nach wirklich einer neuen Familie, nach einem neuen Lebenssinn. Die Gründe sind sehr unterschiedlich."

Der Vorgang des Adoptierens ist symbolisch zu sehen. Zumindest auf dem Papier bleiben die Europäer bei ihren Familien. Gemeinsam mit Gudrun F. Widlok hat Rech vier Monate in Ghana gedreht. Die Idee kam von Widlok, die schon vor zehn Jahren, das Kunstprojekt "Adopted" schuf. Sie bekam Werbeprospekte von Hilfsorganisationen in ihren Briefkasten, die zur Adoption von afrikanischen Kindern aufforderten. Ihr Gedanke: was wenn man das Ganze umdreht' Mit einer Ausstellung zog sie durch Deutschland und afrikanische Länder. Die Zustimmung auf beiden Seiten war groß. Da ist zum Beispiel die 70-jährige Gisela. Nach dem Tod ihres Mannes will sie einen Neuanfang.

"(Gisela) Du nimmst so etwas in kauf und hast mehr Zuwendung, als Du bleibst in Deutschland, wirst in ein Altersheim geschickt, denn meine Kinder würden nicht zögern, mich ein ein Altersheim oder Pflegeheim zu begeben. Andere Leute sind auch da. Der für mich wohl bessere Weg!"

"(Rech) Das hat sich ja immer mehr von diesem Kunstprojekt in die Realität gedrückt und eben aus diesem Grund, weil es hier anscheinend wirklich an irgendeiner Stelle einen großen Mangel gibt. An menschlicher Wärme, an Zuwendung. Und in Afrika ist es so, das man das nicht nachvollziehen kann, weil es da eine Selbstverständlichkeit ist."

Haben sich die Familien gefunden, kümmern sich die Künstler nicht weiter um den Austausch. "Adopted" sei kein Reisebüro, erzählt Rech weiter. Das müssten die Leute schon selbst regeln. Die Ghanaischen Familien entscheiden anhand eines Fotokatalogs über ihre Bewerber. Den Rest organisieren die Interessenten selbst.

"Ich habe mich gefragt, warum wir niemanden adoptieren. Um ihnen etwas beizubringen. So können sie - auch wenn sie zurückgehen - die ghanaische Kultur zu ihren Leuten bringen."

Auch der Bremer Ludger, Mitte dreißig, will sein Glück finden. Mit einem seiner neuen Brüder sitzt er in seinem Zimmer. Der Junge versteht nicht, was Ludger antreibt.

"(Junge) Mein Ziel ist es, in alle Länder zu fliegen. In die USA, Kanada, England."

"(Ludger) Und warum willst du in die USA gehen?"

"(Junge) Da gibt es Fahrräder, Laptops. Einfach alles!"

"(Ludger) Ich hatte einen Laptop. Ich hab ihn in Deutschland gelassen. Und ich hatte zwei Fahrräder. Warum glaubst Du, bin ich hier?!

"(Junge) Um Erfahrungen zu sammeln. Das Leben in Ghana kennen zu lernen. So in etwa."

Auch Ludger kommt, weil er es vermisst, Teil einer richtigen Familie zu sein. Aber ist es möglich, auf diesem Weg der westlichen geprägten Einsamkeit zu entgehen? Der Dokumentarfilm "Adopted" ist ein Plädoyer für mehr Zusammenhalt. Ein Experiment.

Stationen der Kinotour:

15.4. um 16:30 Uhr im Subiaco Freudenstadt
15.4. um 20:00 Uhr im Subiaco Schramberg
16.4. um 20:00 Uhr im Subiaco Alpirsbach
17.4. um 21:15 Uhr im Friedrichsbau Freiburg
18.4. um 19:30 Uhr im Caligari Kino Ludwigsburg
19.4. um 20:15 Uhr im Brazil Schwäbisch Gmünd
20.4. um 20:00 Uhr in den EM Kinos Stuttgart

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