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Grüne MusikfestivalsNachhaltig abfeiern erwünscht

Die Organisatoren des Zeltfestivals Ruhr am Kemnader See in Bochum möchten zeigen, dass Massenveranstaltungen im Grünen - clever geplant - zu einem Großereignis mit ökologischem Vorbildcharakter werden können. Dass Festivals so viel Energie wie eine Kleinstadt verbrauchen und Berge von Müll hinterlassen, war einmal.

Von Kai Rüsberg | 25.08.2014

Musikfestivals sollen in Zukunft ökologischer werden, versprechen Veranstalter.
Fans auf dem Sziget 2013 (dpa/ MTI/ Balazs Mohai)
Zwei Elektromotoren surren am Stand der Stadtwerke. Die Besucher des Zeltfestivals können hier in die Pedalen eines Heimtrainer-Fahrrades treten - motiviert von der Standbetreuerin Emilia Nuyen.
"Achtet, dass ihr 12 Volt tretet. Die können hier am eigenen Leib erfahren, wie Muskelkraft in Strom umgewandelt wird."
Christof Kiesel hat mit seiner Tochter an der Fahrrad-Aktion teilgenommen. Er findet es gut, dass auf dem Festival auf Umweltschutz geachtet wird.
"Begrüßenswert, dass in der Eintrittskarte der Bus mit drin ist, sodass man nicht das Auto nimmt."
Pfandflaschen, stromsparende Beleuchtung und Kühlung
Bei 170.000 Besuchern in zwei Wochen würden die Parkplatzkapazitäten ohne kostenlose Buszubringer gar nicht ausreichen.
Dass alle Teller in der Zeltgastronomie gespült und nicht weggeworfen werden und auch die Getränke aus Pfandflaschen ausgeschenkt werden, entspricht nicht nur dem Umweltschutz, sondern auch den gehobenen Ansprüchen der Gäste. Und die stromsparende Beleuchtung und Kühlung senkt die Betriebskosten. Doch am Ende sind die Ausgaben für Umweltschutz höher als die Einsparungen, sagt Veranstalter Oliver Ihrens.
"Natürlich könnte man den einen Euro zusätzlich erheben, wir machen das praktisch aus eigenem Antrieb. Man muss die Leute damit nicht bestrafen. Und das finden die Leute gut."
Vorbildcharakter für Jugendliche
Das Zeltfestival Ruhr ist damit eines der guten Beispiele, mit dem die Energie Effizienzinitiative EE Music andere Veranstalter für mehr Klimaschutz begeistern will. Sie wurde als Teil eines europaweiten Netzwerkes jetzt in Köln gestartet und richtet sich auch an Clubs. Unterstützer ist die Energieagentur NRW. Geschäftsführer Lothar Schneider setzt bei der Musikwirtschaft auf den Vorbildcharakter für Jugendliche.
"Ich habe über die Clubs eine Vorbildfunktion, wenn ich das promote, dann habe ich auch einen Nachahmeffekt."
Gute Idee: Klimaschutz-Flashmob
Für die Frankfurter Clubs hatte die Gruppe CarrotMob eine gute Idee: einen Klimaschutz-Flashmob. Sie haben die Clubbesitzer angesprochen und haben sie im übertragenen Sinne mit einer Karotte gelockt. Die Karotte waren die Besucher, die nur kommen, wenn sie mitmachen beim Klimaschutz, erklärt Meike Thalmeier von CarrotMob:
"Wir haben denen versprochen, dass wir eine Menge Leute zu ihnen schicken, wenn sie etwas für ihre Energiebilanz tun. Hat funktioniert. Spaß gemacht."
Die kleine, ehrenamtliche Flashmob-Gruppe hat mit ihren Aktionen sogar einen nachhaltigen Erfolg erzielt und einen Frankfurter Club zu Investitionen in den Klimaschutz animiert.
"Das Tanzhaus West hat 50 Prozent der Einnahmen angeboten. Die haben eine Energieberatung bekommen, haben Lampen ausgetauscht und die 20 kleinen Kühlschränke gegen eine große Kühlung ausgetauscht."
Investitionen sind für die meist finanziell schlecht ausgestatteten Veranstalter allerdings schwierig. Daher müssen sie überzeugt werden, dass sich Klimaschutz am Ende auch auszahlt.