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Grüne Revolution am Tennessee River

Sie war einst die dreckigste Stadt der USA. Doch heute zeigt Chattanooga sich "clean and green" und beweist, dass die US-Amerikaner auch ganz anders können, als von ihnen üblicherweise erwartet wird. Zu Besuch in einer Kommune, in der die Bürger sich der landesüblichen Politik widersetzen.

Von Bettina Schmieding | 16.06.2013

"I thought it is a shame. If George Bush can’t do it we can do it on a local level."

Gene Hyde ist Förster. Stadtförster in Chattanooga, um genau zu sein. Und er war stocksauer, als George W. Bush der Welt klar machte, was er vom Klimaschutz hielt. (*) Fast 200 Staatschefs haben damals ihre Unterschrift zur Verringerung der Treibhausgase geleistet. US-Präsident Bush gehörte nicht dazu. Gene Hyde blickt heute mit Stolz darauf zurück, dass sich der Bürgermeister von Chattanooga und viele andere in den USA damals entschlossen, ihr eigenes Kyotoprotokoll durchzuziehen. Und Chattanooga hatte es wahrlich bitter nötig.
Der Ort im Süd-Osten war einer der wichtigsten Eisenbahnknotenpunkte in den USA. Und ein Zentrum der Schwerindustrie. Eisen, Kohle und Stahl bestimmten das Leben in der Stadt. Sie machten aus Chattanooga einen Ort, in dem eigentlich niemand mehr wohnen wollte.
Der berühmteste Nachrichtensprecher der USA, Walter Cronkite, bescheinigte Chattanooga 1969 was eigentlich alle längst wussten: Der Ort am Tennessee River war die dreckigste Stadt des ganzen Landes. Der eigene industrielle Erfolg hatte Chattanooga auf grausame Weise eingeholt, erinnert sich Stadtförster Hyde:

"Die Luftverschmutzung war so groß, dass Autofahrer am Tag ihre Scheinwerfer einschalten mussten, um etwas zu sehen. Die Milchflaschen, die der Milchmann um fünf Uhr vor die Haustür stellte, waren um sieben Uhr so schmutzig, dass die Hausfrau sie abwaschen musste, bevor sie sie in den Kühlschrank stellte."

Dass sich Chattanooga einen Stadtförster leistet, hat damit zu tun, dass die Stadt heute Bäume will und keine Schornsteine. Wer von oben auf die Stadt blickt, sieht, dass mehr als die Hälfte der Stadtfläche grün ist. In New York City sind es dem riesigen Central Park zum Trotz nur 16 Prozent.

120 Millionen Dollar hat die Stadt in das neue Flussufer gesteckt
Downtown Chattanooga, ein Elektrobus surrt vorbei, Radwege säumen die Straße. Sogar die Polizei fährt Fahrrad, in schicken Shorts und mit schwarzem Helm. Auf einem Parkplatz ein Schild. "Green lined spaces are for fuel efficient cars only”. Wer hier parken will, kommt besser in einem sparsamen Auto, sonst gibt es ein Knöllchen. Der Innenstadt von Chattanooga sieht man die schweren Zeiten immer noch an. Baulücken künden von der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise, wenn auch an vielen Stellen investiert worden ist. Immer mehr elegante Geschäfte haben sich in den alten Kontorhäusern niedergelassen. 120 Millionen Dollar hat sich die Stadt alleine die Neugestaltung des Flussufers kosten lassen.

Heute kann man am Tennessee River mühelos stundenlang auf bestens präparierten Fahrradwegen fahren. Auch über den Fluss geht es per Rad. Und dabei wäre die Walnut Street Bridge fast abgerissen worden. Jetzt ist die Holzbrücke ein historisches Denkmal und verdankt ihre Erhaltung einer Initiative von engagierten Bürgern aus Chattanooga.

"Eine Gruppe von Bürgern hat sich zusammengetan und sich an den Staat Tennessee gewandt. Ihr Vorschlag lautete: Wenn wir so viel Geld zusammenbringen, wie ihr für den Abriss ausgeben würdet, könnte die Brücke dann stehen bleiben? Und sie haben es geschafft, genug Geld aufzutreiben und die Brücke für Fußgänger und Fahrradfahrer zu erhalten. An Sommerabenden ist es hier voller Menschen."

Ruth Thompson arbeitet für Outdoor Chattanooga, einer Firma, die mit Freiluftaktivitäten ihr Geld verdient. Die Eventkoordinatorin mit sportlich-grauer Kurzhaarfrisur wartet am Flussufer. Helm, Radlerhose und praktisches T-Shirt sind ihre Bürokleidung. Ihre Heimatstadt zeigt sie am liebsten auf zwei Rädern.

"Hinter mir sehen Sie das McLellan Island Schutzgebiet. Diese 18 Morgen große Insel in der Mitte des Tennessee River steht unter dem Schutz von Privatleuten. Man kommt nur per Boot dahin. Auf der Insel gibt es einen Campingplatz und einen Wanderweg, der einmal ringsherum führt. Und wir haben dort eine Kolonie mit amerikanischen Graureihern. Außerdem leben da draußen Flussotter. Ein wirklich großartiger Platz mitten in der Innenstadt von Chattanooga."

Der fragwürdige Titel "Schmutzigste Stadt der USA" war Ende der 1960er Jahre ein Weckruf, meint Ruth Thompson. Vorher wollte niemand bleiben, jeder, der in die Stadt hinein musste, fuhr so schnell wie möglich wieder hinaus.

"Wir haben die Luft verschmutzt. Wir haben uns selber krankgemacht und wir hätten um ein Haar auch noch unsere Lebensader, unseren Fluss, zerstört. Wir hier in Chattanooga verlassen uns nicht gerne auf die Regierung in Washington, sondern lieber auf den Einzelnen. In unserer Form der Demokratie passiert der Wandel von unten nach oben."

Aufgeregte Drittklässler mit großen verwunderten Augen machen einen Ausflug zum Bürgermeister. In Chattanooga werden selbst die Kleinsten zu Umweltschützern erzogen. Auf dem Weg schauen sie noch beim Stadtrat vorbei und dürfen in die Werkstatt für Verkehrszeichen. John Van Winkle ist Ingenieur für Verkehrswesen und als solcher zuständig für die Ampeln der Stadt. Die natürlich keine normalen Ampeln sind. Die Stadt hat längst alle herkömmlichen Glühlampen ausgetauscht und durch energiesparende LEDs ersetzt, erklärt der Ingenieur den Kindern geduldig. Schon die Schüler sollen wertschätzen, was ihre Stadt für die Umwelt tut. Und Spaß dabei haben – auch wenn Herr Van Winkle seinen erhobenen Zeigefinger nicht ganz verbergen kann.

"We want to educate them about what we do. So that they have an appreciation of how we work and what we do.

They didn’t realize how big the signals where because they are high in the air. They have a lot of fun."

Kinder wüssten schließlich nicht, wie groß die Lampen in den Ampeln seien, weil die ja sehr hoch hingen, fügt Van Winkle noch hinzu, der auch Mitglied im Komitee für Umweltschutz ist. Dass schon die Kinder lernen, dass Nachhaltigkeit zu Chattanooga gehört, wie Elvis zu Memphis, das war nicht immer so. Der Vater dieser Bewegung ist Ron Littlefield, der die Geschicke der Stadt bis zum März dieses Jahres als Bürgermeister leitete. Als Chattanooga zur traurigen Berühmtheit wurde, war Littlefield noch ein junger Stadtplaner.

"Ich kann mich noch gut an eine Unterhaltung erinnern, die ich in den 70er mit einem Verkehrsingenieur des Staates Tennessee geführt habe. Das landesweite Fahrradkonzept habe man nur entwickelt, um Bundesmittel zu bekommen, hat er gesagt. Damit wurden dann Autobahnen gebaut. Und dann hat er noch hinzugefügt, dass Straßen schließlich kein geeigneter Platz für Fahrräder und andere Spielzeuge seien. Ich war ein bisschen entsetzt. Er benutzte wirklich den Begriff Spielzeug."

Dann machen wir es eben selber, dachte der junge Stadtplaner damals. Littlefield und die anderen in der Stadt krempelten die Ärmel hoch und gingen an die Arbeit. Rad- und Fußwege wurden angelegt. Littlefield selber fährt übrigens auch Rad – aber lieber nicht in kurzen Hosen. Manche Menschen sollten einfach kein Spandex tragen, sagt er. Er nimmt den Umweltschutz sehr ernst. Seit 1992 kurven kostenlose Elektrobusse durch die Stadt.

Einst galt: Klimaschutz ist schlecht für die Wirtschaft
Im selben Jahr eröffnete das Tennessee Aquarium, das größte Süßwasseraquarium der Welt. Das Kongresszentrum der Stadt gehört zu den energiesparendsten des Landes, hoch über dem Fluss prangt das Kunst- und Museumsviertel. Alles lief also gerade wunderschön an mit der Nachhaltigkeit und dem Strukturwandel in der Stadt. Und plötzlich blickte die Welt nach Washington. Präsident George W. Bush weigerte sich, das Kyotoprotokoll zu unterschreiben. Klimaschutz ist schlecht für die Wirtschaft, so ungefähr lautete sein Argument. Ruth Thompson von Outdoor Chattanooga zieht missbilligend die Augenbrauen unter ihrem Fahrradhelm hoch. Wir wissen besser, was Nachhaltigkeit für eine Stadt tun kann, sagt sie.

"His refusal to do that is a decision I would not agree with. We know what being sustainable can do for the city."

Gemeinsam mit anderen Stadtoberhäuptern unterschrieb Bürgermeister Littlefield 2005 einen Klimaschutzplan, der die Richtlinien aus dem Kyotoprotokoll übernahm. Die rechtsgerichtete Tea Party Bewegung hat ihn daraufhin als fortschrittsfeindlich beschimpft. Und darüber kann der große Mann mit dem noch größeren Humor nur lachen.

"I have been attacked by the Tea Party for having done that. They said I was against air conditioning. hahaha"

Erst Nachhaltigkeit bringt Wohlstand. Davon ist Ron Littlefield felsenfest überzeugt.

"Wir sind das beste Beispiel dafür, dass es richtig ist, sich für Lebensqualität, Nachhaltigkeit und Umweltbelange einzusetzen. Und das gilt auch, wenn man das ganze Thema nur als kalte Wirtschaftsstrategie betrachtet."

Auch europäische Konzerne, wie der Energieriese Alstom mit über 90.000 Mitarbeitern, stießen irgendwann auf der Suche nach neuen Standorten, auf Chattanooga. Und fanden eine alte Fabrik am Flussufer, erinnert sich Littlefield, der ihnen, wie es sich für einen guten Bürgermeister gehört, freudestrahlend alles anbot, was sich die kleine Stadt in Tennessee nur leisten konnte. Aber darauf kam es den Europäern gar nicht an.

"Sie kamen zu uns und sagten, wir wollen eine Milliarde Dollar bei euch investieren. Und natürlich haben wir ihnen Steuererleichterungen und so weiter angeboten. Aber letztlich kam der Chef von Alstom zu mir und sagte: Herr Bürgermeister, wir wollen nach Chattanooga kommen, aber nur unter einer Bedingung. Sie müssen versprechen, dass sie die Promenade am Flussufer verlängern und zwar an unserer Fabrik vorbei, damit unsere Leute etwas von dieser Annehmlichkeit von Chattanooga haben."

Und Alstom war nicht der letzte Großkonzern, der sich auf den Weg nach Tennessee machte. Besonders stolz ist Littlefield darauf, dass sich der deutsche Volkswagenkonzern mitten in der Weltwirtschaftskrise entschloss, in Chattanooga künftig Autos zu bauen.

3000 Mal wirbelt das Drehkreuz am Eingang zur Fabrik am Morgen herum, 3000 Mal am Abend. Eine leuchtend blaue Brücke – entworfen von Studenten der örtlichen Universität – schlägt einen Bogen vom Ausbildungszentrum zur Fabrik. VW sammelt das Regenwasser auf dem Werksdach und lässt damit die Toiletten spülen, es lackiert seine Autos möglichst umweltfreundlich und möchte seine brandneuen Fahrzeuge emissionsarm auf der Schiene abtransportieren. Das Gelände, auf dem früher eine Munitionsfabrik stand, hatte noch einen Gleisanschluss und jetzt einen brandneuen Bahnhof.

"Don’t you like our new car. I love this this is woodgrain. Like the Mercedes and BMW it is so pretty."

Shelda Spencer Rees ist Tourismusmanagerin in Chattanooga. Die kleine Frau darf probesitzen im Passat, der frisch vom Band gelaufen ist. Sie streicht versonnen über das Holzimitat im Armaturenbrett. Der Wagen ist deutlich preiswerter als die deutsche Variante und zehn Zentimeter länger. Shelda wirkt ein wenig verloren darin. Mit Kennerblick scannt sie das Wageninnere nach einem entscheidenden Ausstattungsdetail. Dem Becherhalter.
Die Cup Holder, das ist eine ewige Geschichte. Diesmal sind wir überzeugt, dass wir die richtige Größe und auch die richtige Anzahl haben. Den Amerikanern ist klar, dass die Deutschen keine Cupholder brauchen, nachdem sie einmal auf der Autobahn gewesen sind. Dass die bei 160 keine Zeit hatten, sich einen Kaffee zu gönnen. Das Leben findet mehr auf der Straße statt. Man isst und trinkt auf der Straße. Und man trinkt aus Eimern. Haha, ohne Henkel und mit Kappe. Da müssen sie die richtigen Autos drum bauen.

Irgendwie scheint das zu klappen, berichtet Günther Scherelis von VW, denn der deutsche Passat Made in Tennessee verkauft sich gut in den USA.

Im Konferenzraum des Werks turnt die Belegschaft in der Pause zu Popmusik. Wer einen festen Job bei VW ergattert hat, fühlt sich wie nach einem Sechser im Lotto – auch wenn das Werk gerade 500 Leiharbeiter entlassen musste.

Die Leute sind sehr zufrieden, verdienen überdurchschnittlich, die Arbeitsplätze sind sicher. Es ist vor allem ein Job, der Krankenversicherung und Pensionsrückstellung bietet. Das sind Dinge, die wir in Deutschland normal finden, die hier außergewöhnlich sind.

Das VW-Emblem für den Kühlerrost wird in einem Volkswagenwerk in Wolfsburg anmontiert.
VW entschied sich für ein Werk in Chattanooga: "Da ist ein Traum wahr geworden." (AP)
Ein deutscher Wagen als kulturelle Ikone
398 US-Städte wollten das VW-Werk. Chattanooga hat den Zuschlag bekommen. Eine Milliarde Dollar hat der Wolfsburger Konzern in das neue Werk investiert und direkt oder indirekt 12.000 neue Jobs in Chattanooga geschaffen. Letztendlich haben das Umweltkonzept und die Lebensqualität in Chattanooga den Ausschlag gegeben, sagt Ron Littlefield, der als Bürgermeister das Geschäft eingefädelt hatte. Er wird ganz sentimental, wenn er von seiner Jugend im VW-Käfer erzählt. Jeder in den USA hat eine VW-Geschichte, meint er.

"Der VW-Käfer war so etwas wie eine kulturelle Ikone. Und auf einmal ist sie ein Teil unserer Stadt geworden. Und das geht es um viel mehr als um die Wirtschaft und Tausende von Jobs. Da ist ein Traum wahr geworden."

Aber auch die New Economy findet in Chattanooga ein Zuhause. Die Stadt hat das schnellste Internet der USA, 200 Mal schneller als im Durchschnitt des Landes. Das zieht Start-up-Firmen mit jungen Mitarbeitern in die Stadt. Diese neue Generation von Amerikanern will sich nicht ausschließlich von gigantischen Burgern und Dosenbier ernähren, sondern setzt sich lieber bei Susan und Sally Moses an den Tisch.

Der Familie der beiden Schwestern Moses gehörte das Gelände, auf dem heute das VW-Werk steht. Hätten wir es doch nur behalten, stöhnt Susan schmunzelnd. Das wäre ein Vermögen wert gewesen. Stattdessen führen die Schwestern heute das erste ökologische Restaurant in Chattanooga – mit Zertifikat und Überzeugung.

Ervie Mariano, geborener Philippino, fährt fast jeden Tag die 10 Minuten von seinem Garten zum Restaurant 212 Market Street. In der Küche ist schon viel Betrieb, als Ervie die Tür aufmacht. Heute bringt er Pok Choy und roten Kopfsalat. Alles biologisch, keine Pestizide, kein Kunstdünger.

"Dies ist Thunfisch-Tetaki. Das rollen wir in Sesamsaat, würzen es und braten es dann leicht an, so dass es innen noch fast roh ist. Und dazu gibt es einen Salat mit einer Vinaigrette aus Sojasoße und Ingwer, und das hier ist Forelle. Die wird dreimal in der Woche von einem Mann aus Georgia geliefert."

Die Küche ist klein, eng und heiß. Koch Kevin ist für die Mittagsschicht eingeteilt. 212 Market Street backt seines eigenes Brot, kauft vor allem Lebensmittel von örtlichen Produzenten, die man in einem Umkreis von 100 Meilen bekommen kann. Eine Ausnahme machen sie beim Fisch, gesteht Susan Moses. Das nächste Meer ist einfach zu weit entfernt. Und natürlich hat 212 Market Street eine Solaranlage auf dem Dach, einen veritablen Fahrradparkplatz vor der Tür und eine Aufladestation für Elektroautos auf dem Parkplatz.

"Wir unterstützen unsere örtlichen Fahrradteams und wir haben Schließfächer. Unsere Angestellten sollen möglichst mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen. Und wir haben eine Dusche für die Fahrradfahrer. Unsere Radparkplätze vor der Tür werden gerade mithilfe der Stadt erweitert."

Wenn es nach den Menschen in Chattanooga und vor allem nach Ron Littlefield geht, dann sollte das Auto immer verzichtbarer werden – vielleicht mit Ausnahme der Passats, die vor den Stadttoren vom Band rollen.

"Wenn wir es schaffen, aus der Stadt das Beste für die Menschen zu machen, die hier leben, dann wird sich der Rest schon ergeben. Und natürlich gehören Fahrräder dazu, genauso wie Fußwege und Bäume in der Innenstadt. Als Stadtplaner der schon überall auf der Welt war, glaube ich, dass wie dir am meisten transformierte Stadt in Amerika sind."

Dass der Boom in Chattanooga auch ein bisschen damit zu tun hat, dass dort jetzt Autos gebaut werden, ist ein kleiner Scherz der Geschichte. War es doch der Siegeszug des Automobils nach dem Zweiten Weltkrieg, der Chattanooga fast seine wichtigste Attraktion gekostet hätte. Den Bahnhof.
Wo früher noch 60 Züge pro Tag abgefertigt wurden, waren es 1969 nur noch zwei. Ein Jahr später hielt der letzte Personenzug in Terminal Station. Damit ging die Eisenbahn-Ära Chattanoogas zu Ende. Übrigens, den Bahnhof, für den fiktiven Chattanooga Choo Choo, den gibt, es immer noch. Einer Handvoll streitlustiger Bürger ist es zu verdanken, dass er seinem Abriss entkommen ist und ein zweites Leben als Hotel fristen kann. Ach, und übrigens: Die Eisenbahnstrecke im Welthit von Glenn Miller über die berühmte Nachtfahrt von New York nach Chattanooga, die hat es in Wirklichkeit nie gegeben. Aber wenigstens wurde das Städtchen am Tennessee River über Nacht mehr als nur ein Fleck auf der Landkarte im Südosten der USA. Und noch heute kann niemand, der Chattanooga seine Heimatstadt nennt, irgendwo auf der Welt erzählen, woher er kommt, ohne dass sein Gegenüber sofort zu singen beginnt.

(*) Anm. d. Red.: An dieser Stelle weist die Onlinefassung nach einer Autorinnenkorrektur von der Sendefassung ab.