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Grüne Uhr für Umweltfreunde

Ökologie.- Grünes Bewusstsein können bald moderne Bürger am Handgelenk demonstrieren: mit der sogenannten "grünen Uhr" - ein Verschmutzungsmessgerät, das derzeit in Paris getestet wird.

Von Suzanne Krause | 14.07.2009

    Wenn Thierry Marcou im Pariser Zentrum spazieren geht, dient das Forschungszwecken. En passant misst er die Luftverschmutzung und den Lärmpegel nahe des Boulevard Montmartre. Seine Ausrüstung: die Uhr am Handgelenk. Und ein speziell aufgerüstetes Handy. Diese grüne Uhr, ganz aus Plastik und sehr leicht, wirkt dennoch sehr klobig, wie ein Remake der riesigen japanischen Modelle aus den 1970er-Jahren, allerdings sehr quadratisch. Und mit winzigem Display. Thierry Marcou ist Chef des Vereins "Fing". Das steht für "Stiftung für das Internet der neuen Generation". Die "Fing" knobelt neue IT-Anwendungen in der Stadt aus. Wie beispielsweise die spontane Messung der Luftqualität. Dazu schaut Marcou auf seine grüne Uhr.

    "Im Display erscheint die Ansage 37 ppb, also parts per Billion. Da geht es um den Ozongehalt der Luft. Jetzt sind es schon 38 ppb. Das sind aber noch ganz normale Werte, eine geringe Sommersmog-Belastung. Erst ab 80 ppb wird es etwas bedenklich."

    Per Knopfdruck schaltet Marcou sein grünes Gerät am Handgelenk um, für die Lärmpegelmessung:

    "Hier haben wir jetzt 75 Dezibel. Ruhig ist das nicht, aber halt normal laut für eine Nebenstrasse in Paris, an der Ecke eines vielbefahrenen Boulevards."

    Jetzt holt Thierry Marcou sein Handy raus. Per Bluethooth werden darauf die Messwerte der Uhr übertragen. Auf dem Handydisplay wabert ein großer, zweifarbiger Kreis: Symbol für ein Auge. Die Farbe der Pupille gibt den Lärmpegel an: je lauter, desto dunkler wird das Blau. Die Farbe der Iris gibt die Luftqualität an: Ist die Luft gut, leuchtet die Iris grün, bei hohem Ozongehalt blinkt sie rot.

    "Dank dieses Auges kann man auf einen Blick erkennen, welchem Lärmpegel und welcher Luftverschmutzung man am aktuellen Standort ausgesetzt ist."

    Damit nicht genug: Die Uhr funkt die Messdaten ebenfalls an eine spezielle Plattform. Entweder in Echtzeit oder zeitversetzt, vom heimischen Computer aus. Zur Veröffentlichung im Internet. In seinem Büro demonstriert Marcou die ersten Testergebnisse:

    "Hier haben Sie Zugang zum Stadtplan von Paris. Da haben wir mit unseren Messungen schon verschiedene Viertel farbig kartographiert."

    Die technischen Details der grünen Uhr hat das Unternehmen "Xilabs" ausgetüftelt, Spezialist für sogenannte urbane Spiele. Da wird die ganze Stadt zum Spielfeld und das Handy dient als Kommandozentrale. Ivo Flammer von XiLabs zur grünen Uhr:

    "Alle Basisfunktionen sind im Prinzip nichts Besonderes. Die Uhr enthält zwei Messgeräte, alle Bauteile kann man im Handel erwerben. Die wahre Herausforderung bestand darin, alles in einem kleinen Gehäuse zusammen zum Laufen zu bringen. Schließlich misst die Uhr pro Sekunde zwei unterschiedliche Werte. Und dann enthält die Uhr noch einen GPS, der die Messungen datiert und lokalisiert. Das Kniffligste war, die Bauteile so zu verkleinern, dass sie in das Uhrgehäuse passen. Eine Ingenieurleistung, die das Unternehmen 'Cyberfab' hinbekam."

    Bislang gibt es nur 15 Exemplare der grünen Uhr: Prototypen. Noch sind die Messwerte von eher grober Natur. Und noch muss die Uhr täglich aufgeladen werden. Dennoch schwört Thierry Marcou auf ihre Nützlichkeit:

    "Zum einen dienen die Messdaten, die jeder mit einer grünen Uhr am Handgelenk sammelt, der Gemeinschaft, denn sie bereichern ja die Internet-Datenbank zur Umweltqualität. Zum anderen setzen wir auch auf einen direkten persönlichen Nutzen. Vorstellbar ist, dass jeder seine eigenen Messwerte vom Zentralserver auf seinen Computer lädt. Da kann er beispielsweise ablesen, welchem Ozongehalt und welchem Lärmpegel er sich bei bestimmten Alltagsstrecken aussetzt. Und er kann überlegen, ob er nicht lieber um gewisse Straßen einen Bogen macht."

    Die Erfinder der grünen Uhr planen weiter. Mit Messgeräten, die weitere Umweltbelastungen registrieren: den Feinstaubgehalt beispielsweise oder auch den Pollenanteil in der Luft. Da könnte dann jeder Träger das Messgerät seiner Wahl in die grüne Uhreinklinken. Und beim Stadtbummel für sich und für die Gemeinschaft Ökodaten sammeln.