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Guggenheim-Museum in Bilbao
Illumination zum Jubiläum

Das Guggenheim-Museum in Bilbao feiert 20. Geburtstag. Trotz anfänglichem Widerstand ist der Einfluss des Hauses auf die baskische Stadt enorm: Das Museum zieht jedes Jahr rund eine Million Besucher an. Das Verhältnis zur regionalen Kulturszene ist allerdings bis heute ambivalent.

Von Hans-Günter Kellner | 17.10.2017
    Das Guggenheim-Museum in Bilbao wird im Rahmen des 20-jährigen Museums-Jubiläums bunt angestrahlt.
    Das Guggenheim-Museum in Bilbao, im Rahmen des 20-jährigen Jubiläums illuminiert (AFP/Ander Gillenea)
    Das Guggenheim-Museum als Projektionsfläche: Eine Ton- und Lichtshow zeichnet zum 20. Geburtstag die Vergangenheit der alten Industriestadt auf die Titanhülle des berühmten Gebäudes: Feuer, Hochöfen und Schiffswerften, dann entwerfen Computergrafiken die Zukunft. Am Ende in gleisendem Licht: das Museum selbst.

    Von den vergangenen 20 Jahren erzählt auch Juan Ignacio Vidarte, Generaldirektor des Museums: Von 20 Millionen Besuchern, von einem Beitrag des Museums zur baskischen Wirtschaftskraft in Höhe von fast 4,3 Milliarden Euro und von 5.000 Jobs, die durch die Museumsaktivität in der Region entstanden sind. Vidarte ist ein Mann der Zahlen. Zur ausgestellten Kunst äußert er sich erst auf Nachfrage.
    "Da war die Schau "A matter of time" von Richard Serra 2005, die ein großer Schritt für uns war, auch für das Wachstum des Museums als kulturelle Institution. Wir hatten zahlreiche Ausstellungen, die die gesamte Karriere der wichtigsten Künstler des 20. Jahrhunderts gezeigt haben. Robert Rauschenberg, Eduardo Chillida, gegenwärtig Bill Viola. Ein weiterer Meilenstein ist sicher unsere eigene Sammlung."
    Gebäude entworfen von Architekt Frank Gehry
    Auch das beeindruckende Gebäude selbst, entworfen vom Architekten Frank Gehry, ist ein solcher Meilenstein. Doch es gab vor 20 Jahren auch Kritiker, die meinten, neben einem solchen Bau drohe die darin gezeigte Kunst nebensächlich zu werden. Vidarte kennt das Argument:
    "Wir sind sehr stolz auf dieses Gebäude, es ist ein Meisterstück der Architektur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Manche glaubten, dass ein Museumsgebäude langweilig sein müsste, damit es nicht im Wettstreit mit der Kunst liege. Wir dachten aber immer, dass das beste Gebäude eines wäre, dass die besten Räume für die Kunst hat, die wir zeigen wollen."
    Gegenwärtig zeigt das Museum drei Ausstellungen: Werkschauen von Anni Albers, Georg Baselitz und von Bill Viola. Hinzu kommt eine Dauerausstellung mit den enormen Skulpturen von Richard Serra sowie eine Auswahl aus der eigenen Sammlung, die insgesamt 130 Arbeiten von 74 internationalen Künstlern umfasst, erklärt Museumssprecherin Begoña Martínez Goyenaga vor Skulpturen von Eduardo Chillida und Jorge Oteiza.
    Ambivalentes Verhältnis zur regionalen Kunstszene
    Zu den Befürchtungen in der baskischen Kulturszene, Künstler aus der Region hätten es schwer im Guggenheim, sagt sie:
    "Wir wollen keinen politischen Preis zahlen und Werke ausstellen, die uns nicht überzeugen. Das ist wie mit Werken von Frauen. Wir haben da keine Quote im Kopf. Für uns gelten keine anderen Kriterien als die künstlerische Qualität."
    Über die allerdings in New York entschieden wird, kritisiert Juan Manuel Lumbreras. Er besitzt eine kleine Galerie in Bilbao. Juan Ignacio Vidarte sei zwar Museumsdirektor, aber die künstlerische Leitung liege weiter bei der Zentrale in New York, sagt Lumbreras:
    "Ich kenne den Leiter des Guggenheim seit der Universität. Bilbao ist eine kleine Stadt. Aber dass wir Galerien Vorschläge machen könnten. Ein Kollege versucht seit 18 Jahren, eine Ausstellung über die baskische Avantgarde ins Guggenheim zu bringen. Das sind neben Chillida und Oteiza viele weitere große Künstler: Valerdi, Pepe Barceló, Mendiburu, Basterrechea, eine Gruppe die Du überall auf der Welt ausstellen kannst."
    Globale Ausrichtung, rentables Ausstellungskonzept
    Kunstgalerien in Bilbao hatten anfangs geglaubt, sie könnten vom Museum profitieren. Inzwischen mussten traditionsreiche Galerien aber schließen. Das Guggenheim übergehe die Galeristen beim Ankauf von Werken, heißt es. Doch Lumbreras winkt ab:

    "Das Museum ist nicht dafür da, die Galerien zu ernähren. Zu seinen Aufgaben gehört, die Bürger weiterzubilden. Und das funktioniert! Früher schimpften die Besucher bei mir über abstrakte Kunst. Heute gehen diese Leute ins Guggenheim, sehen diese Werke und sagen sich, ich verstehe es zwar nicht, aber es hängt in diesen heiligen Hallen. Sie sind respektvoller geworden."
    Es ist ein ambivalentes Verhältnis der regionalen Szene zum Guggenheim. Die einen kritisieren das Guggenheim-Konzept, das Ausstellungen in mehreren Museen hintereinander zeigt und so rentabel macht. Andere meinen, auf diese Weise komme Kunst nach Bilbao, die dort früher nie zu sehen war. Das Museum mit seiner globalen Ausrichtung sollte Bilbao in der internationalen Kunstszene verankern.